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Schluss mit der Deutschland-Träumerei, die Zeit ist reif für mehr Realismus.

Als Marcel Koller vor nicht einmal einem Jahr zum neuen Teamchef bestellt wurde, da war die Skepsis groß. Ausgerechnet einen Schweizer hat der Österreichische Fußballbund holen müssen, um das Unternehmen WM 2014 in Brasilien in Angriff zu nehmen. Die ehemaligen Helden dieses Landes stiegen auf die Barrikaden, sie wirkten beleidigt und wurden dann auch fast selbst beleidigend. Einen Koller, der es in der deutschen Bundesliga nicht einmal zu einem Topklub geschafft hat, hätte sich Österreich nicht verdient. Trainer von seinem Format gäbe es auch im eigenen Land in Hülle und Fülle. Wenn nicht sogar bessere.

Marcel Koller ist auf die anfängliche Kritik nicht eingegangen, er hat begonnen, das zu machen, was er am besten kann – Ärmel aufkrempeln und hart arbeiten. Einen Stamm an Teamspielern hat er bereits beisammen, er ist heuer mit seiner Mannschaft noch ungeschlagen, Österreich liegt in der Weltrangliste wieder unter den Top 50. Wenn man die Boulevardmedien verfolgt, dann müsste man meinen, am Dienstag sei die Zeit schon reif für ein Fußballwunder. Mit jedem Tag werden die Deutschen schwächer, die Österreicher aber umso stärker. Und Marcel Koller schön langsam zum Trainer-Wunderwuzzi. Die Zeit ist hingegen höchstens reif für einen Schuss mehr Realismus.


wolfgang.wiederstein@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.09.2012)

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