Ski alpin: Eine Gold-Hoffnung weniger

21.12.2012 | 18:40 |  von Wolfgang Wiederstein (Die Presse)

Die Befürchtungen haben sich bestätigt: Slalom-Weltmeisterin Marlies Schild fällt mit einem Innenbandriss für den Rest der Saison aus. Für den Österreichischen Ski-Verband ein schwerer Schlag.

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Wien/Innsbruck. Am Freitag in den Vormittagsstunden wurde es zur Gewissheit, bestätigten sich die Befürchtungen. Die Ski-Weltmeisterschaften in Schladming (4. bis 17. Februar) werden ohne Marlies Schild, der regierenden Titelträgerin im Damenslalom, stattfinden. Für die 31-jährige Salzburgerin ist die Saison vorzeitig vorbei, sie hat sich beim Trainingssturz in Åre einen Innenbandriss im rechten Knie zugezogen, fällt zumindest für drei Monate aus. Für den Österreichischen Ski-Verband ein schwerer Schlag. „Das ist ein Schock für uns“, sagt etwa ÖSV-Sportdirektor Hans Pum.

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Marlies Schild hätte bei der WM sicher zu den Medaillenkandidaten gezählt, sie war in den vergangenen Jahren die klare Nummer eins, nicht nur im rot-weiß-roten Team. Sie hat im Torlauf so gut wie alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt, nur der Olympiasieg, der fehlt noch. Zwei Mal Silber und ein Mal Bronze – das sollte noch der nötige Anreiz für die Winterspiele in Sotschi 2014 sein. Auch den Rekord von Vreni Schneider (34 Slalomsiege), der Schweizer Allzeitgröße, gilt es noch zu schlagen. In den bisherigen Rennen hat es dazu nicht gereicht. Die Form, so wird in Trainerkreisen behauptet, sei ganz auf Jänner und Februar ausgerichtet gewesen.

Der Skiverband ist es beinahe schon gewohnt, ausgerechnet in Saisonen mit Großereignissen mit schmerzhaften Ausfällen kämpfen zu müssen. Vor Garmisch-Partenkirchen 2011 war das nicht anders. Bei Olympia in Vancouver war das mit ein Grund, warum die Herrenmannschaft ohne Edelmetall geblieben ist. „Die Marlies“, so Hans Pum, „war die beständigste und stärkste Slalomläuferin – sie wird uns natürlich fehlen.“ Kompensieren könne man so etwas nicht.

Marlies Schild, die zu Saisonbeginn das Gletscherrennen in Sölden ausgelassen hat, war nicht ganz fit nach Åre gereist. Zwei Handicaps galt es zu überwinden: Rückenschmerzen, wie bei so vielen anderen Slalom-Spezialistinnen auch. Und eine schleichende Grippeerkrankung. Auf den Riesentorlauf in Schweden verzichtete die 31-Jährige freiwillig, sie wollte sich ganz auf den Torlauf konzentrieren. Bei der letzten Überprüfung der körperlichen Verfassung, dem sogenannten Einfahren, passierte dann das Missgeschick. Sie kam schwer zu Sturz, Knieverletzung hieß auch schon die erste Diagnose.

 

Schraube, Schiene, Therapie

Marlies Schild wurde im Innsbrucker Sanatorium von Gernot Sperner und Karl Golser operiert. Auf konservativem Weg sei keine stabile Ausheilung zu erwarten gewesen. Das Band wurde daher genäht und mit einer Schraube fixiert. Für sechs Wochen wurde der Sportlerin des Jahres eine Schiene verpasst, mit der Therapie könnte in vier Wochen begonnen werden.

Wie beschwerlich es ist, sich wieder an die Weltspitze zurückzukämpfen, das weiß die Saalfeldenerin nur allzu gut. Bereits mehrmals musste man ihr die Bänder im Knie wieder zusammenflicken, zum ersten Mal im Alter von 19 Jahren. Marlies Schild, die zum Teil sogar alle Disziplinen bestritten hat (Abfahrtszweite in Aspen und Lenzerheide 2007, Zweite im Super-G in Lenzerheide 2005), kehrte zuletzt aber wieder zu ihren Wurzeln zurück. Als sie sich im Oktober 2008 im Training in Sölden einen komplizierten Trümmerbruch im Schien- und Wadenbein zuzog, stand sogar die Karriere auf der Kippe.

Aber nach nur einem Jahr war das Comeback geglückt – mit einem umjubelten Heimsieg in Lienz. Auch Ende Dezember 2013 stehen wieder Rennen in Lienz auf dem Programm. Ideal, um Schneiders Bestmarke zu egalisieren.

Slalom Åre: 1. Shiffrin (USA) 1:45,36 2. Hansdotter (SWE) +0,29 3. Maze (SLO) +0,52 4. Pietilä-Holmner (SWE) +1,21 5. Mielzynski (CAN) +1,35 6. Eklund (SWE) +1,39 7. Zuzulova (SVK) +1,54 8. Poutiainen (FIN) +1,76 9. Kirchgasser (AUT) +1,83 10. Holdener (SUI) +1,92 16. Hosp (AUT) +3,28.

Auf einen Blick

Trotz des Ausfalls der verletzten Slalom-Titelverteidigerin Marlies Schild hoffen die Veranstalter der kommenden Damen-Weltcuprennen auf dem Semmering (28./29. Dezember) auf Rekordbesuch. Lokalmatadorin Kathrin Zettel, Überfliegerin Tina Maze, aber auch US-„Wunderkind“ Mikaela Shiffrin sollen 25.000 Zuschauer in den vergrößerten Zielbereich bringen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.12.2012)

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