19.05.2013 18:28 Merkliste 0

Jürgen Melzer: Vom Weltklassemann zum Mitläufer

27.08.2012 | 17:25 |  Von Christoph Gastinger (Die Presse)

Im Mai 2011 war Jürgen Melzer als Nummer acht der Weltrangliste bei der Konkurrenz gefürchtet. Der Glanz vergangener Tage ist passé, Siege über Topspieler nur Wunschdenken. Niederlagen überschatten die Saison.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

New York/Wien. Zahlen lügen nicht. „Am Ende des Tages zählt nur das Ergebnis. Dann ist es egal, ob du gut oder schlecht gespielt hast.“ Jürgen Melzer, Österreichs bester Tennisspieler, spricht aus Erfahrung. Der 31-Jährige hat genügend Spiele gewonnen, in denen er nicht sein volles Leistungsvermögen abgerufen hatte. Auch unglückliche Niederlagen sind ihm schon widerfahren. Mittlerweile kämpft Melzer seit einem halben Jahr darum, Spiele „irgendwie“ zu gewinnen. Beim Turnier in Memphis Mitte Februar hatte er zuletzt Weltklasse bewiesen und auf dem Weg zu seinem vierten Einzeltitel mit John Isner und Milos Raonic Spieler der erweiterten Weltklasse bezwungen.

Der Name Melzer wird immer seltener mit positiven Schlagzeilen in Verbindung gebracht. Der Erfolg in den USA war nicht lange Gesprächsthema, Niederlagen überschatten die Saison. Bereits neun Mal musste der Niederösterreicher 2012 schon nach dem Auftaktspiel die Schläger in die Tasche packen. Seit dem Turniersieg in Memphis gewann Melzer keine zwei Spiele in Folge. Die ernüchternde Jahresbilanz: 15 Siege, 18 Niederlagen. Die erste Konsequenz: Melzer rutschte in der Weltrangliste immer weiter ab. Bei den US Open in New York, dem vierten und letzten Grand-Slam-Turnier, wurde Melzer als Nummer 36 nicht gesetzt.

Von besseren Tagen

Der Blick zurück schmerzt. Im Mai 2011 war Melzers Tenniswelt noch in Ordnung. Als Nummer acht der Welt reiste er nach Paris. Bei den French Open genoss Melzer höchstes Ansehen, immerhin hatte er 2010 an Ort und Stelle das Halbfinale erreicht und die französischen Massen begeistert. Der internationale Durchbruch war geschafft, nachdem Melzer 2010 die Basis in Form der besten Saison seiner Karriere legte. Selbst die Größten der Szene hatten vor Melzer in Bestform eine große Portion Respekt. Melzer verschaffte sich diesen, nicht weil er etwa den einen oder anderen glücklichen Sieg gefeiert hatte.

Der Deutsch-Wagramer setzte innerhalb eines Jahres Novak Djoković, Rafael Nadal und Roger Federer auf seine prominente Abschussliste, weil er in diesen Matches der bessere Spieler war. Er trat den Beweis an, dass die Fußstapfen von Thomas Muster nicht zwingend drei Nummern zu groß sein müssen, ohne sich je mit dem besten Tennisspieler des Landes vergleichen zu wollen. Melzer gelang es als Alleinunterhalter, Tennis in Österreich wieder mediales Gewicht zu verleihen. Der ORF honorierte seine Leistungen mit Live-Übertragungen, der Tennisfan vor dem Fernsehgerät fühlte sich erhört.

Das Loch hinter Melzer

Im August 2012 ist alles anders. Der ORF wird kein Spiel von Melzer aus Flushing Meadows in die Wohnzimmer liefern, sofern dieser nicht sensationell ins Viertelfinale vordringt. Auf die Titelblätter schafft es die heimische Langzeit-Nummer-eins nur noch durch Gerüchte rund um eine Hochzeit mit seiner tschechischen Freundin und Kollegin Iveta Benešová.

Sportlich herrscht Flaute. Melzer droht in der für die breite Masse bedeutungslosen Mittelklassigkeit zu verschwinden. Mitunter deshalb, weil sich beim 31-Jährigen zunehmend der Körper zu Wort meldet. Im zweiten Halbjahr 2011 plagte sich Melzer erstmals über einen längeren Zeitraum mit Verletzungen herum. Auch 2012, in seiner 14. Saison als Profi, sieht er sich mit den Zeichen der Zeit konfrontiert. „Ich bin keine 25 mehr“, sagt der ÖTV-Daviscup-Spieler, der „zumindest noch bis 2013“ weiterspielen möchte.

Melzers Karriereende kommt im österreichischen Tennisverband mit heutigem Stand einem Fiasko gleich. Hinter dem Routinier klafft ein unübersehbares Loch. Andreas Haider-Maurer stagniert nach einem zwischenzeitlichen Hoch vor zwei Jahren jenseits der Top 100. Die Vorarlberger Martin Fischer und Philipp Oswald sind als Nummer drei und vier des Landes vom Einzug in diese weit entfernt. Und Dominic Thiem, mit bald 19 Jahren Österreichs größter Hoffnungsträger, ist gerade dabei, die Umstellung vom Jugend- in den Herrenbereich zu meistern. Nur gut, dass es Jürgen Melzer gibt.

Auf einen Blick
Jürgen Melzer ist nach Thomas Muster der zweiterfolgreichste Tennisspieler Österreichs.

Den letzten Sieg über einen Spieler aus den Top 10 feierte Melzer im April 2011 über Roger Federer.

Im Vorjahr war Melzer für sechs Wochen die Nummer 8 der Welt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

5 Kommentare
Gast: anonymmmm
29.08.2012 15:44
0 0

naja

Ich denke Jürgen Melzer hat es mental nicht drauf. Er ist besser als underdog der die großen ab und zu mal ärgert. Wenn er der Favourit ist, spielt er meist schlecht. Als underdog ist der Druck wesentlich geringer.

Gast: Sportfan
28.08.2012 07:19
3 0

Ja, seit er nicht mehr die Mirna hat, geht es mit ihm bergab...

Irgendwie hat sie ihn stabilisiert, war selber Spitzensportlerin.

Seine Neue schafft das offenbar nicht wie Mirna, schade!

Immer wieder bewahrheitet sich das Sprichwort: Hinter einem erfolgreichen Mann steht eine Frau (die ihn in den A tritt!!!).

Good old times

Wenn Melzer aufhört, was bald der Fall sein wird, können österreichische Tennisfans einpacken. Im Daviscup werden wir abstürzen, auf der Tour werden wir nur noch spärlich aufblitzen. Die Hoffnung ist Dominic Thiem. Hoffentlich hält sein Körper!

Gast: y8f
27.08.2012 21:31
6 1

Jürgen Melzer

ist 31 Jahre ......
Natürlich naht sein Karriereende und natürlich spielt er nicht mehr so wie zu seinen besten Zeiten.
Aber jeder , der über längere Zeit in den Top 50 zu finden ist, ist ein Weltklassespieler, und das war er über lange Jahre.
Hoffentlich bleibt er dem Sport nach dem Aufhören als Profi erhalten.

Gast: INTELLEGO
27.08.2012 21:23
3 2

Mirna JUKIC

Für den Absturz der Jürgen MELZER gibt es einen Hauptgrund-Mirna JUKIC-nachweisbar!
Er selbst ist ein trainigsfauler und eher labiler Mensch, im Tennis selbst ist er talentiert!
Die Familie JUKIC eine Top-Sportler Familie hat dem JM beigebracht und ihn überzeugt, dass nur harte Disziplin und noch härteres Training Einzelsportler in die Spitze bringt, und bei gleichbleibender Leistung auf Zeit dort hält!
Die Trennung von Mirca hat in nur dorthin zurückgebracht, wo er schon Jahre vorher war: In den Top 30 bis 50, DAS IST ALLES!