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Österreichs Sport in Abstiegsgefahr

24.08.2008 | 17:56 |  WOLFGANG WIEDERSTEIN (Die Presse)

Auch die magere Medaillen-Ausbeute von Peking wird zu keiner Reform führen. Die Sportverbände werden weiterwurschteln wie immer.

Österreichs Ausbeute bei den Olympischen Sommerspielen 2008 liest sich ziemlich bescheiden: Silber im Judo durch Ludwig Paischer, Bronze durch Mirna Jukic im Schwimmen und Violetta Oblinger-Peters im Wildwasser-Kanu. Damit wurde das Ergebnis von 1996 in Atlanta eingestellt, eine noch dürftigere Bilanz musste man zuletzt vor 32 Jahren in Montreal (einmal Bronze) ziehen. Leo Wallner, der Präsident des Österreichischen Olympischen Comités, bezeichnete die Auftritte der 70-köpfigen Abordnung in Peking als „interessant“, Anlass zur Kritik sieht er auch diesmal nicht. Der ÖOC-Präsident hätte vermutlich auch noch in einem rotweißroten Total-Flop etwas Positives gefunden.

Für Wallner ist das Glas halb voll, obwohl Österreich in der Medaillen-Wertung nur den 62. Platz belegen konnte. Aussagekräftiger ist jedoch der Vergleich mit anderen europäischen Nationen. Von den 27 EU-Ländern haben 22 besser als Österreich abgeschnitten, geschlagen werden konnten Irland, Luxemburg, Zypern und Malta. Für Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka, der in Peking stets freundlich in die Kameras lächelte, ist das Glas daher halb leer. Österreich war in China in nur 14 Sportarten vertreten, in ebenso vielen Sportarten hingegen war man überhaupt nicht präsent. Lopatka klammert sich nun an „Perspektivengespräche“ im September, die Nationalratswahlen aber werden den neuerlichen Versuch einer Strukturverbesserung garantiert auf Eis legen. (Berichte: S. 21, 22)


wolfgang.wiederstein@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2008)


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2 Kommentare
 
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Von Helmut Magnana am 24.08.2008 um 23:06

Die neueste "Königsidee"!

Noch heute Vormittag hatte ich auf KURIER-Online eine von einigen Sportverbänden ausgebrütete "Königsidee" gelesen, welche tatsächlich dazu dienen soll, beim nächsten olympischen Anlaß bessere Ergebnisse zu erzielen: Man solle doch die für die Teilnahme nötigen LIMITS REDUZIEREN, damit MEHR Sportler, mehr Trainer; MEHR Psychiater und Mentalcoaches; aber vor allem MEHR Funktionäre für Olympia nomiert werden können! Gerade so , als ob pure Quantität sich früher oder später in Qualität transformieren würde!

Vermutlich war das selbst einigen wirklich verantwortungsbewußt denkenden und handelnden Funktionären ein zu starker Tobak: Jedenfalls wurde dieser Beitrag inzwischen von der Online-Seite genommen; was aber noch lange nicht heißen muß, daß solche Pläne nicht nur vorübergehend in einer Schublade zwischengelagert bleiben und bei Bedarf doch noch zur Anwendung kommen; wir kennen so etwas ja hinlänglich aus der Politik...

Von einer gezielten Talenteförderung redet leider noch keiner!

Antworten Von Gast: Ralph Zainlinger am 25.08.2008 um 16:13

Re: Die neueste

Wer die Gelegenheit hat, ein bisschen hinter die Kulissen des österreichsichen Sports zu blicken muss sich wundern, dass Österreich überhaupt noch in der Lage ist, sportliche Spitzenleistungen zu erbringen.

Gute Nachwuchsarbeit scheitert meiner Erfahrung schon daran, dass einfachste infrastrukturelle Voraussetzungen nicht gegeben sind.

Beispiel Wien - Hallenballsport (z.B. Basketball, Handball, Volleyball):

Die Nachwuchsvereine (tlw. mit hervorragenden Trainern) gondeln während der Woche zwischen verschiedenen Sporthallen herum, müssen daher auf wichtigeTrainingsgeräte (z.B. Hürden, Videofeedback-Systeme etc.) verzichten.

Kraftkammern stehen nicht oder nur in unzureichender Qualität zur Verfügung.

Die Trainer arbeiten ungeachtet ihrer Qualifikation ehrenamtlich.

Funktionäre, die noch nie auf einem internationalen Turnier gesehen wurden, beschäftigen sich inzwischen mit kleinkrämerischem Gegeneinander anstatt über den Tellerrand zu blicken.

 
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