So schnell sind die Deutschen nicht zufriedenzustellen, ein 3:0 gegen den Fußballzwerg Färöer (154. der Weltrangliste) macht die Fans noch lange nicht glücklich. Aber nach zwei Niederlagen in Serie und dem geplatzten EM-Traum konnte man gegen destruktive Defensivkünstler auch nicht unbedingt ein fußballerisches Feuerwerk erwarten. Wobei ausgerechnet wir Österreicher im Zusammenhang mit Färöer mit Wortmeldungen sehr behutsam umgehen sollten – da war doch im Herbst 1990 irgendetwas. Und auch unter Karel Brückner war das österreichische Nationalteam nicht in der Lage, auf Färöer zu gewinnen.
Die deutschen Medien sehen das alles naturgemäß anders. „Der Nationalmannschaft fehlt es an Besessenheit“, kritisiert die „Welt“, der Sieg gegen Färöer dürfe nicht überbewertet werden. Denn die Chancenverwertung der Löw-Schützlinge war ziemlich mangelhaft. „In Spielen gegen stärkere Gegner, in denen sich oftmals weit weniger Tormöglichkeiten bieten, könnte sich die fehlende Cleverness in der Offensive rächen. Schon am Dienstag gegen Österreich ist das nicht ausgeschlossen.“
Die deutsche Mannschaft und der Trainerstab zeigen Respekt vor der ÖFB-Auswahl. Und das muss vorerst schon einmal als kleiner Sieg gewertet werden. Österreichs Legionäre in der deutschen Bundesliga haben großen Anteil daran, dass die Mannschaft von Marcel Koller nicht mehr als Kanonenfutter angesehen wird. Aber hierzulande wird man sich damit abfinden müssen, dass zu einer Entwicklung auch Rückschläge gehören. Die Gegner heuer waren noch nicht übermächtig, Deutschland wird zur echten Nagelprobe.
Die DFB-Truppe, die auf dem Weg zur Euro 2012 in Polen und der Ukraine keinen einzigen Punkt abgegeben hat, ist an sich nicht nur ein Turnier-, sondern auch ein Qualifikationsspezialist. Wollen die Österreicher am Dienstag im Happel-Stadion ungeschoren davonkommen, dann müssen sie vor allem das Mittelfeld des Gegners unter Kontrolle bringen. Das Augenmerk liegt vor allem auf Mesut Özil. Der Real-Madrid-Legionär hat am Freitag fast jeden Angriff der Deutschen mitinitiiert. Und obendrein zwei Treffer selbst erzielt. Özil kann den Unterschied ausmachen. Aber das muss auch über Mario Götze gesagt werden. Oder über Miroslav Klose, die ewige Tormaschine, die zwar gegen Färöer streikte, aber jederzeit wieder anspringen kann. Oder über Marco Reus. Oder über Thomas Müller.
Die Österreicher tun gut daran, bei den Deutschen nicht über Schwächen zu reden. Hinter vorgehaltener Hand sei erwähnt, dass die Abwehr auch gegen Färöer nicht immer sattelfest war. Auch fehlende Effizienz nach Standardsituationen war zu erkennen. Das wiederum stört uns überhaupt nicht.
wolfgang wiederstein@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2012)
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