Rivalinnen für einen Tag

Tennis. Die beiden Freundinnen Sloane Stephens und Madison Keys bestreiten heute das Finale der US Open in New York. Erwartungen und Rückschläge pflastern ihren Weg.

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Sloane Stephens. – (c) imago/Hasenkopf (Juergen Hasenkopf)

New York. Für die amerikanischen Fans war der Halbfinaltag der US Open ein programmierter Feiertag. Vier US-Amerikanerinnen hatten um den Einzug ins heutige Finale (22 Uhr, live in ORF Sport +, Eurosport) gerittert, das linderte auch die Enttäuschung über das abermals bescheidene Abschneiden der Herren; Sam Querre scheiterte als letzter Lokalmatador im Viertelfinale.

Das Gros der Zuschauer hatte rein aus sentimentalen Gründen gewiss auf einen Erfolg von Venus Williams, 37, gehofft. Die Geschichte des Evergreens, die seit 2011 an einer chronischen Autoimmunkrankheit leidet, ist eine bewegende, an diesem Abend aber siegte die Jugend. Sloane Stephens aus Plantation im US-Bundesstaat Florida beendete die Reise der ehemaligen Weltranglistenersten, die 24-Jährige siegte 6:1, 0:6, 7:5 und erreichte erstmals ein Grand-Slam-Finale, während Williams ihr 17. nur knapp verpasste.

Stephens wurde schon in den Anfangsjahren ihrer Karriere Großes zugetraut, Experten sahen in ihr einen zukünftigen Weltstar. Als sie 2013 nach einem Sieg über Serena Williams das Halbfinale der Australian Open erreicht hatte, wollte mancher Beobachter einen Machtwechsel vollzogen wissen. Stephens allerdings vermochte diesen Erfolg lange Zeit nicht zu bestätigen, zudem warfen sie Verletzungen immer wieder aus der Bahn. „Seither ist viel passiert. Ich bin froh, dass ich Tennis spielen kann, und ich habe ein Grand-Slam-Finale erreicht. Das kann mir niemand mehr nehmen“, sagte Stephens, die aufgrund einer Beinverletzung elf Monate kein Turniertennis spielen konnte und erst im Juli, bis auf Platz 957 zurückgefallen, ihr Comeback gab.

Das bisweilen wichtigste Spiel ihres Lebens wird auch zu einer psychologischen Herkulesaufgabe, nicht einzig aufgrund der Tatsache, dass es um eine Major-Trophäe geht. Auf der anderen Seite des Netzes wird im Arthur Ashe Stadium mit Madison Keys eine gute Freundin von Stephens returnieren, die 22-jährige Keys hatte in ihrem Halbfinale Coco Vandeweghe mit 6:1, 6:2 abserviert. „Dass wir das gemeinsam erleben, nach allem, was wir durchgemacht haben, ist wirklich speziell“, erzählte die Weltranglisten-16. Keys, die zuletzt mit Motivationsprobleme zu kämpfen hatte.

Erst in der heurigen langen Zwangspause wegen einer Handgelenksverletzung wurde ihr wieder bewusst, wie sehr sie Tennis eigentlich liebe. „Das hat mir den großen Druck genommen, unter den ich mich selbst gesetzt habe“, bemerkte Keys, die von Lindsey Davenport, Gewinnerin der US Open 1998, betreut wird. Eine Prognose für das Finale wollte Keys, die mit einem Sieg in die Top 10 vorstoßen könnte, nicht abgeben. „Für Sloane und auch für mich ist jetzt alles möglich.“ (cg)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2017)

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