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Tour de France: Aus Mangel an Beweisen

03.07.2009 | 18:37 |  GERHARD HOFER (Die Presse)

Die am Samstag beginnende 96. Tour de France besteht wieder aus zwei Bewerben: Rad fahren und dopen. Nur wer beides perfekt beherrscht, kann gewinnen.

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MONTE CARLO/WIEN.Kokser Tom Boonen geht heute ins Rennen. Er hat seinen Start an der 96. Tour de France per Gerichtsbeschluss durchgeboxt. Erst gestern hat ihm ein französischer Richtersenat recht gegeben. Obwohl ihm Dopingfahnder schon dreimal Kokainkonsum nachgewiesen haben, ist er nicht gedopt. Denn Kokain gilt aufgrund seiner Kurzzeitwirkung nur als Dopingmittel, wenn es nach einer Wettfahrt nachgewiesen wird. Im Training können sich Sportler bis zur Bewusstlosigkeit zublasen.

Die Episode am Tag vor dem Start in Monte Carlo veranschaulicht, unter welchem Stern das größte Radrennen der Welt wieder auf die Strecke geht. Doping hat das Sportliche in der öffentlichen Wahrnehmung längst in den Schatten gestellt. Die französische „L'Equipe“ kündigte an, dass kurz vor dem Start noch vier bis sieben Dopingsünder auffliegen werden. Einen hat's bereits erwischt. Der holländische Jungstar Thomas Dekker ist überführt. „Ich habe nichts genommen“, beteuert der 24-Jährige. Aber an eine Unschuld im Radrennsport glaubt mittlerweile ohnehin niemand mehr.

Die Tour ist eine sportliche Veranstaltung, die aus zwei Bewerben besteht: Rad fahren und dopen. Und Tour-Direktor Christian Prudhomme muss sogar befürchten, dass noch eine dritte Kategorie dazukommt: der Rechtsstreit. Denn womöglich bestimmt ein Gericht nicht nur, wer starten darf, sondern auch, wer der Sieger ist.

 

Sind die Sauberen schon ausgestiegen?

Wenn der mediale Doping-Super-GAU der vergangenen Jahre im Radrennsport etwas bewirkt hat, dann einzig die Tatsache, dass die Fronten ziemlich geklärt sind: Jene Sponsoren und Teams, die am Doping nicht mehr teilhaben wollen, haben sich verabschiedet. Übrig geblieben sind nun in erster Linie Mannschaften, die fast schon unverhohlen Doping betreiben, sich allerdings nicht dabei erwischen lassen.

Dass etwa das Quick-Step-Team Kokser Boonen mit richterlicher Genehmigung an den Start bringt, anstatt ihn betretenen Schweigens zu suspendieren, zeigt nur allzu gut, welch Geisteskinder am Werk sind.

Und das gilt wohl auch für das favorisierte Astana-Team aus Kasachstan. Es ist quasi das Sammelbecken für in Dopingverruf geratene Radstars. Allen voran natürlich Lance Armstrong. Der siebenfache Toursieger, der 1999 mehrere positive Dopingproben abgegeben hat und trotzdem als Saubermann dastehen möchte. Schließlich konnte ihm mangels B-Proben rein rechtlich nichts nachgewiesen werden. Vier Jahre nach seinem letzten Tour-Sieg nimmt er die 3459,5 Kilometer lange Schleife wieder in Angriff. Der 37-Jährige zählt zu den Favoriten. Nicht so sehr im Kampf ums Gelbe Trikot. Er ist vielmehr der erklärte Favorit der Dopingjäger.

Pierre Bodry, Chef der französischen Antidopingagentur AFLD, kündigte für heuer die schärfsten Dopingkontrollen aller Zeiten an. 500 Kontrollen sollen durchgeführt werden. Nach jeder Zielankunft passen acht Chaperons die kurz zuvor ausgewählten Sportler ab. Und dann geht's unverzüglich zur Kontrolle.

Das gilt auch für den Tour-Favoriten Alberto Contador. Der spanische Astana-Fahrer wird wie sein deutscher Teamkollege Andreas Klöden beschuldigt, an der Universitätsklinik Freiburg an systematischem Doping beteiligt gewesen zu sein.

Auch Cadel Evans gilt als Favorit beim Raddoping-Duathlon. Der zweifache TourZweite aus dem Silence-Lotto-Team hat eine weiße Dopingweste. Allerdings hat der Australier ein Naheverhältnis zum italienischen Sportarzt Michele Ferrari. Der ist in der Szene besser als „Dottore EPO“ bekannt. Evans sagt, Ferrari habe ihm nur Trainingspläne zusammengestellt. Blutdoping habe natürlich niemals stattgefunden.

Vorjahressieger Carlos Sastre und Giro-Gewinner Denis Menchow zählen allein von der Papierform her zu den Siegesanwärtern der Tour. Viele Radsportexperten haben aber das Luxemburger Brüderpaar Andy und Fränk Schleck von der Mannschaft CSC-Saxo Bank auf ihrer Rechnung. Fränk flog im vergangenen Jahr als Kunde des spanischen Arztes Eufemiano Fuentes auf. Die Blutdopingaffäre Fuentes, in die neben Schleck eine ganze Reihe prominenter Radprofis verwickelt war, endete mit der Einstellung aller Verfahren. Aus Mangel an Beweisen.

Und so wird es wohl auch heuer einen Tour-Sieger „aus Mangel an Beweisen“ geben.

AUF EINEN BLICK

Die 96. Tour de France beginnt heute, Samstag, mit einem Zeitfahren in Monte Carlo. Auf 21 Etappen werden 3459,5 Kilometer zurückgelegt. Auch zwei Österreicher sind am Start. Peter Wrolich (Milram) und Bernhard Eisel (Columbia-High Road).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2009)

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8 Kommentare
Gast: Lance Aschstrong
05.07.2009 11:00
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Pimp my Bike

Es geht doch nur noch um das liebe Geld. Solange sich Doping auszahlt wird auch gedopt.

Solange man Geld mit Superhelden verdienen kann, solange drückt man beide Augen zu.

Eigentlich sind wir alle selber schuld, weil wir nur Superhelden verehren. Wer 2. wird, hat schon verloren, dass ist einfach krank!


Gast: MaxxHeadroom
04.07.2009 22:03
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dieser Artikel ist eine Frechheit !

... hätte ich von der Presse nicht erwartet !

Gast: Mogli
04.07.2009 20:36
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Ich schau' mir die Tour nicht mehr an.

Nein.

Gast: Jackson
04.07.2009 20:14
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Nicht okay

Also im Gegensatz zu anderen hier finde ich den Kommentar einfach schlecht. In Oesterreich und vielen andern Laendern gilt zum Glueck die Unschuldsvermutung und die aktuelle Gesetzeslage. Dh ein Fahrer mit Dopinggeruechten ist kein Fahrer der dopt. Ein Fahrer der Kokain im Training nimmt ist nicht gedopt.

Sind alle Fahrer sauber? Sicher nicht, aber einfach mal so quer durch die Bank Namen nennen ist nicht okay.

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guter kommentar!

wird aber die presse so konsequent sein, NICHTS, nicht mal eine zeile, über die tour de doping zu berichten?
lasst taten sprechen und nicht nur worte.

Gast: le
04.07.2009 15:40
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Alles Pfuscher diese Jäger

Da können die (Doping)Journalisten schreiben was sie wollen. Da können (auch Scheinheilige)Sponsoren aussteigen, weil sie Imageverluste für ihr Unternehmen fürchten. Da können Politiker, die sich gerne neben Siegfahrer stellen um von deren Glanz etwas abzubekommen, schärfste Strafgesetze beschließen.

Aber <le Tour> ist nicht umzubringen. Ganz allein weil wieder mehr als 20 Millionen Menschen an der Straße stehen werden. Der Fahrer kommt zum Zuschauer und umgekehrt. Beide bilden eine Symbiose.

Dattinger
04.07.2009 11:46
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Gratulation!

Sehr geehrter Herr Redakteur,

ich gratuliere Ihnen zu diesem Ihrem (heute auch in der Printausgabe abgedruckten) Beitrag "Aus Mangel an Beweisen".

Ihre Bemerkungen gehören für mich mit zum Gescheitesten, das zu diesem Thema je veröffentlicht wurde.

Mit freundlichen Grüßen
Clemens Strauss eh.

TRIRaph
04.07.2009 15:43
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Re: Gratulation!

Dem kann Ich mich nur anschließen!!! Dieser Artikel zeigt in einigen Aspekten wirklich klar die Idiotie der ganzen Sportmaschinerie. Leider ist es so...muss man ja wirklich sagen....Wie der SPORT darunter leidet....einfach as solches was er ist....ein Lebensziel...eine Einstellung....eine ganz persönliche Philosophie, die einem auch Geistig sehr viele wege öffnen kann wird zu einem Machtinstrument missbraucht um diese verrückte kapitalgesteuerte Gesellschaft anzuzapfen wie eine Warze und sich am Glück anderer Sattzusaugen....und die, die darunter leiden sind die kleinen...die, die die Arbeit für die Machen die auf der ganzen Kohle hocken, wie ein paar Arschwarme!!!.....Entschuldigt bitte meine Ausdrucksweise....

Aber nichst desto trotz....danke für einen wirklich tollen Artikel!!!

Für eine faire Weltgemeinschaft

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