Herbert Mandl: "Eine Maze haben wir einfach nicht"

27.12.2012 | 18:20 |  CHRISTOPH GASTINGER (Die Presse)

Österreichs Damen-Cheftrainer Herbert Mandl sorgt sich im Interview mit der "Presse" vor den Weltcuprennen am Semmering um Gegenwärtiges und Zukünftiges. Lindsey Vonn stärkt er den Rücken.

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Die Presse: Nach der Verletzung von Marlies Schild verfügt das Damenteam mit Kathrin Zettel und Anna Fenninger aktuell nur noch über zwei Siegläuferinnen. In 38 Tagen beginnt die WM in Schladming. Befürchten Sie ein böses Erwachen?

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Herbert Mandl: Ganz ehrlich? Ich erwarte mir, dass wir in jedem Rennen um die Medaillen mitfahren. Das muss bei einer Heim-WM unser Anspruch sein. Wenn unsere Läuferinnen körperlich auf der Höhe sind, bin ich diesbezüglich sehr optimistisch. Gold darf man sich wünschen, darüber entscheidet aber letztlich die Tagesform. Eines ist jedoch klar: Mit dem Ausfall von Marlies Schild verliert das gesamte Team an Siegpotenzial. Sie ist nicht zu ersetzen. Wir können nur versuchen, ihr Fehlen bestmöglich zu kompensieren.

Die Tickets für die WM werden ÖSV-intern regelrecht verschenkt. Kaum jemand drängt sich auf.

Es gibt keinen wirklichen Qualifikationsdruck – und das erachte ich als absolut negativ. Wir haben als Titelverteidiger in vier von fünf Rennen einen zusätzlichen Startplatz. Einzig im Riesentorlauf, wo wir einen weiteren noch am nötigsten hätten, können wir „nur“ vier Damen ins Rennen schicken.

Es gibt etliche Sorgenkinder. Da wäre etwa Elisabeth Görgl, die amtierende Weltmeisterin in Abfahrt und Super-G.

Sie ist leider nicht dort, wo sie sein sollte, plagt sich immer noch mit Knieschmerzen herum. Wer die „Lizz“ kennt, der weiß, dass sie solche Probleme auch mental stark beschäftigen. In den Speedbewerben geht uns eine Läuferin ihres Formats gewaltig ab. Aber ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sie sich bis zur WM fängt. Andrea Fischbacher ist auch so ein Fall. Sie plagt sich schon lange Zeit mit kleineren Verletzungen herum, kann heute gar nicht an den Start gehen. Auch sie findet derzeit keinen Weg aus der Krise.

Nicole Hosp, ehemalige Weltmeisterin und Gesamtweltcup-Siegerin, bereitet ebenso Kopfzerbrechen.

Ansatzweise lässt sich erahnen, dass sie im Slalom das Potenzial dazu hätte, in die Top Ten zu fahren. Aber beim Rennen fährt im Kopf schon die Angst mit, bei einem weiteren Ausfall aus der Startgruppe der Top 30 zu fallen. Von den Podiumsrängen ist sie fahrerisch momentan ganz weit entfernt.

 

Machen Sie uns ein wenig Hoffnung: Wird die Zukunft besser?

Das sehe ich momentan nicht so. Im Europacup haben wir bei den Jungen – wie schon im letzten Jahr – speziell in den technischen Disziplinen noch immer großen Aufholbedarf, die guten Slalomfahrerinnen in spe haben wir nicht. Das macht mir eigentlich am allermeisten Sorgen.

Tina Maze dominiert die Saison bislang nach Belieben, könnte zum großen WM-Star aufsteigen. Sind Sie überrascht von ihrem Leistungsvermögen?

Absolut nicht. Technisch war sie immer schon eine der Besten, über die letzten Jahre ist sie gereift und mittlerweile eine komplette Fahrerin. Maze wird in den kommenden Jahren nur schwer zu schlagen sein. Solch eine Läuferin, die in vier Disziplinen gewinnen kann, haben wir einfach nicht. Insofern kann der Gesamtweltcup leider auch kein realistisches Ziel sein.

Lindsey Vonn hat sich selbst eine Auszeit verordnet, braucht mentale Erholung. Genießt die US-Amerikanerin bei Ihnen noch volle Glaubwürdigkeit?

Mit ihren Aussagen ist nicht zu scherzen. Ich halte es für sehr realistisch, dass Vonn tatsächlich ein Burn-out hat. Nur: Dieses Thema ist im Ski-Weltcup noch nicht angekommen, obwohl es in anderen Berufen voll akzeptiert ist.

Über Ihren möglichen Abgang nach Saisonende wird offen diskutiert. Reift in Ihnen schon eine Entscheidung?

Nein, noch ist alles offen. Nach der WM werde ich Zeit dafür finden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.12.2012)

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