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Spielraum: Winterliche Verhältnisse

11.02.2012 | 18:22 |  von Wolfgang Wiederstein (Die Presse)

Völlig überraschend herrschen in Österreich zu Beginn der Fußballmeisterschaft winterliche Verhältnisse. Aber auf Fans und Qualität des Spiels wird schon sehr lange gepfiffen.

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Bislang hat sich niemand etwas darum gepfiffen, wenn sich Skifahrer in Übersee bei extrem tiefen Temperaturen ins Tal stürzen, um Weltcuppunkte zu ergattern. Wenn Langläufer bei sibirischer Kälte ihre Runden ziehen, fernab der Heimat und irgendwo im entfernten Russland, dann wird dies höchstens mit einem Kopfschütteln registriert.

Dass Biathleten die Finger einfrieren, wenn sie am Schießstand die kleinen Zielscheiben ins Visier nehmen, löst nicht einmal mehr einen Hauch von Mitleid aus. Da mag ein Schuss Masochismus dabei sein, aber schließlich wagen sich auch tausende Skitouristen bei minus 20 Grad auf die Pisten und trotzen Eis und Schnee. Eine rotzende Nase ist da kein Hindernis, ein Sonnenstrahl ist Entschädigung genug.

Klamme Finger und erstarrte Zehen gehören im Spitzensport längst dazu, der Zirkus wird von den Fernsehübertragungszeiten dirigiert. Auch der Fußball hat sich längst verkauft, an Sponsoren und TV-Anstalten. Die Vereine gieren nach den Millionen, die Spieler werden fürstlich entlohnt. Der Terminkalender ist mittlerweile so voll gestopft, dass Spiele mit aller Gewalt durchgeführt werden. Mit Fußball hat das alles bei den derzeitigen Witterungsbedingungen allerdings herzlich wenig zu tun. Viele sprechen bereits von Antiwerbung in Reinkultur, von den Verletzungsgefahren ganz zu schweigen.

Nicht verwunderlich, dass mit dem Start der Fußballbundesliga an diesem Wochenende auch hierzulande wieder einmal helle Empörung ausgebrochen ist – da erlaubt sich der Winter doch glatt, den halben Spielbetrieb lahmzulegen. Die Liga ist fassungslos und steuert offenen Auges einem Terminchaos entgegen.

Aber auch in Österreich wird längst nicht mehr für die Fans im Stadion gespielt. Von Zuschauereinnahmen kann kein Verein mehr leben, Hauptsache, die Werbebanden flimmern bildfüllend über den Fernseher. Wer trotzdem live dabei sein will, der soll sich doch auf den vereisten Tribünen seine Zehen abfrieren. Und die Torhüter auf dem steinharten Rasen ihre Ohren.

Schließlich kann man bei Rutschpartien auch einem Zufallssieg etwas Positives abgewinnen: Hauptsache, die Meisterschaft bleibt spannend. Gepfiffen wird nicht nur auf die Fans, sondern auch auf die ohnedies schon so bescheidene Qualität.

wolfgang.wiederstein@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2012)

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