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Wimbledon: Nobody besiegt Superstar Nadal

29.06.2012 | 18:44 |  FELIX LILL (Die Presse)

Mit seinem sensationellen Zweitrundensieg über Rafael Nadal hat der Tscheche Lukas Rosol in Wimbledon gleich mehrere Gemüter erfreut. Allerdings bleibt die Nummer 100 der Welt der Underdog.

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London. Auf der großen Leinwand hinter dem Court 1 wurde das Spiel am Freitagmorgen noch einmal gezeigt. Um die Überraschung erneut zu sehen, waren einige hundert Zuschauer schon gegen zehn Uhr zugegen, eineinhalb Stunden, bevor die aktuellen Partien des Spieltages beginnen. Viele hatten eine der Zeitungen unterm Arm, die ihnen dieses Match als „eine der größten Sensationen in der Geschichte von Wimbledon“ anpriesen. Und bei jedem der atemberaubenden Ballwechsel und starken Schläge von der Grundlinie toste Beifall über den Court. Wie am Abend zuvor. In fünf Sätzen war da der elffache Grand-Slam-Sieger Rafael Nadal der Nr. 100 der Welt unterlegen.

Der Tscheche Lukas Rosol konnte seinen Triumph selbst nicht glauben. Als „ein Wunder“ resümierte er das Resultat von 6:7, 6:4, 6:4, 2:6, 6:4, und als „unglaublich“ beschrieb er sein eigenes Spiel, das den größten Sieg seiner Karriere markiert. Nach 22 Assen und zahllosen „Big Points“ hat sich die Nummer drei seines Landes damit nicht nur einen Namen in Wimbledon gemacht. Nachdem sich der Weltranglistensiebente Tomas Berdych mit einem Erstrunden-Aus blamiert hatte, rettete Rosol auch ein bisschen die Ehre des tschechischen Herrentennis.

 

Auch Melzer verlor gegen Rosol

„Das war schon überraschend“, schwärmte Radek Smekal, Journalist der tschechischen Nachrichtenagentur CTK, gegenüber der „Presse“. Rosol sei zwar nicht der konstanteste Spieler, aber ihm lägen vermeintlich stärkere Gegner, gegen die er nichts zu verlieren habe. Dies hatte im Vorjahr auch Jürgen Melzer spüren müssen, der bei den French Open in der zweiten Runde gegen Rosol verlor. „Seine Aufschläge sind stark, und er hat sich gut auf Rasen vorbereitet. Aber er wird in den nächsten Spielen wohl weiter der Underdog bleiben“, schätzt Smekal.

International ist der 26-jährige Brünner bislang kaum in Erscheinung getreten. Der größte Erfolg bei seinen sechs Grand-Slam-Auftritten war ein Einzug in die dritte Runde. In Tschechien war Rosol nur Insidern bekannt, auch vielen Tennisspielern war er zuvor kein Begriff. „Ich habe den Namen gehört, ihn aber nie spielen gesehen. Über fünf Sätze so konstant zu spielen war verdammt stark“, staunte auch der Wimbledon-Sieger von 2001, Goran Ivanisevic.

Unterdessen dürften sich mehrere Tennisprofis über Nadals frühes Ausscheiden gefreut haben. Für Novak Djokovic und Roger Federer ist nun klar, dass die Führung der Weltrangliste nach Wimbledon nur noch unter ihnen ausgemacht wird. Zudem scheinen die Chancen für den Schotten Andy Murray, den ersten Grand-Slam-Sieg überhaupt einzufahren, besser denn je. Auf dem Weg ins Finale würde er nur noch auf nominell schwächere Gegner treffen.

Auch Philipp Kohlschreiber dürfte das Überraschungsergebnis begrüßt haben. Der Deutsche gewann in Runde eins gegen Landsmann Tommy Haas. Nun wartet nicht Nadal, sondern Lukas Rosol.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2012)

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