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Fußball-Deutschland ist frustriert

18.08.2012 | 17:57 |  von Wolfgang Wiederstein (Die Presse)

Fußball-Deutschland ist frustriert, der Hang zur Selbstzerfleischung ist ausgeprägt. Das hilft Österreich aber gar nichts.

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Wir Österreicher haben unseren Paul Scharner und die aufzuarbeitende Pleite bei den Olympischen Sommerspielen in London. Dafür ist das Fußball-Nationalteam heuer noch ungeschlagen, der Sieg gegen die Türkei macht vor dem Beginn der WM-Qualifikation ein wenig Mut. Die Mannschaft von Marcel Koller ist und bleibt natürlich krasser Außenseiter zum Auftakt am 11. September im ausverkauften Happel-Stadion, vor allem weil der Gegner Deutschland heißt. Die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw steht auf einmal in der Kritik, selbst der smarte Ex-Austria- und -Tirol-Betreuer scheint nicht mehr ganz unantastbar zu sein. Aber wehe die Deutschen stehen in wenigen Wochen voll im Saft, dann können sich auch noch so bemühte Österreicher sicher auf einiges gefasst machen.

Oliver Kahn hat zuletzt nach der 1:3-Niederlage gegen Argentinien als TV-Experte lautstark seinen Unmut über die Leistung der DFB-Elf geäußert. Es schien, als ob der ehemalige Bayern-Keeper, der oft beinahe an seiner eigenen Aggressivität zerplatzt ist, unbedingt in die Fußstapfen eines Günther Netzer steigen wollte. Gelungen ist das natürlich nicht, aber Kahn hat dazu beigetragen, dass sich die Fußballnation Gedanken darüber macht, wie sie wieder auf die Siegerstraße findet. Der ehemalige Team-Torhüter hat den Finger so tief in die Wunde gelegt, dass so manche Kritiker sogar Frust orten. Frust darüber, nach der EM in Polen und der Ukraine wieder mit leeren Händen dagestanden zu sein. Und auch Christoph Daum stellt klar, dass Fußball eben ein Ergebnissport ist. Die haben zuletzt nicht ganz gestimmt.

Deutschlands Abwehr hat heuer in neun Länderspielen 16 Tore kassiert, das macht Bundestrainer Joachim Löw ein wenig unrund. Bis zum ersten WM-Qualifikationsspiel gegen Färöer (7. Sep) will er das ausgemerzt wissen, gegen Österreich wird man sicher wieder die hervorragende Defensive loben.

Vor dem Anpfiff werden die Kameras in Wien auf die Münder der deutschen Nationalspieler gerichtet sein. Die Hymnen-Diskussion hat Joachim Löw zwar offiziell für beendet erklärt, die Meinungen gehen aber nach wie vor auseinander, deutsche Olympiasieger haben sie neu entfacht. So laut und/oder falsch werden Österreichs Teamspieler aber gar nicht singen können, dass Löws Mannen der Schrecken in die Glieder fährt.

wolfgang.wiederstein@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.08.2012)

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