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Wimbledon: Der Fluch der Vergangenheit

07.07.2012 | 17:39 |  von Felix Lill und Christoph Gastinger (Die Presse)

Andy Murray steht im Wimbledon-Finale gegen Roger Federer vor der größten Herausforderung seines Lebens. Großbritannien wartet seit 76 Jahren auf einen Sieger.

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Schon beim ersten Punkt rauschte Jubel durch den Centre Court. Nach dem 0:30 war er noch lauter, und plötzlich kaum noch zu überbieten, als sich Andy Murray beim Stand von 6:3, 6:4, 3:6, 6:5 im vierten Satz zwei Matchbälle erarbeitet hatte. Dann platzierte er einen Vorhand-Cross auf die Außenlinie und riss im lautesten Jubel die Arme in die Höhe.
Auf den Rängen waren schottische Flaggen und einige Union Jacks zu sehen. Mit seinem Sieg gegen den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga hat Andy Murray schon am Freitag ein kleines Stück Tennisgeschichte geschrieben. Heute steht er nach seinem vierten Anlauf als erster britischer Spieler seit 74 Jahren im Finale von Wimbledon.
„Es ist ein bisschen Erlösung, ein bisschen Aufregung. Es ist schwierig zu erklären“, beschrieb Murray direkt nach dem Spiel seine Gefühle. Das eigentliche Ziel hat der 25-Jährige aber noch vor sich. Bei einem Sieg im Finale wäre er der erste Brite seit 1936, der die Trophäe stemmen darf und überhaupt der erste britische Grand-Slam-Sieger seit 1937. Seit einem Dreivierteljahrhundert wartet Großbritannien sehnsüchtig auf einen großen Sieger. Auf den Schultern Murrays, seit Jahren der beste britische Spieler, lastet schon lange die Hoffnung jener Tennisnation, die diesen Sport einst erfunden hat.

Bessere Tage. „Ich wünsche es ihm wirklich sehr“, sagt Honor Godfrey und seufzt einen Moment. Die Engländerin ist Kuratorin des Wimbledon-Museums, das auch auf der Tennisanlage im Südwesten Londons liegt. Nostalgisch sind dort Holzschläger und alte Trophäen von Fred Perry ausgestellt, dem letzten heimischen Sieger. Die ersten Räume erzählen von stolzen Zeiten, in denen der gegen Ende des 19. Jahrhunderts gegründete Sport boomte und die Briten ihn nach Belieben dominierten.
1926 nahm auch der Duke of York teil, der später als George VI. zum König gekrönt wurde. Aber in den Jahren, in denen die Disziplin königlich wurde, gaben die Briten auch ihre sportliche Vorherrschaft ab. 1920 siegte mit dem US-Amerikaner William Tilden erstmals ein Ausländer. Es blieb nicht der letzte. Womöglich auch deswegen zeigt das Wimbledon-Museum ab den 1940er-Jahren nicht mehr so sehr die Persönlichkeiten des Sports, sondern konzentriert sich auf die Entwicklung der Spielweise und der Technologie. Tim Henman, auf dem in den Neunzigerjahren die Hoffnungen der Briten ruhten, der sie aber nie in Siege umsetzen konnte, findet kaum Erwähnung. „Aber wenn Andy gewinnt“, sinniert Godfrey, „wäre das historisch. Dann müssten wir uns überlegen, wie wir ihn prominent unterbringen können.“ Persönlich werde sie dann von dem gebürtigen Schotten einsammeln, was zu kriegen ist, um möglichst viele Devotionalien in den Glaskästen ihres Museums auszustellen zu können.

Außenseiter mit Aussicht. Vor dem Finale war Murray bemüht, die überschäumende Euphorie zu bremsen. „Gegen Roger im Finale bin ich sicher nicht der Favorit. Kaum jemand hat hier eine so gute Bilanz wie er.“ Murray ist gut informiert, die persönlichen Duelle mit dem vielleicht besten Tennisspieler aller Zeiten sollten ihm jedoch Mut machen. Von 15 Duellen konnte Murray acht für sich entscheiden. „Ich bin imstande, ihn zu schlagen“, weiß Murray, der „eines der größten Matches meines Lebens“ erwartet.
Federer geht jedenfalls als Favorit in sein achtes Wimbledon-Finale, nicht zuletzt seiner großen Erfahrung wegen. Der Schweizer steigerte sich in den vergangenen zwei Wochen von Spiel zu Spiel, lief im Halbfinale gegen den Weltranglistenersten Novak Djoković zur Höchstform auf, sprach später von „fantastischem Tennis“. In der Tat spielt der Routinier die Filzkugeln derzeit mit traumwandlerischer Sicherheit die Linien entlang. Und mit Druck weiß der 16-fache Grand-Slam-Sieger auch wie kein Zweiter umzugehen. Dass beinahe alle Sympathien Sonntagnachmittag seinem Kontrahenten entgegengebracht werden, stört ihn keineswegs. „Ich spiele immer gern gegen heimische Helden“, sagt er mit etwas schelmischen Unterton.
Für Federer steht in seinem zweiten „Wohnzimmer“ viel auf dem Spiel. Mit einem Erfolg würde der 30-Jährige Djoković als Nummer eins der Welt ablösen. Noch wichtiger ist dem Basler aber der Wimbledon-Rekord: Im Erfolgsfall zieht Federer mit dem US-Amerikaner Pete Sampras (7 Titel) gleich. „Pete war und ist ein Held für mich. Dass ich seinen Rekord jetzt egalisieren könnte, macht mich stolz.“

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3 Kommentare
Gast: Gast: Leser
08.07.2012 10:55
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Federer

Heute alle Daumen für Federer drücken. Vor allem ist ihm zu wünschen und gönnen, dass er nochmals die Nr. 1 der Tennisweltrangliste wird.

Gast: m1315
08.07.2012 05:45
0 0

Neider

Auch wenn die AUT Medien-Schreiberlinge halb versteckt in ihren "Analysen und Kommentaren", Federer immer versuchen kleiner zu machen als er ist, bleibt er vorläufig der Grösste aller Zeiten (statistiken belegen es eindeutig).
Die AUT Neider können (wollen? ja nicht mal das Interview von Murray korrekt wiedergeben. Einfach nur armselig, wie versucht wird die herausragenden Erfolge über 10 Jahre von Tennisgott Federer zu schmälern. Ja klar, wenn man der Schweiz überall so gewaltig unterlegen ist wie AUT, dann braucht es Grösse die Gewaltserfolge von Roger anständig zu würdigen, ob er nun gegen Murray gewinnt oder nicht. Federer hat Grösse - AUT Schreiberlinge kaum. Zudem - beim Wimbledon Publikum ist, war und bleibt Federer der Liebling ob gegen Murray oder einen anderen. Im Gegensatz zu AUT gibt es eben eine englische Fairness-Grösse.

Antworten Gast: hagro
08.07.2012 17:15
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Re: Neider

Sie haben vergessen die 2. Klammer zu schließen.