Waske: "Medien fehlt der Respekt vor Melzer"

01.04.2013 | 18:22 |  CHRISTOPH GASTINGER (Die Presse)

Alexander Waske, Trainer von Jürgen Melzer, spricht mit der "Presse" über glückliche Zufälle, Energieverschwendung auf dem Tennisplatz und Österreichs Medienlandschaft.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Die Presse: Wie fällt Ihr Resümee der Überseetour aus?

Alexander Waske: Es hat richtig schlecht begonnen. In Memphis verlor Jürgen gegen einen starken Igor Sijsling, dem zwei schwächere Matches in Acapulco und Indian Wells folgten. Dass er vor Miami dann den Challenger in Dallas eingestreut und diesen schließlich gewonnen hat, war auch ein glücklicher Zufall, weil Leander Paes, sein Doppelpartner für Indian Wells, absagen musste. Dallas hatten wir nicht geplant.

Wie weit fortgeschritten ist Ihr Plan, Melzer als Spieler weiterzuentwickeln?

Er hat sich in den letzten Monaten in einigen Bereichen verbessert. Mit der Rückhand spielt er schön langsam das, was ich von ihm sehen möchte. Die Vorhand fand ich immer schon relativ stabil. Was wir jetzt aber brauchen, sind Trainingsphasen, in denen wir seinen Aufschlag stabilisieren können. Zwischen den Matches fehlt dafür oftmals die Zeit, in den nächsten Tagen wird es in Offenbach aber richtig hart zur Sache gehen.

Wie erklärt man sich als Trainer die teilweise doch extremen Leistungsschwankungen?

Eines vorweg: Ich habe noch kein Spiel gesehen, in dem Jürgen gegen jemanden verloren hat, der nicht Tennis spielen konnte. Ein Beispiel: Anfang des Jahres hat er gegen Greg Jones, Nummer 373 der Welt, verloren. An diesem Tag hat Jones aber wie ein Top-50-Spieler gespielt. Natürlich hat Jürgen nicht sein bestes Tennis gespielt, aber falls es manche noch nicht bemerkt haben: Jürgen ist auch nur ein Mensch aus Fleisch und Blut. Ein sensibler Typ, der auch Tage hat, an denen es eben nicht so gut läuft. Das sollte man akzeptieren und respektieren.

Fehlt Ihnen der öffentliche Respekt im Umgang mit Ihrem Schützling?

Definitiv. Jürgen hält die österreichische Flagge oben, wie es in den letzten zehn Jahren kein anderer Tennisspieler des Landes getan hat. Seit ich mit ihm arbeite, verfolge ich auch ein wenig die österreichische Presse. Ich bin zeitweise echt schockiert, was da geschrieben wird.

Was stört Sie dabei am meisten?

Dass bei Niederlagen sofort auf ihm herumgehackt, ihm permanent Lustlosigkeit vorgeworfen wird. Jürgen steht in der Jahreswertung unter den Top 20 (16., Anm). Ich weiß nicht, was die Leute wollen. Wie sieht denn Österreichs Tennis ohne Jürgen Melzer aus? Tennis ist eine Weltsportart – und bei allem Respekt vor den österreichischen Skifahrern: Sie haben nicht die Konkurrenz, wie sie ein Jürgen Melzer hat. Sie müssen sich nicht gegen Argentinier, Australier oder sonst jemanden behaupten.

Womöglich erwarten sich Beobachter einfach viel von Melzer, weil er gewiss über großes Potenzial verfügt.

Jürgen ist ein Künstler, ein Kreativspieler. Wenn ihm seine Kreativität während eines Matches nicht zur Verfügung steht, kann es passieren, dass er unter seinem Grundniveau spielt. Was das andersrum bedeutet, hat man in Miami gegen Ferrer gesehen. Er hat die Nummer fünf der Welt im ersten Satz so was von an die Wand gespielt. Also wenn das keine Feuerwehr war, dann weiß ich nicht...

Ihre extrovertierte Art scheint Melzer gutzutun.

Ich werde gern mal lauter, war schon als Spieler ein Fighter. Wenn Jürgen auf dem Platz steht, bekommt er meine Emotionen ab. Man wird mich nie mit einer Sonnenbrille sehen, mir ist der Blickkontakt enorm wichtig...

...und dass sich Ihr Spieler auf das Wesentliche konzentriert.

Die Energie muss auf dem Platz bleiben. Der Schiedsrichter muss sich auch zwei Fehler leisten dürfen, ohne dass Jürgen sofort das Rumpelstilzchen macht.

Zur Person

Alexander Waske, 38, beendete erst im Vorjahr seine Profikarriere. Der Deutsche erreichte seine beste Einzelplatzierung 2006, als ihn die ATP als Nummer 89 führte. Größere Erfolge feierte er im Doppel, 2007 war er die Nummer 16 der Welt.

Seit Oktober 2012 betreut Waske gemeinsam mit Athletik-Coach Christian Rauscher Österreichs Nummer eins, Jürgen Melzer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.04.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

6 Kommentare

Melzer braucht vor allem einen guten Psychologen oder sogar einen guten Psychiater "Seelendoktor"

Jeder, der seine Spiele anschaut, kann feststellen, dass seine Niederlagen nicht darauf beruhen, dass er bestimmte Schläge, Strategien oder Taktiken nicht beherrschen könnte, sondern darauf, dass er psychische Mängel besitzt. Fast niemand bricht so schnell und augenscheinlich ein, wenn es nicht so gut läuft, wie Melzer.

Melzer beherrscht die Schläge genau so gut wie die besten 10 Tennisspieler, ja einige der 10 besten Spieler können gar nicht auf ein so umfangreiches Können wie Melzer zurückgreifen.

Aber was Kampfkraft, Widerstand in schwierigen Situationen und bei drohenden Niederlagen anbelangt, kan n sich Melzer garantiert noch um Häuser verbessern. Bei den Topspielern ist fast jedes Match erst mit dem letzten(!) Ball entschieden, bei Melzer lässt sich aber meistens schon viel früher sagen, ob er das Spiel verlieren wird.

Das ist übrigens auch großer Vorteil für ihn! Denn andere Spitzenspieler können ihre Spielstärke kaum noch in großem Maße verbessern, er aber schon! Bei seinem Können würde er mit der psychischen Stärke der Topspieler wahrscheinlich ein Dauergast unter den ersten 10 der Welt sein.

Re: Melzer braucht vor allem einen guten Psychologen oder sogar einen guten Psychiater "Seelendoktor"

@Staunton Ich würde gern wissen ob Sie es besser machen würden.

1 0

Re: Re: Melzer braucht vor allem einen guten Psychologen oder sogar einen guten Psychiater "Seelendoktor"

Sorry, auch wenns jetzt provokant klingt. Haben Sie wirklich Ahnung von Tennis und haben sie überhaupt die Saisonspiele von Jürgen Melzer beobachtet?

Zuerst zu Punkt 2: Jürgen Melzer hat alleine in den letzten 2 Wochen ein knappes Dutzend Matches gewonnen wo er über 3 Sätze gehen musste (oft hat er sogar den ersten Satz verloren). Also die fehlende Kampfkraft sehen wohl nur Sie (bzw. vermutlich wurden Sie auch von einigen Medien geblendet).

Punkt 2: Es gibt 5-6 Spieler die definitiv über Jürgen Melzer liegen, von der Spielstärke her. Dahinter kann er mithalten, das ist richtig. Aber Sie vergessen, dass es in den Top 100 viele dieser Tenniskünstler gibt die nicht schlechter sind. Sogesehen ist es durchaus akzeptabel wo sich Melzer aufhält.

Er wird aber auch nicht jünger. Top 10 werden nicht mehr drinnen sein, aber Top 20 trau ich ihm durchaus noch zu. Und das ist eigentlich eine weltklasse Leistung, wenn man in einer Weltsportart dort steht. Ich ziehe meinen Hut vor seiner Karriere. Viele Couchpotatoes können das halt leider überhaupt nicht nachvollziehen. Waske hat dazu eh alles gesagt.

?????

Und weil ich garantiert nicht besser Tennis als Melzer spielen könnte, muß auf jeden Fall falsch sein, was ich über ihn geschrieben habe?

Nun, ich habe die Hoffnung, dass Sie uns wenigstens mitteilen, was Ihre Meinung über Melzer ist.

Aber wahrscheinlich äußern Sie sich selbst niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiie über Sportler, weil Sie ja schlechter als sie sind.

Was Sie stets zum strikten Schweigen verpflichtet, nicht wahr?

Re: ?????

Jürgen Melzer besitzt wie Sie schon sagten gut Schläge, aber ich glaube nicht das er keinen Willen und Kampfgeist hat. Er spielt offensiv und in der Zeit wo er in den Top Ten war hat er ziemlich viele Winner geschlagen. Damit will ich sagen das Offensivspieler nicht so lange an der Spitze sind außer Ausnahmetalente wie Federer. Melzer macht halt viele Fehler wenn er nicht so gut drauf ist weil trotzdem riskiert und das Spiel machen will, so sieht es aus als hätte er keine Lust mehr Tennis zu spielen. Seine Mentalestärke möchte ich nicht kritisieren da ich aus eigenen Erfahrungen weiß wie Mental anspruchsvoll Tennis ist.

wie wahr

"Tennis ist eine Weltsportart – und bei allem Respekt vor den österreichischen Skifahrern: Sie haben nicht die Konkurrenz, wie sie ein Jürgen Melzer hat. Sie müssen sich nicht gegen Argentinier, Australier oder sonst jemanden behaupten."

AnmeldenAnmelden