Die Favoriten haben sich am Freitag in den ersten beiden Viertelfinalspielen im mit 550.000 Euro dotierten Erste Bank Open in Wien durchgesetzt. Nach Melzer-Bezwinger Gilles Muller (LUX), der Paolo Lorenzi 6:3,6:4 ausschaltete, hatte auch der als Nummer 2 gesetzte Serbe Janko Tipsarevic gegen Aljaz Bedene leichtes Spiel. Der Weltranglisten-Neunte profitierte gegen den Slowenen beim Stand von 6:2,4:2 von der Aufgabe seines Gegners wegen einer Oberschenkelverletzung.
Für Tipsarevic geht es in Wien, ebenso wie für den topgesetzten Juan Martin Del Potro, noch um wichtige Punkte für das ATP-World-Tour-Finale in London. "Ich wäre wirklich happy, wenn ich mit einem signifikantem Vorsprung auf die Spieler hinter mir nach Paris komme und diese Leute in Paris dann zumindest ein Finale oder den Titel brauchen", sagte Tipsarevic. In Paris-Bercy werden in der übernächsten Woche die letzten Startplätze vergeben, in der Woche darauf (ab 5.11.) geht das Saison-Finale der besten acht Spieler in Szene.
Tipsarevic ist aktuell die Nummer neun im Race, wobei ein Antreten des viertplatzierten, aber verletzten Rafael Nadal illusorisch ist. "Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich nicht daran denke. London ist in meinem Hinterkopf. Das ist einer der Gründe, warum das Turnier in Wien sehr wichtig für mich ist", gestand der 28-Jährige, der aber versucht, nicht daran zu denken.
Hungrig und frisch
Nun will er sich ganz auf das Halbfinale am Samstag konzentrieren, in dem er voraussichtlich wie zuletzt in Shanghai auf Tommy Haas treffen wird. In der Vorwoche hatte Tipsarevic nur drei Games gegen den Deutschen gemacht. "Ich war an diesem Tag mental nicht dort. Hier ist es eine andere Situation. Ich bin hungrig und mental viel frischer. Ich hoffe, dass ich ins Finale komme und den Titel hole."
In Sachen Anerkennung im eigenen Land sieht sich Tipsarevic gegenüber Novak Djokovic nicht im Nachteil. "Ich fühle mich nicht im Schatten von Novak. Natürlich ist Novak der Gott, der König usw.", sagte Tipsarevic lächelnd. "Aber Tennis als Sport und die ATP-Tour sind groß genug, für jeden der hart arbeitet, um genug Ruhm, Geld und Anerkennung zu bekommen." Und immerhin sei es nicht nur Djokovic, immerhin hatte Serbien mit Jelena Jankovic und Ana Ivanovic zwei Nummer-1-Spielerinnen bei den Damen und mit Nenad Zimonjic auch schon im Doppel einen Weltranglisten-Leader.
Tipsarevic sieht sich noch nicht am Ende der Fahnenstange. "Ich habe immer noch genug Möglichkeiten, mich zu verbessern, auch wenn ich schon 28 bin. Mein Körper dient mir gut, ich sehe keinen Grund, warum ich mich nicht steigern sollte." Allerdings sei es bei der derzeitigen Spieler-Generation auch nicht so einfach. "Es gibt kleine Dinge, die man seinem Waffen-Arsenal hinzufügen kann", meinte Tipsarevic kriegerisch. Man dürfe nicht nach hinten denken, sondern nur nach vorne. "Roger Federer ist so lange Nummer 1, weil er immer daran gedacht hat, was er verbessern kann. Man muss überdenken wie man sein Spiel erneuern kann."
(APA)
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