Die Peinlichkeit und eine „groteske Groteske“

Die beste Ski-WM aller Zeiten? In Schladming geht es ordentlich rund – aber einiges läuft im Ennstal besorgniserregend unrund.

 

Die beste Ski-Weltmeisterschaft aller Zeiten soll es werden. Das ist der Wunsch des Präsidenten. Man kann nur hoffen, dass Peter Schröcksnadel in der gestrigen Abfahrt der Super-Kombination auch ganz genau hingesehen hat. Bei der Fahrt von Sandro Viletta hatte sich ein Pistenarbeiter auf der WM-Strecke verirrt, der Schweizer aber tat so, als ob nichts gewesen wäre. Er raste mit über 100 km/h am übermotivierten WM-Touristen vorbei. „Ich habe nur kurz daran gedacht abzuschwingen“, meinte er im Ziel. „Aber der Steilhang ist mir so gut gelungen, dass ich unbedingt weiterfahren wollte.“ Nicht auszudenken, was hätte passieren können – beide hatten ein wachsames Schutzengerl. So eine Panne muss bei Titelkämpfen aber als absoluter Akt der Peinlichkeit bezeichnet werden. Das passiert nicht einmal bei FIS-Rennen oder im Europacup.

Im Ausland wird die alpine WM etwas anders betrachtet. „Und der Präsident spielt sein Wunschkonzert“, schrieb die „Frankfurter Allgemeine“. „In Schladming ist alles ein bis zwei Nummern zu groß – vor allem die Erwartungshaltung der Österreicher. Die Leute, so Peter Schröcksnadel, gehen dorthin, wo die Sieger sind...“ Und die sind vorerst nicht in Österreich daheim. Dabei sieht man sich im ÖSV als Tourismus-Botschafter Nummer eins.

Kopfschütteln löste vor allem der Umgang mit der heiligen Kuh, der Abfahrt, aus. „Richtig Herzweh“, meinte die „Süddeutsche Zeitung“. „Österreich leidet. Wäre dieses Wochenende eine TV-Serie, wären die Österreicher vielleicht stolz auf sie gewesen, so viel Sinn fürs Groteske hat keine andere Nation. So a deppertes Wochenende gibt's ja höchstens in einer sehr grotesken Groteske. Oder halt in Schladming.“

 

E-Mails an: wolfgang.wiederstein@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2013)

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