Artikel versenden

Artikel drucken

Artikel kommentieren



AAA

Olympia: 5000 Quadratkilometer voll Algen

02.07.2008 | 18:53 |   (Die Presse)

Eine „Algeninvasion“ plagt das Segelrevier vor Qingdao, 400 Fischerboote und 3000 Helfer sollen mit Netzen das Meer säubern. Für die Chinesen ist das „nichts Neues“.

QINGDAO/ WIEN (finne). Es ist ein sattes Grün, es könnte getrost eine Almwiese sein. Doch in Wirklichkeit ist es ein überdimensionaler Algenteppich, der die Küste vor der chinesischen Stadt Qingdao (550 Kilometer südöstlich von Peking) in Beschlag genommen hat. Die starke Strömung treibt die Algen in Richtung Hafen, auch der Strand ist längst nicht mehr grau, sondern voll von der grünen Pracht. Das vermutlich von Klimaerwärmung, schwerer Umweltverschmutzung und Industrie generierte „Phänomen“ ist für die Chinesen kein unbekanntes, kommt es doch schon seit vielen Jahren dazu. Nun aber, knapp ein Monat vor Beginn der Sommerspiele in Peking, wurde das Algenproblem erst zur „nationalen Angelegenheit“ erklärt. In Qingdao stehen nämlich alle olympischen Segelbewerbe auf dem Programm.


Schlepper und Rasenmäher

Allein die Vorstellung, dass Segelboote in der Algendecke stecken bleiben, lässt beim Veranstalter und dem Internationalen Olympischen Komitee die Alarmglocken schrillen. Chinas Regierung mobilisierte 400 Fischerboote, die nun ihre Netze nur für Algen auswerfen sollen. An Land greifen Bagger und 3000 Helfer fest zu, um den Eindringlingen Herr zu werden. Auch soll mit Schleppern versucht werden, die Eindringlinge abzublocken – so, wie man es bei Tankerunglücken und auslaufenden Ölmengen unternimmt.

„Die Algen sind doch schon immer da“, wundert sich Österreichs Segel-Direktor Georg Fundak, der Mittwoch mit seiner kompletten Flotte in Qingdao angekommen ist und die letzten Vorbereitungen vor den Spielen treffen will. „Heuer ist es etwas früher grün als zuletzt. Es hat viel geregnet, dazu kommt neben der Verschmutzung des Wassers auch noch die drückende Hitze“, sucht Fundak nach Gründen für die Algeninvasion. „Die Chinesen werden es aber sicherlich in den Griff kriegen. Ich denke, dass es kein Problem für sie sein dürfte. Und wenn sie mit Rasenmähern ausrücken...“

Wang Shulian, Direktor des Ozeanischen Institutes von Qingdao, geht jedenfalls davon aus, dass die Algenpest natürlich nicht von der Umweltverschmutzung herrühre, sondern das „extrem starke Wachstum der vielen verschiedenen Algensorten auf Wassertemperatur und den reinen Salzgehalt“ zurückzuführen sei.

Einen letzten Ausweg glaubt Yuan Zhiping, er arbeitet im Segel-Komitee, gefunden zu haben: Ein 30 Meilen langer, auf dem Wasser schwimmender Zaun soll die Algen von den Regatten fernhalten. Aber was geschieht mit den anderen 5000 Quadratkilometern, die bereits von den Algen in Beschlag genommen worden sind?

Die Wetterverhältnisse vor Qingdao sind wechselnd, schildert Fundak Probleme, die vor allem seine Segler betreffen. Morgens hänge dichter Nebel über dem Wasser, sodass die Sichtverhältnisse kaum über zehn Meter hinausreichen würden. Kombiniert mit starken Strömungen und dezentem Leichtwind verlange es „den ganzen Segler. Es ist ganz anders als in Athen.“ Fundak sieht aber einen Ansatz: Diese Bedingungen gelten für jeden Starter.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2008)


| Artikel versendenVersenden | Artikel DruckenDrucken | AAA Schriftgröße

Bookmarken bei [?]: Webnews Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen