Vettel ist doch einer von uns

26.11.2012 | 18:19 |  WOLFGANG WIEDERSTEIN (Die Presse)

Wenn es einen WM-Titel zu feiern gibt, dann gibt es auf einmal keine Vorurteile.

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Der Formel-1-Zirkus würdigt den neuen und alten Weltmeister, dem der Titel diesmal nicht in den Schoß gefallen ist. Der 25-jährige Deutsche hat sich als Champion erwiesen, weil er bewiesen hat, dass er für den Erfolg auch beißen kann. Und die Möglichkeiten, die sich bieten, auch beim Schopf packt. Das unterscheidet ihn von vielen anderen Piloten. Wer der Königsklasse des Motorsports den Stempel aufdrückt, der ist nicht nur als Glückskind oder Gelegenheitssieger zu bezeichnen.

Mit Red Bull feiert auch Österreich einen Triumph, das war in den vergangenen beiden Jahren nicht anders. Einige Medien haben den jungen Mann aus Hessen längst zu einer Art Beuteösterreicher gemacht, nach Siegen von ihm wird ja schließlich auch die österreichische Bundeshymne zu Ehren des Rennstalls gespielt. Dann dürfen wir alle ungeniert und ausgelassen ein bisserl Vettel sein, weil die Laudas und Bergers nicht mehr im Kreis fahren. Nicht einmal ein zweiter Alexander Wurz ist auszunehmen. Aber uns Österreichern ist doch nichts lieber, als in emotionale Selbstzufriedenheit zu flüchten. Wenn's um Erfolgsbeteiligung geht, dann lieben wir auch die Deutschen. Und sogar Red Bull.

 

wolfgang.wiederstein@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.11.2012)

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4 Kommentare
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vettel hat vor allem im gegensatz zu schuhmacher gezeigt dass man auf ehrliche weise weltmeister werden kann


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Es ist ein

österreichisches Dauersyndrom auch auf anderen Ebenen. Ewig hat Christoph Waltz in Österreich keine Rollen gespielt (und keine angeboten bekommen). Er ging ins Ausland. Dann hat er den Oscar bekommen und vom Bundespräsidenten abwärts lobten ihn alle als großen österreichischen Schauspieler. Etliche andere Beispiele wären zu nennen. Es jubeln die Zwerge.....

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Nein

Vettel ist keiner von uns, zumindest für mich nicht. Genausowenig wie Red Bull insgesamt, die in jedem Sport, in jedem Bereich, wo sie teil nehmen, eine amerikanisierte Dominanz zeigen (wollen), und die ein grausliches Getränk produzieren, dass ich im wahrsten Sinn des Wortes nicht riechen kann.
Ich will auch nach Schuhmacher nicht wieder ein halbes Dutzend WM-Titeln hintereinander in einer (deutschen) Hand sehen.

Re: Nein

Ich kann mich Ihnen nur hundertprozentig anschließen.

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