WHISTLER(schuen/mal).Einen Tag durften die schnellen Skidamen pausieren. Relaxen war nach den Strapazen von Abfahrt und Superkombination angesagt. Aber Samstag Abend wartet der dritte Kampf um olympisches Edelmetall. Der Super G (19 Uhr, live ORF1) steht auf dem Programm. Und auch die ÖSV-Damen spitzen auf Medaillen.
Dabei galten die rot-weiß-roten Skiasse in den Speed-Disziplinen bislang als Außenseiterinnen. Aber nach der überraschenden Abfahrtsbronze von Elisabeth Görgl haben auch Andrea Fischbacher und Anna Fenninger Lunte gerochen. Die Vierte im ÖSV-Bunde ist Nicole Schmidhofer.
Schnell, schlagig, eisig – so wird „Franz's Run“ heute den Damen zu Füßen liegen. Schon in der Abfahrt kam Görgl und Fischbacher die technisch anspruchsvolle Piste entgegen. Deswegen sind die Erwartungen auch heute groß. „Das klare Ziel ist eine Medaille“, gibt sich die Abfahrtsvierte Fischbacher selbstbewusst. Ein zweiter Platz im Super G von St. Moritz unmittelbar vor den Olympischen Spielen gibt der 24-jährigen Pongauerin zusätzlichen Auftrieb.
„Ich fühle mich in allen Disziplinen gut, hätte auch in der Kombination eine Medaillenchance gehabt“, sagte die Abfahrtsdritte „Lizz“ Görgl. Heute feiert die Kapfenbergerin ihren 29. Geburtstag, eine Medaille wäre ein passendes Geschenk. Dass sie die große Favoritin Lindsey Vonn schlagen kann, hat Görgl mit dem Triumph im Super G von Lake Louise bewiesen.
Die Stehauf-Frau
Mit den drei Saisonsiegen von Vonn können die ÖSV-Damen allerdings nicht mithalten. Die kleine Kristallkugel ist der 25-Jährigen US-Amerikanerin nicht mehr zu nehmen, doch heute zählt für Vonn nur eine Medaille. Alles andere als Gold wäre für sie eine Niederlage. Nach dem Ausfall in der Superkombi wird Vonn mit jeder Menge Wut und vollem Risiko in den Super G starten.
„Mit Wut und jeder Menge Schmerzmitteln“ ist Anja Pärson schon in der Superkombi am Start gestanden, und sie wird es auch heute wieder tun. Nur 24 Stunden nach ihrem kapitalen Sturz in der Abfahrt fuhr die Schwedin am Donnerstag zu Kombibronze.
Es war die sechste Olympiamedaille für die Schwedin, die damit mit Rekordhalterin Janica Kostelic gleichzog. Aber auch abseits von Olympia ist Pärson enorm erfolgreich. Obwohl immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen, ist sie siebenfache Weltmeisterin und zweifachen Gesamtweltcupsiegerin. Und sie ist nur eine von vier Athletinnen, die in allen fünf Disziplinen gewinnen konnte.
Der Ruhetag ist der gelegentlichen Trainingskollegin von Görgl zugute gekommen, im Super G hat Pärson gute Chancen auf ihr siebentes olympisches Edelmetall. Dabei sah es nach der Abfahrt gar nicht gut für die 28-Jährige aus, der Zielsprung wurde ihr zum Verhängnis. Erst nach 58 Metern schlug Pärson auf. „Sie hätte auch tot sein können“, sagte ihr Vater und Trainer Anders.
So wurde es aber ein Sturz und ein Comeback in Hermann-Maier-Nagano-Manier. Nicht ganz so schlimm und mit weniger Zeit zur Erholung und „nur“ Bronze statt Gold.
Und Pärson erzählte danach stolz: „Vielleicht sollte ich all meine blauen Flecken fotografieren. Ich sollte sie ja hier herzeigen, aber dafür bin ich doch zu schüchtern.“
■Der Super G der Damen ist für heute, 19 Uhr (live ORF1) angesetzt. Für Österreich stehen Elisabeth Görgl, Andrea Fischbacher, Anna Fenninger und Nicole Schmidhofer am Start,
■Die große Favoritin ist einmal mehr Lindsey Vonn, sie konnte im Suver G schon drei Saisonsiege einfahren. Auch Anja Pärson ist trotz ihres Sturzes in der Abfahrt eine heiße Medaillenkandidatin.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2010)
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