Der Fluch der guten Tat

Zeugnisverteilung: Dortmunder Streber und Rapids Hilfsschüler.

Die Borussia aus Dortmund hat in der Champions League rasch gelernt. Im Vorjahr noch schien die europäische Königsklasse eine Nummer zu groß, es reichte nicht einmal dazu, um als Gruppendritter in die Europa League umsatteln zu können. Heuer aber präsentiert sich Dortmund ausgerechnet in der „Todesgruppe“ bärenstark, vier Punkte gegen Real Madrid sind schon eine deutliche Warnung an die Mitstreiter.

Kein österreichischer Klub wird jemals auch nur annähernd an das Niveau der Dortmunder herankommen, es reicht auch nicht für Bayer Leverkusen. Rapids Hilfsschüler müssen heute das „Rückspiel“ mit dem letzten Aufgebot bestreiten, da ist vor allem Charakter gefragt. Die Fans, die sich noch immer extrem reisefreudig zeigen, obwohl die Mannschaft mit null Punkten und einer Tordifferenz von 1:8 dasteht, erwarten sich zumindest eine ehrliche Abwehrschlacht. Kampfkraft und Leidenschaft aber werden vermutlich nicht ausreichen, um halbwegs ungeschoren davonzukommen.

Wenn aus der zu erwartenden Niederlage ein bitteres Debakel werden sollte, dann beginnt für Trainer Peter Schöttel ein heißer Herbst. Dann wird nämlich aus der Europa League, an sich eine schöne Belohnung, für viele endgültig ein Fluch. So verkehrt kann die kleine Fußballwelt in Österreich sein.

 

wolfgang.wiederstein@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2012)

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