Spielraum

Hacklwurf und Haxlstellen

Österreichs Sport bietet Entertainment, das Pay-TV-Sendern sogar Millionen wert ist. Besonders beliebte Sparten wie „Hackelwurf, Dampfplauderei, Haberei und Haxlstellen“ bleiben jedoch unbezahlbares, österreichisches Gut.

Geht es rein nach der Entwicklung, die Sport derzeit im österreichischen Fernsehen durchläuft, ist er entweder zu einem Auslaufprogramm verkommen oder zu einem Luxusgut erwachsen. Das Ergebnis bleibt allerdings gleich: Der Sport verschwindet zusehends aus dem Free-TV.

Der ORF verliert an Terrain im Vergleich mit Pay-TV-Anbietern Sky und DAZN, die sich im Doppelpass die Rechte an der Champions- und Europa-League ab kommender Saison gesichert haben. Auch Österreichs Bundesliga läuft dann samstags und sonntags mit jeweils drei Spielen auf Sky; für 19,99 Euro monatlich im ersten Jahr.

Für 32 Millionen Euro pro Jahr wurde dieser komplette Seitenwechsel vollzogen. Eishockey (Sky, Servus) und Basketball (Sky) sind seit Jahren, bis auf wenige Spiele, nicht mehr im öffentlich-rechtlichen Sender zu sehen. Beachtlich ist der Auftritt von Free-TV-Sender Puls4: mit NFL-Football Marktführer, auch die Europa League bleibt dank Kooperationen vorerst erhalten.

Über Gedeih, Sponsorverträge oder Kosten für TV-Werbesekunden ist aus dem Pay-TV-Sektor nichts überliefert. Der Konsument kennt den Preis für diese „Primesport-Sendungen“, über die tatsächliche Bezahlfreude und die parallel einhergaloppierende Vision steigender Besucherzahlen in den Stadien gibt es allenfalls Erzählungen sonder Zahl. Fakt ist, dass der ORF bei den gebotenen Summen das Nachsehen hatte.

Noch drehen Ski, Länderspiele und Formel 1 im ORF ihre Runden. Aber: Kitzbühel und Schladming, F1-GP von Spielberg, Fußballklassiker wie Österreich gegen Deutschland, sie bleiben doch Events mit öffentlich-rechtlicher Relevanz? Sport-TV wird jetzt auch zu einem sozialpolitischen Problemfall. Was muss der ORF zeigen, was nicht?

Aber ist es nicht ein Gewinn, wenn private Sender um Österreichs Sport bieten, ihn in ein moderneres, eloquenteres Erlebnis einspielen? Warum sonst schweigen die nie um Wortspenden verlegenen Dach- und Fachverbände? Genauso, wie sie sich im Wahlkampf befremdend darüber bedeckt gehalten hatten, dass Sportthemen inexistent waren oder auch bei der Kür des neuen Geschäftsführers der Sport-Förder GmbH am Dienstag womöglich ausschließlich aus „Freundschaft“ bestehende Kriterien zur Auswahl herangezogen worden sind?

Auch in einem weiteren Punkt bleibt Österreichs Sport entwicklungsresistent. Die Wahl zum Sportler des Jahres spaltete die Gemüter. Neider und naive Blender, die an ihrer eigenen Wahrnehmung zweifelten und in diesem Negativsog andere oder deren Disziplinen verunglimpften, stellten grandios unter Beweis, dass Österreich im „Hackelwurf, Haxlstellen und Haberei“ unschlagbar ist. Warum gibt es eigentlich noch keine Bezahlschranke für diese Serie?

markku.datler@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2017)

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