Markus Rogan ist nach Olympia in London wieder abgetaucht, Dinko Jukic liegt im Clinch mit dem österreichischen Schwimmverband. Er wurde dieser Tage vom unabhängigen Verbandsgericht wegen der Beleidigung von Funktionären für zehn Monate unbedingt und zwei Monate auf Bewährung gesperrt. Und dennoch ist der Präsident des Schwimmverbandes der Meinung, dass es auch eine Zukunft ohne Jukic, bei den Sommerspielen Vierter, gibt. Der Betroffene selbst schweigt noch, seine Anwälte aber kündigten an, die Sperre rechtlich bekämpfen zu wollen. Schließlich sei die Zusammensetzung des unabhängigen Verbandsgerichts statutenwidrig.
Dinko Jukic hegt den Verdacht, dass man ihn mundtot machen wolle. Er prangert an, dass viele Entscheidungen im Verband von der Willkür einer Person – von Präsident Paul Schauer – abhängig sind. Ebenso klagt der Schwimmer an, dass vielen Funktionären in Wahrheit Sightseeing wichtiger sei als die Wettkämpfe. „Eine Schande, solche Leute an solche Positionen zu setzen.“ Für den Fall, dass sich an der Zusammensetzung des Vorstands nichts ändert, kündigte Jukic („Ich reiße euch den Arsch auf“) jedenfalls seinen Rücktritt an.
In zwei Wochen, wenn der Verbandstag stattfindet, wird man mehr wissen. Bis dahin werden sich einige Funktionäre, die sich der Wiederwahl stellen wollen, selbst infrage stellen müssen. Einen Olympiavierten so einfach fallen bzw. ziehen zu lassen, das sollte doch gewissenhaft geprüft werden. Denn das Reservoir an wirklich talentierten Jungstars ist eher überschaubar, auch wenn Paul Schauer immer wieder die 17-jährige Lisa Zaiser ins Treffen führt.
Geht Dinko Jukic, der nicht nur eigenwillig, sondern auch undiplomatisch offensiv und impulsiv ist, über Bord, dann kommt dem österreichischen Schwimmverband die einzige Olympiahoffnung für Rio de Janeiro 2016 abhanden.
wolfgang.wiederstein@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.09.2012)
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