Fußball-Weltmeisterschaft 2022

05.01.2013 | 18:13 |  von wolfgang wiederstein (Die Presse)

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2022, vergeben an Katar, sorgt weiter für Diskussionen. Uefa-Präsident Michel Platini treibt Verschiebungspläne voran, dabei bleibt alles ein wenig in der Familie.

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Die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 ist vergeben, das lässt sich nicht mehr ändern, Katar hat das große Los gezogen. Im Sommer aber misst man rund um Doha beinahe unerträgliche Temperaturen, bis zu 55 Grad können es schon werden. In den Stadien will man die brütende Hitze mit riesigen Klimaanlagen bekämpfen, der Aufwand ist enorm. Aber der Weltfußballverband muss danach trachten, dass Katar kein zweites Mexiko wird. Dort wurden 1986 Partien um die Mittagszeit angepfiffen, um in Europa die besten Sendezeiten zu besetzen.

„Der Fußball bringt sehr viel Geld, aber wir müssen ihn auch schützen“, sagt Michael Platini, der Präsident des Europäischen Fußballbundes (Uefa). Der ehemalige französische Edelkicker, der auch für das Emirat gestimmt hat, ist mit der Lösung Katar aber offenbar nicht mehr glücklich. Er kämpft seit Monaten für eine Verlegung des Turniers – und zwar in den Winter. Dieser Tage vermeldet Doha neun Sonnenstunden, zwischen 17 und 24 Grad, nur fünf Prozent Regenwahrscheinlichkeit. Unterm Strich also perfektes Fußball-Wetter.

Platini ist es also ernst mit der Verlegung der WM, das hat er erst unlängst bei der Internationalen Sportkonferenz in Dubai betont. „Das wäre eine richtig gute Sache“, sagt der Uefa-Boss. „Alle würden davon profitieren.“ Und so nebenbei erwähnt der Franzose, dass sich auch Katar-Nachbarn an der WM mit einigen Spielen beteiligten könnten.

Um nicht mit den Olympischen Winterspielen, die im Jänner 2022 stattfinden, zu kollidieren, soll die WM nach Platinis Vorstellungen im November oder Dezember desselben Jahres ausgetragen werden. Dies würde allerdings eine weitreichende Umstellung des aktuellen Fifa-Kalenders erfordern, da auch die großen europäischen Vereine zu dieser Zeit in den Klubwettbewerben spielen. Das Turnier zu verschieben würde also einer Revolution gleichkommen. Denn eine WM hat noch nie vor dem 27. Mai begonnen – und wurde noch nie nach einem 30. Juli beendet. Aber Michael Platini ist ein Visionär, das hat er auch zuletzt mit seinen Plänen der Europameisterschaft bewiesen. Die Euro soll nämlich künftig eine Europa-EM werden.

Ganz uneigennützig denkt und lenkt ein Michel Platini natürlich nicht. Dafür ist er viel zu ausgefuchst. Dem Franzosen, der gerne auch den Anwalt der Fans spielt, ist Katar nicht ganz unbekannt. Schon gar nicht seinem Sohn Laurent, der dort nicht unwesentlich im Geschäft ist. Er ist Europa-Chef der Qatar Sports Investment Group, ein Zweig der milliardenschweren staatlichen Investment Authority. Ein bisserl etwas bleibt also in der Familie. Auch dann, wenn der Kleinstaat die Olympischen Spiele bekommen sollte. Luftige Sommerspiele im Jahr 2024.

wolfgang.wiederstein@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.01.2013)

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