Der Fußball-Weltverband Fifa ist längst zu einer riesigen Geldmaschine geworden. Millionen werden erwirtschaftet, und der Mann an der Spitze wird nicht müde, mit schöner Regelmäßigkeit Rekordzahlen zu präsentieren. Joseph S. Blatter ist ein schlauer Fuchs, er beherrscht die Kunst des Ablenkungsmanövers perfekt, ihm kann kein Skandal etwas anhaben. Der 76-jährige Schweizer hat in seiner mittlerweile dritten Amtszeit schon so viele Anschuldigungen gekonnt von sich abprallen lassen, dass er sich noch immer am liebsten als Saubermann im Rampenlicht sonnt. Auch die Korruptionsaffäre rund um die Vermarktungsagentur ISL hat seine Position nicht weiter geschwächt. Ist der Ruf einmal ruiniert, lebt es sich eben ganz ungeniert.
Das gilt vor allem für den Fifa-Boss, der auch dieser Tage seine Hände erneut in Unschuld wusch. Systematisch wurde in der Zeit zwischen 1989 und 2001 bestochen, Blatter aber hat sich freilich von diesem Selbstbedienungsladen ferngehalten. „Ich stand nicht auf der Liste“, hat er stolz über Twitter verkündet. Mit Schmiergeldern, so Blatter, habe er nie etwas zu tun gehabt. Und aus dem bisschen Mitwisserschaft könne man ihm doch keinen Strick drehen. Juristisch ist der mächtigste Mann des Fußballs ohnedies nicht zu belangen.
Sein Vorgänger, Joao Havelange, das ist hingegen aktenkundig, hat fleißig die Hand aufgehalten. 1,25 Mio. Euro hat der heute 96-Jährige in seine Tasche gesteckt. Ricardo Teixeira, sein damaliger Schwiegersohn und jahrelanger Präsident des brasilianischen Verbandes, war noch gieriger. Er hat sogar 10,6 Mio. zur Seite geschafft. Für Joseph Blatter aber noch lange kein Grund, sich von den beiden ehemaligen Fifa-Granden abzuwenden.
Joao Havelange ist schließlich weiterhin Ehrenpräsident des Fußball-Weltverbandes, auch wenn man den Brasilianer eigentlich ächten müsste. Aber Blatter nimmt das nicht so streng, man dürfe eben Gepflogenheiten von heute und damals nicht vergleichen. Vielmehr freut sich der Fifa-Boss auf Dienstag, wenn das Exekutivkomitee den Ehren-Codex beschließt. Den Ehren-Codex für die wahren Ehrenmänner.
wolfgang.wiederstein@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.07.2012)
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