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Wimbledon: Erst Grand Slam, dann Olympiagold

09.07.2012 | 18:42 |   (Die Presse)

Wimbledons"All England Lawn Tennis Club" steht ab sofort unter der Herrschaft der fünf Ringe. Auch der Fackellauf begeistert Großbritannien, nur die Abwehrraketen nicht.

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Luton/London/Fin. Das Tennisturnier in Wimbledon endete für Großbritannien mit einer Enttäuschung, doch Lokalmatador Andy Murray versprach, schon in knapp zwei Wochen für Aufsehen sorgen zu wollen. Bei den Olympischen Sommerspielen in London will er alles daran setzen, den so lang ersehnten Heimsieg – wenngleich „nur“ unter der Schirmherrschaft der fünf Ringe und nicht im Rahmen eines Grand-Slams – zu schaffen. Der Schweizer Roger Federer, seit Sonntag siebenfacher Wimbledon-Sieger, nahm es mit einem dezenten Kopfnicken zur Kenntnis.

Tennis und Formel 1 wurden im gewohnten Ausmaß zelebriert, nun konzentriert sich die Aufmerksamkeit der sportbegeisterten Briten auf die finalen Olympia-Vorbereitungen. Im Mittelpunkt steht dabei auch der Fackellauf, dessen 52. Tag am Montag anbrach, an dem 133 Träger auf ihre Teilabschnitte geschickt wurden. Prominentester Athlet war McLaren-Pilot Lewis Hamilton, der um 6.30 Uhr Ortszeit am St. George's Square in Luton die Fackel in Empfang nahm. Für den Formel-1-Weltmeister von 2008 war es eine besondere Erfahrung. Erstmals seit drei Jahren konnte er wieder mit der Startnummer eins ins Rennen gehen. Er twitterte: „Ich bin so stolz, Brite zu sein.“

 

Olympia-Look in Wimbledon

Auch für Clare Wood erfüllt sich ein Traum. Die ehemalige Tennisspielerin wurde von Sebastian Coe, dem Chef von Londons Olympiateam, beauftragt, in Wimbledon nach dem Rechten zu sehen. Somit übernimmt Wood, 40, heute im „All England Lawn Tennis and Croquet Club“ die Aufsicht als „Competition Manager“.

Die Britin wurde im März 2008 in diese Position gehievt, und das aus gutem Grund. Sie spielte in den Achtzigern und Neunzigern im Einzel und im Doppel auf dem „heiligen Rasen“, zudem verfügt sie über Erfahrung. „Ich habe fünf Sommerspiele aus verschiedenen Blickwinkeln erlebt“, sagt Wood, die 1988 in Seoul, 1992 in Barcelona und 1996 in Atlanta als Aktive dabei war und seit 2002 als Assistant Referee arbeitet. 2004 in Athen und 2008 in Peking saß sie an der Seitenlinie und sammelte Impressionen. Als Spielerin hatte sie jedoch keinen großen Eindruck hinterlassen. 1997 verabschiedete sie sich von Londons ehrwürdigem Event mit 0:6, 0:6 gegen die Spanierin Aranxta Sanchez.

Nun bleiben Wood 17 Tage Zeit, um den Olympia-Schauplatz fertigzustellen. Die Hauptstruktur der Tennisanlage bleibe unberührt, jedoch müssten Logos, Transparente und Wegweiser mit dem Branding des Internationalen Olympischen Komitees versehen werden. Das ist eine heikle Aufgabe, schließlich darf kein Nicht-IOC-Sponsor zu sehen sein. Bei den Jugendspielen in Innsbruck im vergangenen Jänner wurden etwa sogar WC-Anlagen gesperrt oder die Namen der diversen Toiletten-Firmen ausnahmslos überklebt.

Grand Slam und Olympia sind zwei paar Schuhe, weiß Wood. Das beginne bei den Besuchern und deren Fach- wie Ortskenntnissen. Ihr 100 Mann starkes Team werde jedoch tunlichst darauf achten, dass jeder, der zur Anlage an der Church Road pilgert, auch den Weg zu seinem Spielplatz findet.

Auch auf dem Rasen ist fast alles anders. Gespielt wird nach dem Modus „Best-of-three“ anstatt des üblichen „Best-of-five“. Dazu gibt es nur einen 64er- statt eines 128er-Rasters. Für Österreich werden neben Jürgen Melzer auch Tamira Paszek und Alexander Peya servieren. Der Weg zu Gold, das müssen neben Andy Murray alle Briten akzeptieren, führt in Wimbledon aber erneut nur über Federer, Olympia-Titelverteidiger Rafael Nadal und Novak Djokovic. Federer sagt: „Jetzt bin ich bereit für Olympiagold. 2008 habe ich nur im Doppel gewonnen, aber hier in Wimbledon habe ich die besten Voraussetzungen.“

 

Raketen auf Wohnhäusern

In London macht sich vor der Eröffnungsfeier am 27. Juli aber auch Unmut bemerkbar. Die rigorosen Sicherheitsvorkehrungen in Form von Boden-Luft-Raketen, die an sechs verschiedenen Standorten auf Wohnhausdächern positioniert wurden, erzürnen die Anrainer. Sie zogen nun vor Gericht.

Anwalt Marc Willers erklärte gegenüber der BBC, dass die Mieter eines 117 Wohnungen zählenden Gebäudes „zurecht Angst haben, aufgrund der Raketen ein Ziel für Terroristen zu sein“. Das Verteidigungsministerium betonte, dass die Fernlenkwaffen Teil des Sicherheitsplans sind und keinesfalls entfernt werden. Die Entscheidung obliegt nun dem High Court. Olympia hat also auch seine Schattenseiten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2012)

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