Feuer entzündet: Die Olympischen Spiele sind offiziell eröffnet

08.08.2008 | 18:42 |   (DiePresse.com)

10.000 Sportler, 15.000 Komparsen, 90.000 Gäste - Nach einer vier Stunden dauernden gigantischen Eröffnungs-Feier hat Chinas Präsident Hu Jintao die Olympischen Spiele 2008 in Peking offiziell eröffnet. Für China geht ein Traum in Erfüllung, das Reich der Mitte steht im Rampenlicht.

Mit einem gigantischen Feuerwerk und einer Darstellung von Szenen aus 5000 Jahren chinesischer Geschichte sind am Freitag die Olympischen Spiele in Peking eröffnet worden.

Mit der pompösen Veranstaltung vor den Augen von 80 Staats- und Regierungschefs, unter ihnen US-Präsident George W. Bush, der russische Ministerpräsident Wladimir Putin und der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy, wollte sich China als modernes Land präsentieren und auch einen Schlussstrich unter monatelange Streitigkeiten über Menschenrechte und Tibet ziehen. Präsident Hu Jintao rief zur Zusammenarbeit und Aussöhnung auf.

>> Die Eröffnungsfeier in Bildern


Präsident Hu Jintao gab mit der traditionellen Formel "Ich erkläre die Olympischen Spiele von Peking zur Feier der XXIX. Olympiade neuer Zeitrechnung für eröffnet" um 17.36 Uhr MESZ das Startsignal für das größte Sportereignis der Welt.

Zuvor sagte IOC-Präsident Jacques Rogge, China habe lange davon geträumt, seine Tore für die Sportler der Welt zu öffnen. "Heute wird dieser Traum Wirklichkeit", sagte Rogge. Er rief die Sportler auf, Vorbilder für die Jugend zu sein und auf Doping zu verzichten. Tischtennis-Spielerin Zhang Yining sprach als Athletenvertreterin den Olympischen Eid.

Anschließend entzündete der frühere Turner Li Ning, dreifacher Olympiasieger, das Olympische Feuer. An Seilen hängend, schwebte Li auf seiner langen Runde über den Zuschauerrängen um das Stadionoval zur Feuerschale. Bis zum 24. August kämpft die Rekordzahl von 10.500 Athleten aus 204 Nationen um Olympische Medaillen in 28 Sportarten.

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Filmregisseur Zhang Yimou, dessen Werke lange verboten waren, hatte die mehrstündige Eröffnungsfeier in Szene gesetzt. 15.000 Teilnehmer sorgten für teils verblüffende Effekte, 30.000 Feuerwerkskörper tauchten den abendlichen Himmel der Millionenmetropole in rotes, grünes und blaues Licht. Den feierlichen Auftakt der Spiele verfolgten im "Vogelnest" genannten Olympiastadion etwa 91.000 Menschen.

(c) epa01434983 Fireworks go off at the start of the Opening Ceremony of the Beijing 2008 Olympic Games at the National Stadium, known as Bird's Nest, Beijing, China, 08 August 2008. EPA/MICHAEL REYNOLDS

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Die Behörden öffneten den Platz des Himmlischen Friedens, damit die Bevölkerung das Feuerwerk verfolgen konnte. Dort hatten Soldaten vor 19 Jahren Studentenproteste für mehr Demokratie gewaltsam unterdrückt.

Mehr als eine Milliarde Sportfans sahen die Eröffnungsfeier, für die China 100 Millionen Dollar (66,3 Mio. Euro) aufgewendet hatte, im TV. Das waren doppelt so viele wie zur Eröffnung der Spiele 2004 in Athen. Das bevölkerungsreichste Land der Erde investierte insgesamt 43 Milliarden Dollar in das sportliche Großereignis. Sieben Millionen Eintrittskarten wurden verkauft, was volle Sportstätten garantiert.

Steinacher trägt Österreich-Flagge


Österreichs Aufgebot zog als 181. Mannschaft ins Stadion ein - Brunei war von den Spielen ausgeschlossen worden, weil auf die rechtzeitige Nennung der Sportler vergessen worden war. Doppel-Olympiasieger Hans Peter Steinacher trug die rot-weiß-rote Fahne. "Unbeschreibliche Emotionen sind frei geworden. Das ganze Team war aufgeregt und wir hatten bis zum Schluss wirklich jede Menge Spaß. Diese Energie nehme ich jetzt in den Wettkampf mit", sagte der Salzburger Tornado-Segler.


(c) AP Photo/Matt Dunham

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Gastgeber China, der mit 653 Aktiven das größte Aufgebot stellt, zog als Letzter ins Stadion ein und wurde vom Basketball-Star Yao Ming angeführt. Er wurde begleitet von einem neunjährigen Buben, der nach dem Erdbeben im Mai mit 90.000 Todesopfern aus den Trümmern eines Hauses gerettet worden war.

Das US-Team hatte dagegen den 1991 vor dem Bürgerkrieg im Sudan geflohenen Lopez Lomong dafür ausgewählt und damit ein Zeichen gesetzt: China ist ein enger Verbündeter des Sudan. Aus Protest gegen diese Bindungen hatte US-Filmregisseur Steven Spielberg Anfang des Jahres sein Amt als Berater für die Eröffnungsfeier niedergelegt.

Beifall für Taiwan und Hongkong

Die Mannschaften aus Taiwan und Hongkong waren von den chinsischen Zuschauern mit besonderem Beifall begrüßt worden. Beim Einzug des taiwanesischen Teams klatschte auch Staatspräsident Hu. China erhebt Anspruch auf die demokratische Inselrepublik, die bei den Spielen als "Chinese Taipeh" antritt.

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Chinas Präsident Hu plädierte unmittelbar vor der Eröffnung der Olympischen Spiele für weltweite Zusammenarbeit. "Die Welt hat niemals so viel gegenseitiges Verständnis, Toleranz und Zusammenarbeit gebraucht wie heute." Der Beginn der Spiele sei ein lange ersehnter historischer Moment, sagte Hu bei einem Essen für Staatsgäste. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief kriegführende Nationen der Olympischen Tradition gemäß zum Waffenstillstand auf.

100.000 Sicherheitskräfte im Einsatz

Zum Schutz der Spiele bietet China 100.000 Sicherheitskräfte auf, die Anschläge aber auch Protestaktionen von Oppositionellen verhindern sollen. Viele Dissidenten wurden unter Hausarrest gestellt oder für die Dauer der Olympischen Spiele in weit entfernte Provinzen gebracht, wie Menschenrechtsgruppen berichteten. "Ich kann mein Haus verlassen, aber ich muss im Polizeiauto mit Dauerbewachung fahren", berichtete der oppositionelle Schriftsteller Yu Jie. "Es ist absurd, denn ich interessiere mich nicht für die Spiele und sehe sie nicht einmal im Fernsehen."

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, dessen Besuch der Eröffnungsfeier von Bürgerrechtlern kritisiert worden war, hatte eine Liste mit Namen inhaftierter chinesischer Dissidenten im Gepäck. Sarkozy übergab die Liste einem Sprecher zufolge auch im Namen der EU, deren Ratsvorsitzender er derzeit ist.

INTERAKTIV: ALLES ZU DEN SPIELEN
Peking 08 - Olympische Spiele auf DiePresse.com

("Die Presse", Red./ APA)


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15 Kommentare
 
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Von Gast: Mao am 15.08.2008 um 22:20

Traumhafte Eröffnungsfeier

Ich kann Aaron Fishhof nur zustimmen.

Olymische Spiele sollten nie politisiert werden.
Aber genau das ist das Problem.

Trotzdem:
Ich habe staunend vor der Glotze gesessen.
Etwas vergleichbares habe ich noch nie gesehen.

Von Gast: jado am 09.08.2008 um 06:25

Zwischen Lächerlichkeit und Größenwahn

Debil grinsende Sportler, korrupte Funktionäre und Eröffnung durch den obersten Folterknecht.

Von Xaver O. am 09.08.2008 um 01:11

Traumhafte Eröffnungsfeier


Da bleibt den verweichlichten paar Europäern der Mund offen stehen!


Antworten Von Aaron Fishhof am 09.08.2008 um 05:23

Re: Traumhafte Eröffnungsfeier

Vollkommen richtig!

Peinlich waren nur die deutschen Kommentatoren des ARD,wo der blasse Neid immer wieder oft zynisch zum Ausdruck gebracht wurde.

Das Reich der Mitte zeigte seine organisatorischen Fähigkeiten in einem Feuerwerk von Technik und Choreografie.

Alle anderen Olympia-Eröffnungen vorher waren vergleichsweise primitiv.

Noah von der Arche am Berg der Freude

Von hugomir am 08.08.2008 um 18:49

Zen*ur der Presse

mein erstes Posting wurde einfach nicht veröffentlicht.

wer diese Spiele gutheisst, unterstützt ein Regime, das sein Volk unterdrückt und auch teilweise einfach tötet.
Aber dies sind ja die guten, da sie auf der linken Seite des Spektrums stehen.
Next stop Nordkorea.
1936 hätten die gleichen Medien auch gute Gründe für die Unterstützung dieser Spiele gefunden.
Und die bereits bekannten Verfolgungen wären als "interne Angelegenheiten" abgetan worden.

Von hugomir am 08.08.2008 um 18:47

Vermutlich

...hätten der ORF (wenn es ihn zu dieser Zeit gegeben hätte) und leider auch diese Zeitung weiland 1936 auch die Judenverfolgung "schön" geredet und das Regime belobsudelt.
Ach ja, das waren ja die bösen Rechten.
Ein linkes "Regime" kann ja nicht böse sein, oder?
Unter diesen Umständen können die nächsten Spiele auch in Nordkorea stattfinden.
Es ist einfach ekelhaft.
Für mich sind die teilnehmenden Sportler und jeder meiner Bekannten, der diese Spiele nicht boykottiert, schlicht und einfach in Zukunft unerwünscht.

Antworten Von Aaron Fishhof am 09.08.2008 um 08:36

Re: Vermutlich

Judenverfolgung hat es aber in China noch nie gegeben!

In Europa hingegen war es oft die Regel.

Auch die Tibeter und Uiguren wurden nie in Konzentrationslagern vergast.

Also lassen Sie diese DUMMEN Vergleiche mit den Nazi-Festspielen 1936!

Noah von der Arche am Berg der Freude

Von Logos21 am 08.08.2008 um 14:24

Peking 2008

Die postmoderne Version vom Triumph des Willens.
+
Athen 2004 war wesentlich sympathischer, eben europäisch.

Von Gast: marco polo 59 am 08.08.2008 um 02:39

Verstaendlich

ist die Angst des Westens, der bis dato gewohnt war, unumstritten zu sein, wenn ploetzlich ein Land das denn Weg von der dritten Welt in die erste Reihe in 25 Jahren geschafft hat. Verstaendlich ist auch der unendliche Stolz der Menschen in China, dass sie ihr Land wieder gross gemacht haben, nachdem sie durch all die Schrecken der Menschheit gehen mussten, zum Teil verschuldet durch die Menschen, die sie heute mit dem moralischen Zeigefinger kritisieren. Tatsache ist, dass China den Alptraum hinter sich gelassen hat und eine grosse Nation geworden ist.

Antworten Von Gast: Thilo am 08.08.2008 um 10:37

Re: Verstaendlich

bitte sage das den armen Menschen und Arbeitern, die für diesen schnellen Erfolg wie Sklaven arbeiten müssen. Oder den Menschen, die unter Verfolgung leiden, weil sie Missstände und Korruption, die allgegenwärtig ist, anprangern.
Eine positive Entwicklung eines Landes drückt sich nicht nur in wirtschaftlicher Stärke aus, sondern auch durch die Rücksicht auf den Einzelnen und durch Unterstützung der Sschwachen durch die Starken.
Ich konnte in den letzten drei Monaten mir ein Bild vom Leben in China machen, da ich dort gearbeitet habe. Einer der einprägsamsten Eindrücke war, wie die Reichen und höheren Beamten sich Rechte herausnahmen und gleichzeitig ihre Mitmenschen wie ihre Untertanen behandelten.
Werte wie Freiheit, Rechtssicherheit auch gegen den Staat und seine Vertreter und Ehrlichkeit gegenüber den Menschen müssen verpflichtend für ein Land und seine Representanten sein.
Thilo
Aachen

Antworten Antworten Von Gast: Radittz am 08.08.2008 um 15:24

Re: Re: Verstaendlich

Bitte, versuch du mal ein Land mit 1,3 Milliarden Menschen mit Demokratie zu regieren. Die meisten Chinesen sind damit zurecht gekommen und die meisten haben endlich den Lebensstandard eines Europäers. Man kanns nicht allen recht machen. Ich bin der Meinung dass marco polo recht hat und wir nur beleidigt sind auf China, weil es zu einer Weltmacht wird...

Natürlich find ich die ichs schlecht wie dort mit manchen Menschen umgegangen wird. Aber im Endeffekt geht das mich nichts an... ich bin Egozentriker und interessieren mich nur für meine Familie, Freunde, Umgebung und Heimatland.

Ihr könnt ja wohl kaum behaupten dass ihr China hasst nur weil die Leute dort sich gegenseitig schlecht behandeln... oder ihr eigenes Land verschmutzen... kann uns ja egal sein. Ich versteh nicht warum wir Europäer uns immer in die angelegenheiten von anderen einmischen müssen... wir sind doch keine Amerikaner


Antworten Antworten Antworten Von nuXbe am 08.08.2008 um 21:33

Re: Re: Re: Verstaendlich

ÄÄhh....

Dein Zitat:" die meisten Chinesen haben endlich den Lebensstandard eines Europäers."

Lebst du irgendwie auf dem Mond?

In China gibt es soviele Wanderarbeiter und versklavte Bevölkerung, was ich weiß alleine 150 mio Wanderarbeiter, die sich um Hungerlöhne halb zu Tode Hackeln, und sie reden von "meißten" Chinesen denen es gut geht?

Wievielen geht es denn gut?
Ich habe auf diese Frage keine Ahnung, aber ich kann ausschließen, dass es über 10% der Chinesischen Bevölkerung sind.


Antworten Antworten Antworten Von humbertomaturana am 08.08.2008 um 17:30

Falsch.

Indien ist ähnlich Reich an Einwohnern wie China und hat durch seine Demokratie keine gröberen Probleme.

Antworten Antworten Antworten Antworten Von Gast: vonirgendwo am 09.08.2008 um 00:15

Re: Falsch.

nö indien hat überhaupt keine probleme - bei Minderheitenprotesten vor einem monat wurden 30 Demonstranten von der Polizei niedergeschossen. Hat bei uns keine Sau interessierte.
China hat eine vielzahl an Problemen, aber Indien genauso. Bei China hat man aber das Gefühl, dass sie diese in den Griff bekommen werden auch wenn es noch dauert.
Bei Indien bin ich mir langsam nicht mehr sicher.
Die haben zwar eine Demokratie (für die Elite), diese hat aber schwer mit Korruption und absoluter Unfähigkeit zu kämpfen.
Zu religiösen Konflikten, kommen noch ethnische und Menschenrechtliche Probleme (Ausbeutung, Zwangsumsiedlungen, Verschuldung/Abzocke der Bauern etc.) hinzu.
Ich hoffe nur das es eines Tages dort nicht wirklich knallt.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Von Gast: sandi am 10.08.2008 um 10:43

Re: Re: Falsch.

ich war in indien und fand es absolut katastrophal ,aber die olympischen spiele sind ja nicht dort . . . sehr schade das sport anscheinend nicht mehr von politik ,menschenrechte,arm,reich,diktatur usw getrennt bewertet oder betrachtet werden kann, man hat das gefühl die olympiade entzweit die menschen mehr den je , sport ist doch was positives ! warum konzentriert man sich nicht viel mehr auf die menschen die daran teilnehmen ? die olympiade geht vorbei ,china jedoch mit allem bleibt. . .

 
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