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US Open: Jürgen Melzer im freien Fall

30.08.2012 | 16:40 |   (Die Presse)

Österreichs Nummer eins Jürgen Melzer scheitert auch bei den US Open in der ersten Runde. Den 31-Jährigen plagen ob der Länge der Krise bereits Zweifel. Er spricht von einem Teufelskreis.

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New York. Nach einer der bittersten Niederlagen seiner Karriere ist Jürgen Melzer eine ganze Weile nicht in der Garderobe erschienen. „Ich bin hinten auf einem Baumstamm gesessen“, sagte Melzer in Flushing Meadows. Etwas mehr als eine Stunde zuvor hatte er sich dem unbekannten US-Qualifikanten Bradley Klahn nach 3:34 Stunden in der ersten US-Open-Runde mit 6:4, 3:6, 5:7, 7:5 und 4:6 beugen müssen. Als Nummer 36 der Welt gegen die Nummer 489.

Wie man das deuten kann? „Er ist ohne Satzverlust durch die Qualifikation gegangen, er kann spielen. Dass ich normal gegen ihn gewinnen muss, steht ja außer Frage. Einfach zu erklären ist es nicht“, meinte Österreichs Nummer eins. Klahn habe nach seinem kleinen Lauf in der Qualifikation viel Selbstvertrauen getankt und Melzer selbst habe aktuell überhaupt keines. „Im Endeffekt erklärt man es so, dass ich derzeit nicht so spiele wie eine Nr. 36 der Welt.“

Diese Niederlage tut ihm besonders weh, auch wenn die Begründung dafür eher darin zu suchen ist, dass er „im Moment nicht gut genug“ spielt. „Es ist einfach der Wurm drinnen. Man versucht die ganze Zeit, das ist das Zermürbende, rauszufinden, wie du wieder auf diese Siegerstraße kommst. Wenn du gegen einen Qualifikanten spielst, der auf der Tour noch nie ein Match gewonnen hat, dann hilft der Druck, den man sich selbst macht, natürlich auch nicht.“

Die Krise währt schon länger, hat auch mit diversen Verletzungen zu tun. Seit Melzer im Februar überraschend das ATP-500-Turnier in Memphis gewonnen hat, hat er in 14 Turnieren keine zwei Matches en suite gewonnen. „Das ist ein Teufelskreis, in dem man sich befindet.“ Gerade jetzt hätte ihm ein Sieg bei den US Open gutgetan – und dann so eine Schlappe. „Der Stachel sitzt jetzt schon ein bisserl tiefer.“

Grundsätzlich sieht Melzer selbst auf „nicht unbedingt einfache Monate mit Bänderriss, Hüftverletzung, Rückenproblemen“ zurück. „Da fängt man schon ein bisschen an zu zweifeln.“ Medienschelte haben ihm nach Olympia ebenfalls zugesetzt. „Ich bin nach den Spielen zerrissen worden für etwas, da ich meiner Meinung nach nicht verbrochen habe. Ich bin der Letzte, der nicht gewinnen will.“ Auf Medien ist er also derzeit nicht so gut zu sprechen.

„Ich hab's nicht verlernt“

Sein Rezept wird es sein, konsequent weiterzuarbeiten. Schon in den vergangenen Wochen hat Melzer sein Trainingspensum erhöht. „Die Leistungen im Training sind auch schwankend, aber besser als im Match.“ Doch den Glauben an sich selbst hat die frühere Nr. acht der Welt nicht völlig verloren. „Ich hab's nicht verlernt. Es sind dann zwei, drei Partien, die man gewinnen muss.“ Von all jenen kritischen Geistern will er sich seine Laufbahn jedenfalls nicht schlechtreden lassen.

„Ich habe doch in meiner Karriere einiges erreicht, habe das Tennis in Österreich wieder salonfähig gemacht und ich sag immer, wenn man sich in dem, was man tut, zu den besten 30, 40, 50 der Welt zählen kann, dann ist das schon was“, erklärte die 31-jährige Niederösterreicher. „Dass andere sagen, ich habe mein Potenzial nicht ausgeschöpft, damit kann ich leben. Ich weiß, was ich erreicht habe, wie gut ich gespielt habe oder spielen kann.“ Eines weiß Melzer freilich auch selbst nur zu gut: „Die Vergangenheit gewinnt dir leider auch keine Matches.“

Wenn er sich nicht doch zu einer Pause entschließt, möchte Melzer seine Saison mit den Turnieren in Kuala Lumpur, Peking, Shanghai, Wien, Valencia und Paris abschließen. Und endlich wieder auf die Erfolgsstraße zurückfinden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2012)

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15 Kommentare

Kopf hoch Melzer!

Das wird schon wieder; trainieren und mit "pfeiff drauf" auf den Platz gehen; nicht bei jedem verlorenen Punkt in Depressionen verfallen sondern den Kopf frei kriegen.....Aber der Laie hat gut reden....

Gast: Gast: Leser
02.09.2012 11:19
0 0

Karriereende?

Inzwischen ist ja Melzer auch (als Titelverteidiger!) im Herrrendoppel gegen zwei absolute "No-names" ausgeschieden, weiters auch im Mixed-Doppel (als vorjähriger Wimbledon-Sieger!) gleich in der ersten Runde. Man muss sich wirklich fragen, wieso ihm das Tennis überhaupt noch Spaß macht und wann er wohl gedenkt, seien Karriere zu beenden. Mit etwa 25 Jahren kann man ja hoffen, dass es ein vorübergehendes Tief ist, mit 31 ist es wohl zu spät für einen neuen Aufschwung.

Gast: yoshi1
30.08.2012 11:39
1 3

Ekelhaft

Die Kommentare hier zeugen wieder einmal vom Österr Sportgeist: Egal ob Fußball, Schwimmen oder Tennis - werden Erfolge erzielt wird mit geschwollener Brust stolz dahergegockelt aber wehe unsere Sportler haben eine Durststrecke. So schnell können die gar nicht "bitte" sagen werden sie mit Häme, Spott oder gar Boshaftigkeit für ihre Leistungen entlohnt.

Wir haben schon genau die Sportfunktionäre die wir verdienen. Die über die ihr gestern alle noch hergezogen seid.

Antworten Gast: MhmmHerr
30.08.2012 12:37
1 1

Re: Ekelhaft

Das ist allerdings eine der wenigen Dinge, die wir mit anderen Nationen teilen. Also keine Eigenart der Österreicher.

Re: Ekelhaft

Als geduldiger Tennisfan musste man sich in den letzten Monaten von Herrn Melzer einiges bieten lassen. So loyal und patriotisch man auch ist, DIESES Auftreten ist arrogant, lustlos. Wir haben ihm lange die Stange gehalten. Aber jetzt ist Schluss!

Antworten Antworten Gast: yoshi1
30.08.2012 16:38
0 0

Re: Re: Ekelhaft

Ihr Kommentar war auch mit Abstand das harmloseste. Kritik muss erlaubt sein.

Und ich bin mir im Übrigen ziemlich sicher, dass 1-2 boshafte Kommentare entfernt wurden. Gut so.

aproblem

Eine Ausrede darf weder Kopf, er hat die Klasse, das hat er in der Vergangenheit bewiesen, noch Alter, Federer ist genauso alt, sein. Es fehlt eine Vorhand, die andere gefährdet, und der Spielwitz.
Aus meiner Sicht sollte er dieses Drama sofort beenden...

Gast: Gast: Leser
30.08.2012 09:27
3 1

Karriereende

Es ist wohl höchste Zeit, dass Melzer abtritt. Vor 2 Jahren noch Nummer 8 der Welt, heute auf dem Niveau 400-500: ein rasanterer Abstieg ist wohl kaum vorstellbar. Wenn er es selber nicht merkt - hat er keinen Trainer/Betreuer, der ihm das sagt?

0 1

Re: Karriereende

Traurig aber dennoch sollte Melzer über ein Karriereende nachdenken Aus den Top 50 rausfliegen geht schnell und besteht noch irgendeine Chance, ein erneutes Aufsteigen noch zu schaffen?

Re: Karriereende

Seine Betreuer bekommen viel Geld um "Toll Jürgen, weiter so!" zu sagen...

„Tu es oder tu es nicht. Es gibt kein Versuchen.“

Yoda zu Luke Skywalker während seiner Ausbildung auf Dagobah

über diesen looser Typ

will ich nichts mehr lesen (müssen). man muss den Niedergang eines ehemals hoch Talentierten nicht mit medialen Spitzenmeldungen begleiten.

1 0

Der Kopf spielt offenbar nicht mehr mit.

Denn das technische Spiel wird er vermutlich nicht verlernt haben.

(loser bitte nur mit einem 'o')

0 1

Der Kopf spielt offenbar nicht mehr mit.

Ein Problem von Melzer ist wohl, daß der Kopf nicht automatisch sagt --> dem Ball nachlaufen.

Re: über diesen looser Typ

er wird alt