Plötzlich Siegerin der US Open

Sloane Stephens, 24, krönte sich völlig unerwartet zur "Queen von New York", in Amerika spricht man begeistert von einem Märchen. Ob sie ein "One-Hit-Wonder" bleibt oder den Williams-Clan endgültig ablöst, bleibt jedoch abzuwarten.

Sloane Stephens spazierte in New York zum Mittelpunkt der Tenniswelt.
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Sloane Stephens spazierte in New York zum Mittelpunkt der Tenniswelt.
Sloane Stephens spazierte in New York zum Mittelpunkt der Tenniswelt. – (c) APA/AFP/JEWEL SAMAD

New York. Frech, unbekümmert und selbstsicher wie auf den Tennisplätzen von Flushing Meadows trat Sloane Stephens auch als Sensationssiegerin der US Open auf. Nach dem krönenden Abschluss ihrer märchenhaften Comeback-Geschichte bewies die Nachfolgerin von Serena Williams als US-Grand-Slam-Siegerin gelöst ihr Talent als Unterhaltungskünstlerin – und erntete Applaus. „Ich sollte direkt zurücktreten, werde das nie toppen“, scherzte die 24 Jahre alte Stephens. „Wer meine Geschichte hört, denkt, das ist doch verrückt.“

Vor ihr stand der glänzende Pokal, hinter ihr leuchtete ihr Name als US-Open-Siegerin. „Wie verrückt ist das?“, beschrieb sie ihre Gedanken nach dem 6:3, 6:0 gegen Landsfrau Madison Keys.

 

Im Jänner operiert worden

Keiner hat vor zwei Wochen gedacht, dass die frühere Melbourne-Halbfinalistin durch das Turnier stürmen würde. Doch in diesem irren Tennisjahr und ohne die junge Mutter Serena Williams wurde es möglich. Dabei: Am 23. Jänner war Stephens nach einem Ermüdungsbruch erst operiert worden. 16 Wochen durfte sie mit dem linken Fuß überhaupt nicht auftreten, geschweige denn Tennis spielen. Sie setzte bis Wimbledon sogar elf Monate aus.

Vor fünf Wochen wurde die Amerikanerin aus Plantation, Florida, als Nummer 957 der Welt gelistet. Als ungesetzte Spielerin und 83. startete sie in das Turnier, nie war eine Open-Siegerin schlechter platziert. Nur Kim Clijsters hatte 2009 gar kein Ranking. Heute klettert Stephens auf Platz 17, so hoch wie seit Mai 2014 nicht mehr.

Cooler und geduldiger als Keys trat Stephens im ersten reinen amerikanischen US-Open-Finale seit 2002 und im Duell zweier (befreundeter) Endspiel-Debütantinnen an. In nur 61 Minuten demütigt sie regelrecht ihre an Position 15 gesetzte Kollegin, in den Armen ihrer Mutter kamen ihr dann die Tränen. Als Stephens von ihren nur sechs Fehlern erzählte, geriet sie ins Stocken: „Ich glaube nicht, dass ich das je geschafft habe.“ Die Rechtshänderin aber hat es geschafft. Als Stephens 2013 bei den Australian Open das Halbfinale erreichte, galt sie schon einmal als potenzielle Nachfolgerin der Williams-Schwestern, schaffte jedoch den Durchbruch nicht. „Sloane hatte immer Talent. Dass sie so lang nicht auf dem Platz war, hat ihr geholfen zu erkennen, wie sehr sie das Spiel liebt“, sagt Keys.

 

Ohne Serena ist alles anders

Seit Serena Williams pausiert, gibt es keine, die die Damentour beherrscht. Die überraschenden Erfolgsgeschichten von Stephens und Keys sowie die amerikanischen Tennisfesttage mit vier US-Halbfinalistinnen sind auch das Ergebnis der aktuellen Unberechenbarkeit im Damentennis. Simona Halep (RUM) scheiterte mehrmals in entscheidenden Momenten. Die Lettin Jeļena Ostapenko gewann die French Open, spielte allerdings bei den danach folgenden Grand Slams keine große Rolle mehr. Wimbledon-Gewinnerin Garbiñe Muguruza (ESP) löst am Montag Karolína Plíšková (TCH) zwar als Nummer eins der Welt ab, wurde aber als deutliche Achtelfinal-Verliererin und Finalzuschauerin nur aufgrund der komplizierten Weltranglistenrechnerei Erste.

Stephens hat die Chance genutzt und ist nun erste amerikanische Grand-Slam-Siegerin ohne den Nachnamen Williams (seit 2002). Ob sie ein „One-Hit-Wonder“ bleiben wird? Ob sie hungrig sei auf weitere Grand-Slam-Siege? „Habt ihr nicht den Scheck gesehen, den ich bekommen habe? Wenn du dafür kein Tennis spielen willst, weiß ich auch nicht.“

Ihr Preisgeld beträgt 3,7 Millionen US-Dollar.

 

Evergreen Martina Hingis

Die Schweizerin Martina Hingis hat bei den US Open ihren bereits 24. Grand-Slam-Titel gewonnen. Die 36-Jährige setzte sich im Finale des Mixed-Doppels gemeinsam mit dem Schotten Jamie Murray gegen das taiwanesisch-neuseeländische Duo Chan Hao-Ching und Michael Venus mit 6:1, 4:6, 10:8 durch. Chan und Venus hatten im Halbfinale den Steirer Oliver Marach und Anastasia Rodionova (AUS) bezwungen.

Hingis bestritt auch das Finale im Damendoppel. (red./DPA)

ZUR PERSON

Sloane Stephens wurde am 20. März 1993 in Plantation, Florida, geboren. Die 1,70 Meter große Rechtshänderin wird von Kamau Murray trainiert. Sie gewann zuvor fünf Turniere, ihr Karrierepreisgeld beträgt 8,2 Mio. Dollar. [ AFP ]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2017)

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