Dass auch dieser Sturm Joseph S. Blatter nicht aus dem Sattel heben kann, war vorhersehbar. Der Präsident des Weltfußballverbandes hat zwar nach dem Korruptionsskandal neue Schrammen davongetragen, aber der 76-jährige Schweizer besitzt immer noch enorme Nehmerqualitäten. Er hat auch die versuchten Tiefschläge von seinem Oberkritiker Uli Hoeneß abgewehrt. Der Bayern-Boss ist längst zu einem Intimfeind geworden, aber von Klubfunktionären hat sich der Fifa-Präsident ja noch nie etwas vorschreiben lassen.
Mittlerweile regt sich auch Unmut in der Schweiz. Dort ist eine Vielzahl der großen internationalen Sportverbände beheimatet. Das hat weniger mit idyllischen Bergimpressionen zu tun, sondern mit der Tatsache, nicht unwesentliche Steuervorteile zu genießen. Von Abgaben ist man weitgehend befreit, Fifa und andere Monsterverbände wie das Internationale Olympische Komitee erfreuen sich an der uneingeschränkten Hoheit über die Geschäfte. Vom Schweizer Antikorruptionsgesetz bleibt dieser elitäre Zirkel unbehelligt. Was bei einer Geldmaschine, die aus dem Fußball einen Ertrag von einer Milliarde Dollar macht sowie über Reserven von etwa 1,3 Milliarden verfügt, nicht wirklich unpraktisch ist.
Die Schweiz ist längst nicht mehr stolz darauf, dass die Fifa-Hochburg auf dem Zürichberg protzt, manche sehen das längst als Belastung. Jüngst war sogar von einem Imageschaden die Rede. Einen Selbstbedienungsladen will eben nicht jeder, der einen Ruf zu verteidigen hat, beheimaten. Aber das mit dem Privilegienabbau ist auch in der Schweiz so eine Sache, die Vertreibung aus dem Paradies wird nämlich mit Sicherheit nicht stattfinden. Und wenn alle Stricke reißen, könnte man ja auch den Wiener Kahlenberg als Ersatz für die Residenz des „Sonnenkönigs“ aus dem Wallis anbieten. Irgendeine Subvention seines Unternehmens ließe sich mit Sicherheit finden. Wer Bernie Ecclestone, den Formel-1-Napoleon, mit Orden der Republik schmückt, der würde auch Joseph S. Blatter den Hof machen. Ein überschüssiger Goldener Rathausmann würde sich auch noch finden.
„Über der Fifa ist nur der Himmel“, sagt Mark Pieth, der Schweizer Strafrechtler und renommierte Anti-Korruptionskämpfer. Über Zürich ist das Fußballgestirn voller Geldscheine, ein Ethikkodex und die Einsetzung einer Ethik-Kommission machen den Weltverband noch lange nicht transparenter. Wie eine Armee an Dopingkontrolloren noch lange keine sauberen Spiele garantiert.
wolfgang.wiederstein@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.07.2012)
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