Kitzbühel

26.01.2013 | 20:29 |  von Wolfgang Wiederstein (Die Presse)

Und wir haben Kitzbühel. Vielleicht aber sind die ÖSV-Läufer nicht mehr verrückt genug.

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Kitzbühel hat von der unglaublichen Faszination nichts eingebüßt, die Hahnenkamm-Woche wird zelebriert wie eh und je, Skifans mischen sich mit Promis, der Euro sitzt recht locker, die Werbung ist unbezahlbar. Der Skisport lebt, auch wenn er seit vielen Jahren totgesagt wird, wobei sich Harti Weirather, der das alles seit 1997 mit seiner Agentur vermarktet und Kitzbühel zu dem gemacht hat, was es heute ist, auch über die Zukunft Gedanken macht. „Die Kunst wird sein“, sagt der Weltmeister von 1982, „die Jungen auch weiterhin auf den Berg zu bringen.“ Mit Freude habe ihn deshalb etwa das Siegerpodest vom Super-G erfüllt. Da stand mit dem Norweger Aksel Lund Svindal der regierende Olympiasieger ganz oben, daneben strahlte mit Matthias Mayer ein junger Österreicher, als Dritter lächelte mit Christoph Innerhofer der Weltmeister von 2011, somit Titelverteidiger in Schladming. Eine ideale Mischung, Routine gepaart mit Draufgängertum und exzellentem Können. In Kitz gibt es keine Zufallssieger. In der Abfahrt schon gar nicht.

Harti Weirather vermarktet in seinem Fall einen Mythos. Auch darin ist er Weltmeister. Er hat längst begriffen, dass Sport auch Show ist. Genau das macht den Skisport in Kitzbühel so gefährlich. Zu einer hochbrisanten Mischung. Kitz, das bedeutet für viele Ski oder Party – Party oder Ski. Auf jeden Fall eine Skiparty, die wiederum nur einen Vorgeschmack auf die nahende WM lieferte. Die Abfahrer spielen die Gladiatoren in diesem Zirkus. „Aber wer sich hier mit Startnummer 50 herunterstürzt“, sagt Weirather, „der verdient nichts. Wer aber nur wegen des Geldes fährt, hat hier nichts verloren.“ Der Familienvater weiß aus eigener Erfahrung, welch hartes Brot Profisport bedeuten kann. Seine Tochter Tina hat sich bereits viermal das Kreuzband gerissen. „Ohne Herzblut geht gar nichts.“

Für Franz Klammer, der in seiner Karriere vier Streif-Siege gefeiert hat, geht nichts über Hahnenkamm-Triumphe. „Tennis hat Wimbledon, die Formel 1 Monte Carlo – und wir haben Kitzbühel.“ Der Olympiasieger gibt zu, das Spektakel in der Gamsstadt zu genießen. Der Kärntner räumt aber auch ein, „dass man ein bisschen verrückt sein muss, wenn man sich da hinunterstürzt“. So verrückt wie gestern der Südtiroler Dominik Paris.

wolfgang.wiederstein@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.01.2013)

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