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Olympia 2008: Die gigantische Sensations-Show

24.08.2008 | 17:54 |  Aus Peking berichtet MARKKU DATLER (Die Presse)

Peking lieferte auf den ersten Blick reibungslose Spiele und China stand im Rampenlicht. Impressionen aus einer anderen Welt, die auch für Österreichs Sport Folgen haben.

Es sollten die Spiele der Superlative werden, das hatten Chinas Machthaber dem Internationalen Olympischen Komitee und dem Rest der Welt angekündigt. Und die Chinesen hielten ihr Wort: Die Sommerspiele 2008 übertrafen alles was Organisation, Ablauf und Präzision betrifft. Aber sie rückten auch keinen Millimeter von ihrer politischen Haltung ab, das KP-Regime diktiert weiterhin und während der Spiele wurden Themen wie Zensur, Menschenrechte, Tibet etc. ausgeblendet. Fragen, die kritischer Natur hätten sein können, wurden vorab abgeblockt. Dennoch hatte man als Journalist nie das Gefühl, sich nicht frei bewegen, respektive nicht mit jedem über alles sprechen zu können. Aber eben nur bis zu dem Punkt, an dem sich China ganz hätte öffnen müssen.

 

Die zwei Gesichter

Wenn in diesen Tagen die Olympiastadt von ihren Besuchern verlassen wird, bleiben Erinnerungen an täglich penibel gesäuberte, unheimlich viele Grünflächen, das Heer staatlicher Gärtner, erträglichen Verkehr, tolle U-Bahnen, überraschend gute Luft und das Lächeln der Menschen zurück. Sie waren stolz, Olympia veranstalten zu dürfen, nur was geschieht nun? Was ändert das Regime, kommt die erhoffte Öffnung? Vermutlich nicht, das muss auch das IOC akzeptieren. Wahrscheinlich haben die hohen Herren rund um Präsident Jacques Rogge schon vorab dazu eisern geschwiegen.

Dafür nimmt die Industrie nach einem Monat verordneter Pause wieder ihren Vollbetrieb auf, spätestens nach den Paralympics wird Verlorenes im Eiltempo auf- und nachgeholt. Auch LKW dürfen wieder in Kolonnen tagsüber durch die Stadt rollen, die Luft wird wieder schlechter werden und vermutlich auch das Lächeln der Menschen in dieser Metropole (17 Millionen Einwohner) verschwinden. Dann kommen nämlich auch die zurück, die vor den Spielen aus Peking rausgeschmissen wurden: Diebe, Obdachlose, Prostituierte und Bettler. In Peking sah man 2008 zwei Gesichter einer Gesellschaft, die sich, weil es die Machthaber so wollten, heraus geputzt haben.

Sportlich lieferten diese Spiele durchwegs erwartete Sensationen. Michael Phelps (USA) gewann acht Mal Gold, sieben Mal schwamm er Weltrekord. Der Jamaikaner Usain Bolt ist der König der Laufbahn mit drei Goldenen und drei Weltrekorden. Die beiden drückten Olympia ihren Stempel auf, dahinter gab es sicherlich viele Sieger mit eigenen, mit menschlichen und mitunter berührenden Geschichten wie dem Gewichtheber Matthias Steiner, der Gold seiner verstorbenen Frau gewidmet hat.

Die Namen der Sieger sind kaum zu behalten. Wie auch, wenn schon vor Pekings Ende die Spiele in London 2012 beworben und präsentiert wurden mit David Beckham als Galionsfigur? Die Show in China war schön, toll und brachte dem IOC knapp über drei Milliarden Dollar ein. Aber sie ist vorbei, nun hat schon die PR-Kampagne für den nächsten Event unter der Schirmherrschaft der fünf Ringe begonnen.

 

Wo sind die Sieger 2012?

Aus österreichischer Sicht war Peking angesichts dreier Medaillen – Silber für Judoka Ludwig Paischer, Bronze für Kanutin Violetta Oblinger-Peters und Schwimmerin Mirna Jukic – durchaus ein Erfolg. Doch die Erwartungen, es wie in Athen auf sieben Medaillen zu bringen, wurden klar verfehlt. Da hilft es nichts, vierte Plätze von Markus Rogan, Claudia Heill oder den Tischtennisspielern schön zu reden, letztlich zählt bei Olympia nur Edelmetall. Und, wie geht es weiter, wer gewinnt in Zukunft wieder für Rotweißrot? Rogan hört auf, Jukic denkt über ihren Rücktritt nach, Schlager wird nicht zu Olympia zurückkehren, ebenso die Tornado-Segler Roman Hagara/Hans Peter Steinacher oder Triathletin Kate Allen. Wer aber sind die Sieger von morgen, vor allem: Wo sind sie?

Österreichs Sport wird sich Gedanken machen, versprach ÖOC-Präsident Leo Wallner. Die Bundessportorganisation BSO, das ÖOC und alle anderen Sport-Verbände tun gut daran, nachzudenken und durchwegs Verbesserungsvorschläge auszuarbeiten. Denn sonst wird der ohnehin schon sehr große Abstand zur Weltspitze in vielen Sportarten und Disziplinen noch größer. Fehlende Erfolge im Ausland bergen zudem die große Gefahr, dass der Sport im eigenen Land noch mehr an Gewicht und Bedeutung verliert. Das ist die bittere Lektion, die Österreich in Peking 2008 – hoffentlich – gelernt hat. Spätestens wenn Siege fehlen, können die enormen Defizite nicht mehr kaschiert werden. Nicht einmal von Österreichs so eloquenten Funktionären.

APA

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2008)


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4 Kommentare
 
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Von Gast: konf am 25.08.2008 um 16:12

Manipulation

Wie ein Zwangsritual leiert die westliche Mainstream-Presse ihr Urteil über China herab. Können diese Presseleute es nicht lassen, uns vorzuschreiben was wir über China zu denken haben.

Da war heute Robert Seeger im Radio eine wohltuende Ausnahme, als er über seine ganz persönlichen Eindrücke und Erfahrungen in Peking berichtete.
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen und wenn ihr dort seid, dann berichtet über eure!! Erlebnisse, aber laßt das Denken uns über.

Von Gast: konf am 25.08.2008 um 16:11

Manipulation

Wie ein Zwangsritual leiert die westliche Mainstream-Presse ihr Urteil über China herab. Können diese Presseleute es nicht lassen, uns vorzuschreiben was wir über China zu denken haben.

Da war heute Robert Seeger im Radio eine wohltuende Ausnahme, als er über seine ganz persönlichen Eindrücke und Erfahrungen in Peking berichtete.
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen und wenn ihr dort seid, dann berichtet über eure!! Erlebnisse, aber laßt das Denken uns über.

Von Gast: Maschinenherz am 25.08.2008 um 14:21

o_O

Ich muss zugeben, die Spiele haben mich nur äußerst peripher tangiert, aber die Bilder ( http://tinyurl.com/3g2k4y ) der Abschlussfeier haben mich doch beeindruckt.

Meine moralische Prägung, die mir eingebrannte Political Correctness gebieten es mir natürlich das Ganze als übelste Propaganda zu entlarven, und auf eine Stufe mit den Schatten unserer Vergangenheit zu stellen.

Obwohl es die Chinesen, im Gegensatz zu den Indern, mit harter Hand schaffen die Bevölkerungsexplosion einzudämmen und ihr Volk auch längerfristig zu ernähren.
Und obwohl die Chinesische Führung es schafft den meisten der 1.300.000.000 Menschen ein erträgliches Leben zu ermöglichen und Hoffnung zu geben.
Bei der österreichischen Regierungseffizienz und Geschwindigkeit würden diese wohl früher oder später allesamt verhungern.

Sogar der Spiegel muss China ein gewisses Maß an Anerkennung zollen, natürlich nicht ohne händeringend, unser westliches Wertemodell zu verteidigen.

http://tinyurl.com/6f28ye

Von Gast: marco polo 59 am 25.08.2008 um 06:15

Das Laecheln wird

nicht verschwinden. Genauso wenig wie die LKWs bei Tag in Kollonnen durch die Stadt fahren werden. Die Chinesen waren vor den Spielen herzliche Menschen und nun werden sie es auf Grund des Erfolges noch mehr sein. Die LKWs rollten genauso waehrend der Spiele, durch die Strassen, zwischen 2300 und 0600 Uhr, wie sie es immer taten, als der Herr Redakteur mit anderem beschaeftigt war, oder immer noch auf der Suche nach einem China das es nicht mehr gibt war. Freuen wir uns doch mit diesem Land, dass so viel geschafft hat und ueberlassen ihnen die Loesung ihrer Probleme, so wie sie uns es ueberlassen wie wir leben. Vielleicht ueberwinden wir unseren Stolz und lernen von Ihnen, dass was gut ist. So wie sie es von uns taten ohne viel darueber zu reden. Denn, wenn wir ehrlich sind, steht es um Europa sehr bedenklich.

 
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