Federer: "Es stimmt wirklich, es war kein Traum"

Rund 15 Stunden nach seinem 18. Grand-Slam-Triumph in einem denkwürdigen Finale gegen Rafael Nadal hat sich Roger Federer in Melbourne noch einmal den Medien und Fans gezeigt - und erzählte von einer kurzen Nacht.

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APA/AFP/SAEED KHAN

Eine stattliche Schar von Journalisten und Fans wartete in den Carlton Gardens, einem der vielen Parks in Melbourne, auf "King Roger" zum obligaten Fototermin mit dem Pokal. Dabei verriet Federer, wie er die Nacht nach seinem vielleicht größten Triumph verbracht hatte. Sie sei kurz gewesen, so viel war schnell klar, denn das Feiern begann erst um 3.00 Uhr in der Früh. Mit dem Pokal im Arm erzählte der Champion, was ihm beim Aufwachen durch den Kopf ging: "Nachdem ich heute Morgen doch noch eine Stunde geschlafen hatte und aus dem Zimmer ging, dachte ich: Es stimmt wirklich, es war nicht einfach nur ein Traum."

Medien feierten ihn nach dem "Finale, bei dem die Welt still stand", wie "The Age" in Australien schrieb. Die Schweizer Boulevard-Zeitung "Blick" meinte: "Dieses Märchen sucht seinesgleichen." Die französische "L'Equipe" befand: "Als Sieger seines 18. Grand Slams mit 35 Jahren untermauert der Schweizer seinen Platz im Pantheon der größten Sportler aller Zeiten, an der Seite von Pele, Muhammad Ali oder Carl Lewis. Um nicht zu sagen an erster Stelle?"

 Mit der Tennistasche in den Club

Während Federer die Herzen zuzufliegen scheinen, bekam Nadal viel Trost. Er wirkte fast genauso unglücklich wie bei seinem French-Open-Abschied 2016 wegen seiner Handgelenksverletzung. Der 30-Jährige will vor allem Positives in die restliche Saison mitnehmen, aber das Gesicht schien anderes auszudrücken. Als einen der Champions mit der größten Klasse lobte der frühere Weltranglisten-Erste Andy Roddick den mit 14 Grand-Slam-Titeln dekorierten Nadal.

"Tennis ist glücklich, dich zu haben. GRANDE", schrieb der US-Amerikaner. Auch er war begeistert vom Finale. "Ich kann nicht glauben, was ich da gesehen habe", meinte Roddick. Hinsichtlich Federer brachte es die "Neue Zürcher Zeitung" mit Blick auf den Zeitraum zwischen seinem Wimbledonsieg 2012 und Melbourne 2017 noch einmal auf den Punkt: "Roger Federers 18. Grand-Slam-Titel ist der bedeutendste. Er beendet eine viereinhalbjährige Phase der Kritik und des Zweifelns."

In der Vergangenheit sei es Federer aber einfacher gefallen, das Ganze etwas zu fassen, wie der Eidgenosse betonte. Auch die mediale Aufmerksamkeit sei enorm. Das zeige, dass er mit dem Finalsieg gegen etwas Großes geschafft habe. Die Siegesfeier fiel jedoch eher kurz aus. "Ich ging nicht mal ins Hotelzimmer, sondern gleich mit der Tennistasche in den Club", verriet er gut gelaunt.

"Wir waren in einer privaten Gruppe mit unseren Freunden und Familien in einer Bar. Wir hatten einen DJ, da konnten wir sagen, welche Musik wir gerne hätten." Kurz nachdem er gegen 6.30 Uhr wieder zuhause war, wurde er bereits von seinen Kindern wieder geweckt. "Die Buben haben gleich ihre Spielsachen in den Pokal reingetan", erzählte er lachend. "Und die Mädchen haben angefangen, ihn zu putzen."

Neues Jahr, neues Glück

Vor fast genau einem Jahr war die Gefühlslage noch eine andere gewesen - aus mehreren Gründen. Im Halbfinale war Federer gegen den Serben Novak Djokovic chancenlos geblieben. Am Tag darauf verletzte er sich am Knie so sehr, dass eine Meniskusoperation nötig wurde, die ihn letztlich im Juli nach dem verlorenen Wimbledon-Halbfinale zum Saisonabbruch bewog. Ein Entschluss mit großem Weitblick, wie sich nun zeigt.

Auch sonst machte der Schweizer im Vorfeld des Australian Open alles richtig. Mit dem Hopman Cup mit je drei garantierten Einzel- und Mixed-Matches wählte er genau das richtige Vorbereitungsturnier. Hätte er in Brisbane, wo er in den Jahren zuvor jeweils in der ersten Jänner-Woche gespielt hatte, in der ersten Runde gegen den Deutschen Alexander Zverev verloren wie in Perth, wäre das Turnier zu Ende gewesen. Er hätte keine Spielpraxis sammeln können.

Jetzt hat Federer Erholung nötig. Der Körper schmerze, vor allem die Oberschenkel. Es sei aber nichts, was einem Angst machen müsse. Federer flog noch am Montag in die Schweiz zurück. Nach drei Wochen Pause steht als nächstes das Turnier in Dubai an. In seiner zweiten Heimat wird Federer wieder standesgemäß als Top-Ten-Spieler antreten. Der 35-Jährige ist - wie vor zwei Wochen zu befürchten - nicht aus den besten 30 herausgefallen, sondern verbesserte sich von Rang 17 auf 10.

(APA)

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