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Ski alpin: Die Beste sucht eine neue Herausforderung

20.10.2012 | 18:01 |  von Wolfgang Wiederstein (Die Presse)

Mit ihrem Ansinnen, im November in Kanada bei einer Herrenabfahrt starten zu wollen, hat Lindsey Vonn eine hitzige Debatte und Kontroversen ausgelöst. Einige machen sich über den Plan des US-Stars sogar lustig.

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Wenn am kommenden Samstag in Sölden die neue Skisaison eröffnet wird, dann werden die Blicke auf dem Rettenbachferner auf sie gerichtet sein. Nicht nur, weil sie Gesamtweltcupsiegerin 2011/12 und damit Titelverteidigerin ist, sondern weil sie in den vergangenen Wochen eine heftige Diskussion ausgelöst hat. Lindsey Vonn hat nämlich die Absicht geäußert, bei den Herren starten zu wollen. Nicht auf dem Gletscher im Ötztal, sondern Ende November (24.) im kanadischen Lake Louise. Dort steht eine Herrenabfahrt auf dem Programm – und genau dort will die US-Amerikanerin dabei sein. Die 28-Jährige hat beim Internationalen Skiverband FIS um eine Starterlaubnis gebeten, das Schreiben hat sie an Renndirektor Günter Hujara gerichtet. Eine definitive Entscheidung ist noch nicht gefallen. Aber der Idee von Lindsey Vonn wird äußerst kritisch begegnet, viele sprechen von einem PR-Gag. Und Chancen werden ihr bei den Herren auch keine eingeräumt.

Lindsey Vonn hat in ihrer Karriere eigentlich schon alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Sie ist Olympiasiegerin, sie hat bereits vier große Kristallkugeln für den Gesamtweltcup daheim – und sie will Rekorde brechen. Wer als beste Skirennläuferin gilt, der darf sich dann auch einmal eine neue Herausforderung suchen. Eine Herrenabfahrt zu bestreiten, das ist allerdings ein verwegener Plan. Experten rechnen auf jeden Fall damit, dass Vonn auf die schnellsten Herren rund fünf Sekunden verlieren könnte. In die Weltcuppunkteränge würde sie mit so einem Rückstand nicht kommen. „Die Frage ist, ob es einen Grund gibt, Lindsey überhaupt starten zu lassen“, sagt der norwegische Damenrenndirektor Atle Skaardal.

Die Sache ist nicht so einfach, wie sie auf den ersten Blick erscheint. Denn eine Woche nach dem Herrenrennen bestreiten die Damen zwei Abfahrten in Lake Louise. Die Konkurrentinnen murren, Lindsey Vonn könnte sich durch ihren Einsatz einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Extraeinheit. Nicht nur im Lager der Österreicher löst die Idee von Lindsey Vonn Verwunderung aus. Beim Deutschen Skiverband sorgt der Wunsch des US-Superstars für größeres Unverständnis. Auch bei Maria Höfl-Riesch, ihrer einstigen Busenfreundin. „Ich würde nie auf die Idee kommen, die Rennen in Garmisch auszulassen, um woanders zu starten.“ Am selben Wochenende finden nämlich die Heimrennen von Lindsey Vonn in Aspen statt. „Ich kenne natürlich die genauen Hintergründe nicht“, so Riesch. „Meine Vermutung ist, dass sich Lindsey eine Extraeinheit sichern will. Dabei hat sie das gar nicht nötig.“

Wolfgang Maier, der Alpin-Direktor der Deutschen, ist der Meinung, dass die FIS-Regeln ohnedies einen Start bei den Herren verhindern. Weil Vonn nicht die nötigen FIS-Punkte hat. Er selbst schließt nicht aus, dass Lindsey Vonn lediglich eine einzige PR-Aktion gestartet hat. Der italienische Super-G-Weltmeister Christof Innerhofer sieht dem Plan gelassen entgegen. „Lindseys Vorhaben ist absolut lächerlich. Auch sie wird wissen, dass sie bei uns keine Chance auf eine Platzierung in den Top-30 hat.“ Felix Neureuther meint eher belustigend: „Wenn Lindsey das unbedingt machen will, dann kann sie das ja gerne einmal als Vorläuferin probieren...“

Als Vorläuferin bei den Herren hat beispielsweise Marlies Schild bereits Erfahrung gemacht – beim Nachtslalom in Schladming. Bei der Auflage 2012 hätte sie sich mit ihrer Zeit sogar für den zweiten Durchgang der Top-30 qualifiziert. Doch Schild weiß selbst am besten, dass sie bei derartigen Vergleichen als Vorläuferin von den perfekten Pistenbedingungen stark profitiert. „Ohne meine Leistung zu schmälern. Aber man muss realistisch sein und sehen, dass Frauen von Natur aus gewisse Nachteile gegenüber Männern haben“, hat Marlies Schild erst unlängst bei einer Pressekonferenz ihres Sponsors in Wien erklärt.

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel sieht die aktuellen Pläne von Lindsey Vonn ebenfalls lediglich als „klugen“ PR-Gag. „Das war eine gute Idee des Sponsors. Man hat sich dadurch ins Gespräch gebracht.“ Die Umsetzung ist für Schröcksnadel allerdings nicht realistisch. Ein Start als Vorläuferin bei einer Männerabfahrt sei hingegen denkbar. Zudem wäre für den ÖSV-Boss ein Vergleich Frau gegen Mann auf der Gleiterstrecke in Lake Louise letztlich wenig aussagekräftig. „Wenn sie wirklich wissen will, wo sie steht, müsste sie schon in Kitzbühel auf der Streif oder in Beaver Creek antreten!“

Für eine gewisse Aufregung ist im Skizirkus jedenfalls gesorgt. Auch, weil sich Günter Hujara als FIS-Renndirektor eigentlich durchwegs positiv zu Wort gemeldet hat. „Ich habe absolut überhaupt keine Bedenken“, hat er auf der Website des „Ski Racing Magazine“ erklärt. Hujara kann in den Regeln nichts erkennen, was den geplanten Start von Vonn in Lake Louise verbieten könnte. Das habe er der Amerikanerin auch so mitgeteilt. Was aber nicht bedeutet, dass die FIS grünes Licht erteilt. Und Lindsey Vonn müsste auf sehr viel verzichten – auf Aspen und auf die Damenrennen in Lake Louise. „Die drei Rennen in Lake Louise sind im Hinblick auf den Gesamt- und den Abfahrtsweltcup sehr wichtige Läufe. Ich möchte sie nicht aufs Spiel setzen“, so Vonn. Die erfolgreiche Athletin hat also selbst Zweifel, ob die Idee, das Duell mit den Herren zu suchen, wirklich der Weisheit letzter Schluss ist.

Steven Nyman, der US-Speedspezialist, klingt versöhnlicher als der Großteil der Konkurrenz. „Ich bin dafür, dass sie bei uns startet. Lindsey ist die seit Jahren dominante Frau auf der Abfahrt. Wenn sie denkt, sie könnte die Boys schlagen, dann soll sie es versuchen. Sie sollte aber nicht als Vorläuferin starten, sondern mitten im Rennen. Mit jener Nummer, die sie sich im Training verdient hat“, wird Nyman in der „New York Times“ zitiert.

Spott der Damenwelt. Die Herren nehmen Lindsey Vonn nicht ernst, die Damen spotten auch eher nur. Dass auch Maria Höfl-Riesch eher klare Worte spricht, verwundert nicht wirklich. Die Deutsche hat erst vor wenigen Wochen ihr Buch „Geradeaus“ präsentiert. Und darin kommt Lindsey Vonn nicht sehr gut weg. Der „Zickenkrieg“ wurde zwar offiziell beendet, die alte Freundschaft muss dennoch als zerbrochen bezeichnet werden. „Es ist nicht mehr so, wie es vorher zwischen uns war“, so Höfl-Riesch. „Das wird es wahrscheinlich auch nie wieder. Denn die letzten Jahre haben uns beide verändert.“

Begonnen hatte die Entfremdung in der Saison 2010/11 – als sich die beiden ein packendes Duell um den Gesamtweltcupsieg liefern. Da tauchte dann plötzlich das Gerücht auf, Lindsey Vonn fahre im Slalom nicht mit den Schuhen ihres offiziellen Ausrüsters. Als Höfl-Riesch sie auf dieses Gerücht ansprach, lautete die knappe Antwort: „Blödsinn.“ Doch als Vonn kurz darauf nach dem Einfahren von der Freundin beim Schuhwechsel ertappt wird, eskaliert die Situation. „Da platzte mir einfach der Kragen, ein Wort ergab das andere. Lindsey meinte, ich hätte mich nicht dafür zu interessieren, welche Schuhe sie trage. Es sei schäbig von mir, sie deswegen zu attackieren“, so Maria Höfl-Riesch in ihrer Schilderung. „Ich versuchte, ihr zu erklären, dass es mir weniger um die Schuhe gehe als darum, dass sie mir nicht die Wahrheit gesagt hatte. Aber sie drehte sich einfach um und stapfte wütend davon. Ab da war Funkstille. Wir grüßten uns nicht einmal mehr, wenn wir uns über den Weg liefen.“

Erst durch Lindseys Trennung von ihrem Mann Thomas kommen sich die beiden Freundinnen wieder näher. „Nachdem Lindsey letzten November ihre Scheidung bekannt gegeben hatte, verabredete ich mich in Lake Louise mit ihr. Wir haben uns endlich einmal ausgesprochen, stundenlang. Da hatte ich erstmals seit langer Zeit das Gefühl, die alte Lindsey vor mir zu haben.“

Das Verhältnis von Vonn zu Julia Mancuso, ihrer US-Teamkollegin, ist auch angespannt. Die Gesamtweltcupsiegerin hat also nicht nur die eisigen und steilen Pisten als Gegner. Unlängst auch das Finanzamt: 1,7 Millionen Dollar musste sie nachzahlen.

„Manchmal fühle ich mich sehr einsam“, hat sie diesen Sommer in einem „News“-Interview erklärt. „Es ist für mich schwer, jemanden kennen zu lernen. Ich kann ja nicht einfach ausgehen und jemanden treffen. Männer sind schwierig. Ich verdiene viel Geld, das wollen manche nicht. Anderen gefällt es nicht, dass ich viel in den Medien bin. Das macht es schwierig, wieder eine Beziehung zu finden. Es ist schwieriger, als ich gedacht habe.“

Rekordjägerin

Im vergangenen Winter verpasste Lindsey Vonn nur knapp die Marke von 2000-Weltcup-Punkten, die bislang nur Hermann Maier (99/00) erreicht hatte. Zum vierten Sieg im Gesamtweltcup reichten der Amerikanerin aber auch 1980 Punkte locker. Damit ist sie immerhin Punkterekordhalterin bei den Damen.

Bei der Zahl der Gesamtweltcupsliegt nur noch die Österreicherin Annemarie Moser-Pröll (6) vor Vonn. Aktuell hält die Amerikanerin bei 53 Weltcupsiegen, nur Moser-Pröll (62) und Vreni Schneider (55) haben mehr.

Zudem holte die 28-Jährige zwölf kleine Kristallkugeln (5 x Abfahrt, 4x Super-G, 3 x Kombi), zweimal WM-Gold (2009 Super-G und Abfahrt) und einen Olympiasieg (Abfahrt 2010). Außerdem gehört Vonn zu den zehn Athleten, die Weltcuprennen in allen fünf Disziplinen gewonnen haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.10.2012)

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5 Kommentare

vonn ist echt ein wahnsinn!

ich hoffe dass ihr diesmal irgendwer einhalt gebieten kann
letztes jahr war das ja schon langweilig und irgendwie auch grausam, wie sie die österreichischen sportlerinnen deklassiert hat!

2 2

Ja, wenn es dem Esel zu gut geht...........

...........geht er aufs Eis tanzen.

und wieder

reißen die Besserwisser ihre Klappe auf.
Geschwätz, wie immer.

Gast: b745
20.10.2012 19:29
3 5

wieder nur eine pr kampagne von red bull

und alle machen gratis mit

3 0

Re: wieder nur eine pr kampagne von red bull

sehr lustig und wie immer liegen sie falsch

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