Die Peinlichkeit und eine „groteske Groteske“

11.02.2013 | 18:22 |  WOLFGANG WIEDERSTEIN (Die Presse)

Die beste Ski-WM aller Zeiten? In Schladming geht es ordentlich rund – aber einiges läuft im Ennstal besorgniserregend unrund.

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Die beste Ski-Weltmeisterschaft aller Zeiten soll es werden. Das ist der Wunsch des Präsidenten. Man kann nur hoffen, dass Peter Schröcksnadel in der gestrigen Abfahrt der Super-Kombination auch ganz genau hingesehen hat. Bei der Fahrt von Sandro Viletta hatte sich ein Pistenarbeiter auf der WM-Strecke verirrt, der Schweizer aber tat so, als ob nichts gewesen wäre. Er raste mit über 100 km/h am übermotivierten WM-Touristen vorbei. „Ich habe nur kurz daran gedacht abzuschwingen“, meinte er im Ziel. „Aber der Steilhang ist mir so gut gelungen, dass ich unbedingt weiterfahren wollte.“ Nicht auszudenken, was hätte passieren können – beide hatten ein wachsames Schutzengerl. So eine Panne muss bei Titelkämpfen aber als absoluter Akt der Peinlichkeit bezeichnet werden. Das passiert nicht einmal bei FIS-Rennen oder im Europacup.

Im Ausland wird die alpine WM etwas anders betrachtet. „Und der Präsident spielt sein Wunschkonzert“, schrieb die „Frankfurter Allgemeine“. „In Schladming ist alles ein bis zwei Nummern zu groß – vor allem die Erwartungshaltung der Österreicher. Die Leute, so Peter Schröcksnadel, gehen dorthin, wo die Sieger sind...“ Und die sind vorerst nicht in Österreich daheim. Dabei sieht man sich im ÖSV als Tourismus-Botschafter Nummer eins.

Kopfschütteln löste vor allem der Umgang mit der heiligen Kuh, der Abfahrt, aus. „Richtig Herzweh“, meinte die „Süddeutsche Zeitung“. „Österreich leidet. Wäre dieses Wochenende eine TV-Serie, wären die Österreicher vielleicht stolz auf sie gewesen, so viel Sinn fürs Groteske hat keine andere Nation. So a deppertes Wochenende gibt's ja höchstens in einer sehr grotesken Groteske. Oder halt in Schladming.“

 

E-Mails an: wolfgang.wiederstein@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2013)

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15 Kommentare

Das SOLLTE nicht einmal bei FIS-Rennen oder im Europacup passieren...


... und passiert leider dennoch immer wieder.

Es ist zwar fahrlässig und peinlich für Schladming allerdings sollten Sie schon etwas Fairness an den Tag legen anstatt Schladming bzw. Österreich als Superlativ der Inkompetenz hinzustellen. Kommentatoren sollten da Ihre Giftspritze etwas unter Kontrolle haben und objektiv bleiben.

Hier ein Beispiel für objektiven Journalismus, Herr Wiederstein:

http://www.welt.de/sport/wintersport/article113539978/Schrecksekunde-bei-Abfahrt-Person-auf-der-Piste.html

Michaela Dorfmeister hatte wie in dem Artikel erwähnt in St. Moritz eine ähnliche Beinahe-Kollision mit einem Streckenposten.

Weitere Beispiele für Beinahe-Kollisionen mit Pistenarbeitern:

2013, München, Parallelslalom, Stefano Gross

2012, Adelboden, RTL, Beat Feuz

2010, Aspen, RTL, Andrea Fischbacher

2010, Olympische Spiele, Abfahrt, Craig Branch

Das passiert also wie gesagt nicht nur in Österreich sondern überall auf der Welt und auch bei Großereignissen wie Olympischen Spielen.

Was mir diesmal fehlte: Die Sieger-Fotos

mit unserem Sportminister Norbert pardon: Magister Darabos, der schon beim Heer seine Fähigkeiten unter Beweis gestellt hat!

Kann man vom sogenannten Volkssport Nr. 1 leben?

Anwort : Nein!
Also was soll diese Aufregung.
Lernt einen ordentliochen Beruf! Und wenn das der Fall ist und man ein regelmäßiges ausreichendes Einkommen hat, dann wird man sehen, was man damit in seiner Freizeit tut. Diese "nationale" Wichtigkeit des Skifahrens ist für den Hugo und fällt unter das Motto" Ablenkung um jeden Preis!

es fehlt anscheinend allen an einer gewissen lockerheit

soweit ich das über die medien mitbekomme, scheinen mir alle - von den funktionären/ organisatoren angefangen, über die berichterstatter bis zu den sportlern - ein wenig verkrampft.

man will es offenbar dem rest der welt mit der brechstange beweisen. dabei wird die wm von österreichischer seite her völlig überbewertet. die medien, insbesondere der orf steigern die erwartungshaltung ins unerreichbare. und bereiten so den boden für enttäuschungen. beispiel damenabfahrt: das schwächste team seit langem ist da angetreten, gemessen an den saisonresultaten. wie kann man diesen anfängerfehler machen und von trainingszeiten auf das rennen schließen? der orf tuts, inkl. der offensichtlich vorher gut eingeseiften "expertInnen". am schlimmsten jedoch - herminator hat recht - sogar die eigenen funktionäre drehen fest an der erwartungsschraube. verrückt!

man kann erfolge nicht erzwingen. das ist genauso falsch wie der ausgerufene spaßzwang.

ein wenig mehr gelassenheit, ein wenig mehr bescheidenheit und sachlichkeit wären schön gewesen. das gilt auch für wiederstein bei seiner beckmesserei. stattdessen hat man alles überdimensioniert und überprofessionalisiert: gebäude, partyzelte, tribünen, umfang der berichterstattung. letzteres gipfelte gestern darin, dass der orf sogar baumanns physiotherapeuten (!!!) zur bronzenen interviewt hat. alles war recht ist!

charme hat das keinen. dabei wäre die internationale weltcup-familie wirklich sympathisch. die wm ein bärendienst am skisport.

Hauptstädter

Jetzt hats der kluge Hauptstädter den Provinzheinis einmal richtig hineigesagt. Weiß er wo Schladming ist? War er schon dort?

"Und die sind vorerst nicht in Österreich daheim. Dabei sieht man sich im ÖSV als Tourismus-Botschafter Nummer eins."

schröcksnadel sieht das wesentlich realistischer:

siege von nicht-österreichern pushen das interesse am hangrutschen in deren ländern und somit den wintertourismus auch in ö.
ö-siege sind nur wichtig für das wohlbefinden der ö-kinder und 'junggebliebenen'...

Peinlich ist nur der Kommentar

von WOLFGANG WIEDERSTEIN

Es war kein WM-Tourist der die Abfahrt vom Viletta behindert hat sondern zwei offizielle Pistenpräparierer.
Sollte nicht passieren ist aber schon öfter passiert. Menschliches Versagen, trotz mehrfacher Hinweise und Schulung der FIS

Die Beurteilung ob sportliche Erfolge oder Mißerfolge peinlich sind überlasse ich den Lesern.

Besser wäre es Schröcksnadel und andere ÖSV Funktionäre zu kritisieren und nicht Schladming.

Re: Peinlich ist nur der Kommentar

nein - die ganze WM ist so peinlich, dass es peinlicher nicht mehr geht. Von der Eröffnungsfeier zum Fremdschämen bis zu sexistischen Party-Mottos über den Skandal-Super-G zum Start, bis zu besoffenen Hiasn als Streckenposten, die fast tödliche Unfälle provozieren. Alles ein Total-Flop!

Re: Peinlich ist nur der Kommentar

Wenn sich offizielle Pistenpräparierer aufführen wie WM Touristen, dann kann man das schon so sagen wie es Wiederstein tat! Sportliche Erfolge oder Misserfolge hin oder her: Schladming ist von den dann gottseidank abgesagten Themenparties über die Eröffnung bis zu den Sportkommentatoren einfach nur peinlich. Fremdschämen ist angesagt; und ein Verband, der in einer scheinbar so zentralen Branche die Sportförderung und das Training koordiniert, sollte sich endlich von einem durch Interessenskonflikte und Präsentationspeinlichkeiten gehandicapten Präsidenten trennen.

Re: Peinlich ist nur der Kommentar

Richtig! Dieser Kommentar ist an Plattheit nicht mehr zu übertreffen! Seit Fleischhackers Abgang ist das Niveau dieses Blattls in den Keller gefallen!

Re: Peinlich ist nur der Kommentar

Richtig! Dieser Kommentar ist an Plattheit nicht mehr zu übertreffen! Seit Fleischhackers Abgang ist das Niveau dieses Blattls in den Keller gefallen!

Re: Re: Peinlich ist nur der Kommentar

Auch wenn man etwas mehrere male wiederholt wird es nicht gescheiter!

Re: Peinlich ist nur der Kommentar

Richtig! Dieser Kommentar ist an Plattheit nicht mehr zu übertreffen! Seit Fleischhackers Abgang ist das Niveau dieses Blattls in den Keller gefallen!

Re: Peinlich ist nur der Kommentar

Richtig! Dieser Kommentar ist an Plattheit nicht mehr zu übertreffen! Seit Fleischhackers Abgang ist das Niveau dieses Blattls in den Keller gefallen!

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