Die Wellen schwappen bis nach Wien über

29.07.2012 | 18:34 |  MARKKU DATLER (Die Presse)

Österreichs Schwimmsport könnten die Aushängeschilder abhanden kommen. Dinko Jukić blüht bei einem Disziplinarverfahren eine Sperre, Markus Rogan erwägt das Karriereende. Was passiert dann?

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Michael Phelps ist der erfolgreichste Olympionike bei Sommerspielen. Der US-Schwimmer hat vierzehn Goldmedaillen zu Buche stehen, er gilt als der König des Schwimmbeckens. Über 400 Meter Lagen, einem seiner liebsten Bewerbe, musste Phelps nun aber seinem Nachfolger Ryan Lochte weichen. Der Star der Spiele von Peking, in China gewann er 2008 acht Bewerbe, blieb sogar ohne Medaille und schlich anschließend gebrochen und still davon.

Auf der Tribüne wurde Dinko Jukić Zeuge dieser Demontage. Er hatte vorab für dieses Rennen abgewinkt, um für seine Paradestrecke, die 200 Meter Delfin, Kräfte zu sparen. Im Gegensatz zum höchst fragwürdigen Staffel-Verzicht war das ein weiser Entschluss, der sich am Dienstag lohnen könnte. Als ORF-Konsument darf man in doppelter Hinsicht gespannt sein, denn seine Schwester Mirna hebt die Qualität der Moderation und Analyse aller Bewerbe mit ihrem Auftreten und Fachwissen ungemein.

Dinko Jukićs' Auftritt genießt in London auch insofern besondere Beachtung, da sich weiterhin Stimmen mehren, dass der Schwimmer bei einem nach Olympia angesetzten Disziplinarverfahren des Schwimmverbandes aufgrund „grober Verfehlungen“ bei der EM in Debrecen gesperrt werde. Offen bestätigen will das niemand, aber das heikle Thema überwiegt bei Gesprächsrunden.

Vor allem interessiert – falls eine Sperre verhängt wird – seine Reaktion. In Wien gibt es Probleme mit dem Stadthallenbad, dahinter schwelt der Disput mit Verbandsfunktionären. Eine Sperre könnte eventuell sogar der Auslöser für ihn sein, statt in Wien und Österreich in Rijeka und Kroatien weiterzumachen. Vielleicht legen es seine Gegner ja auch genau darauf, die „österreichische Lösung“, an.

Ganz andere Glocken läuten bei seinem Teamkollegen und Rivalen Markus Rogan. Er wird nach den Spielen heiraten und sich zum Judentum bekehren. Beendet er – wie angekündigt – nach London auch seine Karriere, steht Österreichs Schwimmverband, sollte Jukić gesperrt werden, ohne Aushängeschild da. Dann läuten an ganz anderer Stelle womöglich die Alarmglocken.

 

E-Mails an: markku.datler@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2012)

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