Roger Federer und seine Bühne, der Tennisplatz

Die ersten drei Grand-Slam-Turniere 2017 sind Geschichte. Mit Roger Federer bei den Australian Open und in Wimbledon sowie Rafael Nadal bei den French Open haben sich jene Spieler durchgesetzt, die nach ihren langen Auszeiten im Vorjahr schon abgeschrieben worden waren.

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APA/AFP/AELTC/Thomas Lovelock/TH

Die ersten drei Grand-Slam-Turniere 2017 sind Geschichte. Mit Roger Federer bei den Australian Open und in Wimbledon sowie Rafael Nadal bei den French Open haben sich jene Spieler durchgesetzt, die nach ihren langen Auszeiten im Vorjahr schon abgeschrieben worden waren. Federer, der am 8. 8. 36 Jahre alt wird, hat sich nach Nadal als zweiter Spieler schon für das ATP-Saison-Finale qualifiziert.

Sein in dieser Form nicht für möglich gehaltenes Comeback hat Federer in diesem Jahr also schon zwei Major-Titel eingebracht. Davor hatte er zuletzt in Wimbledon 2012 triumphiert, viele Beobachter hatten dem Schweizer den 18. oder gar 19. Grand-Slam-Titel nicht mehr zugetraut.

"Ich habe fest daran geglaubt. Aber es war auch wichtig, dass mein Team und mein Umfeld immer daran geglaubt haben. Wenn du zweifelst, beruhigen diese Leute dich, wenn du dich zu gut fühlst, holen sie dich wieder auf den Boden zurück", schilderte Federer am Sonntagabend nach seinem achten Rekord-Triumph an der Church Road. All seine Teammitglieder hätten ihm auf seine diesbezügliche Frage ehrlich geantwortet: "Wenn du 100 Prozent fit, gut vorbereitet und motiviert zum Spielen bist, dann ist alles möglich."

Und diese Vorbereitung war bei dem vierfachen Familienvater, dessen Kinder ihren Vater in der ersten Reihe fußfrei beim nächsten Triumph beobachten durften, perfekt. Die ausgelassene Sandplatz-Saison, um sich ganz auf sein Lieblingsturnier zu konzentrieren, war die richtige Entscheidung. Dass er auf dem "Heiligen Rasen" nun auch den siebenfachen Champion Pete Sampras überholt hat, war gar nicht sein vorrangiger Gedanke, erzählte Federer.

"Wimbledon war und wird immer mein Lieblingsturnier sein. Meine Vorbilder haben sich auf dieser Anlage bewegt und auf diesen Plätzen gespielt. Aufgrund dieser Spieler bin ich auch zu einem besseren Spieler geworden." Während des Tages oder auch während der Siegerehrung habe er aber nicht viel daran gedacht, dass es der achte Titel ist. "Ich war einfach nur glücklich, dass ich den Wimbledon-Titel gewinnen konnte, weil es ein langer und aufregender Weg gewesen ist, mit zwischenzeitlich auch schwierigen Momenten."

Ob er 2018 auch auf den neunten Triumph losgehen wird, ließ er offen. Nicht, weil er nicht möchte. "Ich hoffe, dass ich wiederkomme, aber da gibt es nie eine Garantie, besonders nicht mit 35", sagte der Eidgenosse. Aber es sei definitiv sein Ziel, seinen Titel zu verteidigen. Sein Lauf in diesem Jahr mit bereits fünf Turniersiegen, zwei davon bei Majors, überrascht Federer selbst. "Es ist unglaublich. Ich weiß nicht, wie lange es noch so weitergeht. Aber ich muss mich immer daran erinnern, dass die Gesundheit zuerst kommt."

Was den Tour-Veteranen besonders auszeichnet, wurde Federer gefragt. "In dieser Phase der Karriere ist es sicherlich die Konstanz. Ich war zudem immer ein 'Big-Stage-Player', auf den großen Bühnen fühle ich mich wohl. Mein bestes Tennis habe ich immer auf den großen Plätzen gespielt", fand der Weltranglisten-Dritte eine Begründung. Er habe als Kind große Träume gehabt. "Dann habe ich über die Jahre hart, sehr gut und clever trainiert, und ich hatte immer die richtigen Leute um mich herum: meine Frau und meine Eltern, die mich immer auf dem Boden gehalten haben." Neben all dem Talent, habe er hart gearbeitet. "Nur Talent allein reicht nicht, um dies alles zu erreichen."

Der Vergleich zum jungen Federer, als er freilich noch viel mehr Tennis auf der Tour gespielt hat, fällt ihm schwer. "Ich habe pro Saison fast 100 Matches gespielt und fast 90 davon gewonnen. Da hatte ich ein wahnsinnig großes Selbstvertrauen", erinnerte sich Federer. "Ich würde schon sagen, dass ich heute eventuell der bessere Spieler wäre, einfach, weil ich mich weiterentwickeln konnte. Vielleicht serviere ich noch ein Stück besser, mit mehr Power, auch beim zweiten Aufschlag." Ob er wirklich heute besser wäre, sei aber schwierig zu beantworten. "Es waren einfach andere Zeiten."

Die weitere Turnierplanung lässt Federer offen. "Wir werden uns zusammensetzen und entscheiden, was wir mit Kanada machen", sagte er. Das Masters-Series-Turnier in Montreal beginnt am 7. August. Durchaus möglich, dass Federer erst in Cincinnati wieder zurückkehrt, ehe die US Open (ab 28. August) ein Fixpunkt sind. Danach stehen der neu geschaffene Laver Cup in Prag sowie Shanghai und Basel auf dem Programm. Und nun auch London im November.

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