20.06.2013 00:58 Merkliste 0

Paszek: "Nummer eins ist das ultimative Ziel"

08.10.2012 | 18:07 |  CHRISTOPH GASTINGER (Die Presse)

Die Tennis-Karriere der Vorarlbergerin Tamira Paszek gleicht einer Achterbahnfahrt, daran änderte sich auch in dieser Saison nichts. Das einstige Wunderkind ist nach wie vor voller Ambitionen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien. Sieben Jahre ist es her, Oktober 2005, dass ein blutjunges Mädchen beim Damenturnier in Linz die Blicke der heimischen Sportöffentlichkeit auf sich gezogen hat. Eine gewisse Tamira Paszek gewann als 14-Jährige ihr Premierenspiel auf der WTA-Tour und avancierte über Nacht zu einem der hoffnungsvollsten Talente des Landes. Es ist das Phänomen des frühen Erfolgs, das die Vorarlbergerin seither begleitet.

Als 15-Jährige gewinnt sie ihr erstes Turnier, mit 16 klettert sie bis auf Platz 35 der Weltrangliste. Die Erwartungshaltung steigt ins Unermessliche. Die Prioritäten des Mädchens aus Dornbirn verändern sich schlagartig. Nach der zehnten Schulstufe bricht es seine Ausbildung ab, „weil es einfach unmöglich wurde, Tennis und Schule unter einen Hut zu bringen. Ich war in drei Monaten nur noch zwei Tage im Realgymnasium.“ Tennis dominiert sein Leben, dem Erfolg wird alles untergeordnet. Doch die großen Siege ereignen sich nicht in der erwarteten Regelmäßigkeit, seine Entwicklung gerät ins Stocken. Auch weil körperliche Probleme den Teenager immer wieder aus der Bahn werfen. Anstatt von Höhenflügen setzt es Tiefschläge. 2010 fällt sie zwischenzeitlich sogar aus den Top 300. Vor allem mental eine große Herausforderung. „Jeder kennt das Gefühl, wenn es nicht so läuft. Dann fragt man sich irgendwann: Wofür mache ich das alles?“

Doch Paszek verliert nie den Spaß an der Sache. „Dafür liebe ich diesen Sport viel zu sehr.“ 2011 setzt sie in Wimbledon mit dem Erreichen des Viertelfinales ein kräftiges Lebenszeichen. Ein Jahr später dringt sie an gleicher Stelle erneut unter die letzten acht vor. Erfolge, die für viele nur Augenauswischerei sind. Der Hauptkritikpunkt: Paszek bietet nicht die Konstanz einer Weltklassespielerin. Unterstützt wird diese These durch die Tatsache, dass sie in der ersten Saisonhälfte des Jahres bei 13 Turnieren elf Mal bereits zum Auftakt ausscheidet.

 

Neuer Trainer, neues Glück

Seit fünf Monaten versucht Andrei Pavel, ein rumänischer Exprofi, Paszeks Spiel Konstanz zu verleihen. Die Österreicherin schwört auf die Zusammenarbeit mit der ehemaligen Nummer 18 der Welt. „Er hat mir dabei geholfen, meinem Spiel wieder zu vertrauen.“ Dann wähle Paszek instinktiv meist den richtigen Schlag.

Pavel forciert die Aggressivität im Spiel der 21-Jährigen, machte ihr sogar das lange Zeit ungeliebte Doppelspiel schmackhaft. „Ich fange an, Doppel zu lieben. Das Spiel am Netz hilft mir schließlich auch im Einzel“, sagt Paszek, die hohe Erwartungen in die weitere Zusammenarbeit mit dem 38-Jährigen steckt. „Es geht definitiv in die richtige Richtung.“ Konkret soll es für Paszek, aktuell als Nummer 27 so gut wie nie, in die Top 15 gehen. Und das einstige Wunderkind hat nicht aufgehört zu träumen.

„Das ultimative Ziel bleibt die Nummer eins“, versichert sie, wohl wissend, dass dazu noch gewaltige Leistungssprünge vonnöten sind. Der direkte Vergleich mit der derzeit besten Spielerin vor rund zwei Wochen war ernüchternd. In Tokio unterlag sie der Weißrussin Viktoria Asarenka mit 1:6, 1:6. Eine Möglichkeit zur Revanche könnte sich Paszek schon diese Woche beim Generali Ladies in Linz bieten. Dort trifft Paszek zum Auftakt auf eine Qualifikantin (live, ORF Sport+). Zusätzlichen Druck lässt sich die größte ÖTV-Hoffnungsträgerin nicht auferlegen. „Die Erwartungen sind groß, aber ich gehe in dieses Turnier wie in jedes andere auch.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com