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Abruptes Ende eines Höhenfluges: Ohne Kraft keine Konzentration

Bild: (c) APA/AFP/YASUYOSHI CHIBA 

Dominic Thiem war im Rio-Halbfinale den enormen Belastungen nicht länger gewachsen, die neue Nummer 15 der Rangliste gönnt sich dennoch keine Erholung.

 (Die Presse)

Rio den Janeiro/Wien. Das 13. Match innerhalb von nur zwölf Tagen war zu viel an Belastung für Dominic Thiem. Im Halbfinale des ATP-500-Turniers von Rio de Janeiro verlor der physisch wie mental erschöpft wirkende Niederösterreicher gegen Guido Pella mit 1:6, 4:6. In der Olympia-Stadt platzte der Traum vom sechsten Karriere-Finale jäh, Thiem war nach acht Einzelsiegen in Folge gegen den argentinischen Überraschungsmann chancenlos. „Meine Vorstellung heute war sehr weit weg von einem Sieg, es hat mir ganz einfach an Energie gefehlt“, analysierte Thiem nach dem Match, das ihm die Grenzen des Machbaren aufgezeigt hatte.
Denn Thiem wirkte von Beginn an unkonzentriert, ließ sich von den wie so oft im Lauf der Turnierwoche schlechten Witterungsverhältnissen samt teils starkem Wind und Regen beeinflussen. Die Beinarbeit offenbarte gegen Pella, der die Bälle geschickt verteilte, eine eklatante Schwäche. Der Einbruch hatte seine Gründe: Nach seinem furiosen Viertelfinalerfolg über David Ferrer am Freitag hatte Thiem auch noch Doppel gespielt, war deshalb erst gegen 4 Uhr früh ins Bett gekommen. „Ich war dieser Belastung heute nicht gewachsen.“

Der Lohn zahlreicher Siege

Unmittelbar nach der Niederlage sprach Thiem von einer „Enttäuschung“, immerhin war die Chance auf das erstmalige Erreichen eines Endspiels auf diesem Tour-Level groß gewesen. Der Ausflug nach Südamerika – im Vorjahr hatte Thiem in Europa auf Hardcourt gespielt – erwies sich nichtsdestoweniger als goldrichtig.
Thiem wird in der heute erscheinenden Weltrangliste auf Position 15 geführt, war noch nie besser klassiert. Im Race, der Jahreswertung, scheint Thiem sogar auf Platz neun auf. „Wenn mir jemand gesagt hätte, dass ich Buenos Aires gewinne und in Rio Halbfinale spiele und aus Südamerika als Nummer 15 abreise, hätte ich es genommen“, bilanzierte der 22-Jährige, der sich auf die Frage, ob er in wenigen Monaten für die Olympischen Spiele erneut nach Rio de Janeiro kommen würde, bedeckt hielt: „Vielleicht, ich weiß es noch nicht.“
Zunächst führt Thiem sein Weg nach Acapulco. In Mexiko steht diese Woche ein weiteres 500er an, Thiem gönnt sich vorerst keine Verschnaufpause.

Auf Musters Spuren

Für den Lichtenwörther ist der Ausflug nach Acapulco keine Premiere, vor zwei Jahren bestritt er in der 670.000-Einwohner-Stadt die Qualifikation, scheiterte dort in Runde zwei. Damals war der aufstrebende Jungstar eben erst in die Top 100 der Weltrangliste vorgedrungen, diesmal sind die Voraussetzungen freilich andere. Das Abierto Mexicano Telcel, so die offizielle Bezeichnung des Turniers, weist mit Thomas Muster bereits einen österreichischen Sieger auf. Der Steirer war bei den ersten vier Auflagen von 1993 bis 1996 unschlagbar, allerdings wurde in Mexiko Stadt und auf Sand gespielt. Seit 2001 findet das größte und wichtigste Tennisturnier Mexikos in Acapulco statt, vor zwei Jahren wich die rote Asche einem Hartplatz.
Thiem bleibt nun kaum Zeit zur Umstellung, nach der zweiwöchigen Tour durch Südamerika ist Hartplatz bis zu Beginn der europäischen Sandplatzsaison Anfang April der Standard-Untergrund. In Buenos Aires auf seinen favorisierten Belag angesprochen, meinte Thiem: „Sand passt immer noch am besten zu meinem Spiel, ich fühle mich dabei ein bisschen wohler. Aber ich mag auch Hardcourt, hoffe, dass ich darauf bald meinen ersten Titel feiern kann.“
In Acapulco scheint die Konkurrenz groß. Neben dem Japaner Kei Nishikori, Nummer sieben der Weltrangliste, und Vorjahressieger David Ferrer hat auch der südafrikanische Aufschlagriese Kevin Anderson für das mit 1,551 Millionen Dollar dotierte Turnier genannt.

RIO DE JANEIRO Halbfinale

Pella (ARG) – Thiem (AUT/5) 6:1, 6:4.
Cuevas (URU) – Nadal (ESP/1) 6:7, 7:6, 7:4.

 
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2 Kommentare
Kate Austen
22.02.2016 08:58
0

und

wie schafft das dann ein Djoker oder ein Federer?

dr.sperber
21.02.2016 22:25
0

bekanntermassen

kann man nicht zugleich auf zwei kirtagen tanzen .

Meinung

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