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9,79 Sekunden – eine Zeit, die böse Erinnerungen und Zweifel weckt

06.08.2012 | 18:28 |  MARKKU DATLER (Die Presse)

Ben Johnson gewann das 100-Meter-Finale in Seoul 1988 in 9,79 Sekunden. 24 Jahre später erobert der Amerikaner Justin Gatlin mit der gleichen Zeit Bronze. Dopingvergehen prägten ihre Wege.

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Usain Bolt ist der Superstar der Sommerspiele in London. Der Jamaikaner erfüllte sich mit der Titelverteidigung auf der 100-Meter-Bahn einen Lebenstraum. Der US-Amerikaner Justin Gatlin kam schon bei den Sommerspielen 2004 in Athen in den Genuss, als „schnellster Mann der Welt“ gefeiert zu werden. Doch dann begann sein Absturz mit einer vierjährigen Dopingsperre, gefolgt von der eisernen Wiederaufbauarbeit, die nun in London ein wundersames Ende mit Bronze fand. Und einer Zeit, die schon einmal in der Leichtathletikwelt eine Bombe explodieren ließ: 9,79 Sekunden.

Es war 1988, es liefen die Sommerspiele in Seoul, und der biblische Hass von Ben Johnson und Carl Lewis hatte nach dem 100-Meter-Finale seinen Siedepunkt erreicht. Der Kanadier gewann, er demütigte den Amerikaner, er triumphierte – in 9,79 Sekunden. Diesen Weltrekord durfte er aber mitsamt der Goldenen 48 Stunden später wieder abliefern. Johnson wurde das anabole Steroid Stanozolol nachgewiesen. Es war der größte Skandal der Olympiageschichte, der bis Turin 2006 so publik ausgeschlachtet wurde.

Dass letztlich aber von allen acht Startern des Olympiafinales 1988 nur zwei niemals mit Dopingvorwürfen in Verbindung gebracht oder ertappt wurden, rückt diese Disziplin bis heute in ein schiefes Licht. Selbst über Carl Lewis mussten angeblich die Olympioniken und der US-Verband die schützende Hand halten, da drei unerklärbare Substanzen entdeckt und vertuscht worden sein sollen...

Ben Johnson nützte das nichts. Seine Karriere war ruiniert, und nach einer weiteren positiven Probe einige Jahre später fasste er eine lebenslange Sperre aus. Während sich Lewis in London im medialen Licht sonnt, tourt der ehemalige Schützling des oberösterreichischen Managers Robert Wagner für sein Buch „Seoul to Soul“ unerkannt durch die Länder. Interviews gibt er dennoch „nur gegen Bezahlung“, erklärte er der „Presse“ am Telefon. Damit war das Gespräch nach zwei Sätzen auch schon wieder beendet.

Johnsons und Justin Gatlins Erlebnisse gleichen wie ein Ei dem anderen. Beide waren Olympiasieger, beide wurden wegen Dopings davongejagt. Der Amerikaner jedoch kam zurück und schloss 2012 mit dem Gewinn von Bronze in 9,79 Sekunden den Kreis. Er beteuert nun, geläutert und sauber zu sein. Er hat dem Doping wirklich abgeschworen, sagt er. Justin Gatlin will jetzt ein echtes Vorbild sein. Das zu glauben fällt allerdings sehr schwer. Denn so schnell war der Amerikaner noch nie in seiner Karriere gelaufen.

 

E-Mails an: markku.datler@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2012)

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