Kostelić braucht keine Extramotivation

05.01.2013 | 18:13 |  von wolfgang wiederstein (Die Presse)

Der Kroate Ivica Kostelić war in der Vergangenheit ein echter Spezialist für die Slalomklassiker. Aber der 33-Jährige zeigt immer öfter Abnützungserscheinungen.

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In einem Monat sind die alpinen Skiweltmeisterschaften in Schladming bereits eröffnet, schön langsam wächst der Qualifikationsdruck. Ein rot-weiß-rotes Herrenteam, das im Ennstal auf Medaillenjagd gehen soll, zeichnet sich noch nicht wirklich ab: So breit aufgestellt, wie man das gern wäre, ist man nicht. In diesem Zusammenhang sei in Erinnerung gerufen, dass das ÖSV-Team der Herren bei Olympia in Vancouver leer ausgegangen ist. In Garmisch-Partenkirchen wiederum hat es kein WM-Gold zu feiern gegeben. Das Maximalkontingent beträgt 24 Rennläufer(innen) pro Nation, aber höchstens 14 pro Geschlecht.

Einer, der sein WM-Ticket fix in der Tasche hat, ist Marcel Hirscher. Der Salzburger, der im Vorjahr in Schladming nach dramatischen Renntagen die große Kristallkugel erobert hat, wird sich seine Kräfte bis WM-Beginn (ab 4.Februar) gut einteilen müssen. Aber jetzt geht es im Weltcup Schlag auf Schlag, im Jänner ist Klassiker-Time angesagt, vor allem, was den Slalom betrifft. Am heutigen Sonntag sind in Zagreb die Herren am Zug, dann folgen Adelboden, Wengen, Kitzbühel und Moskau – nach München die zweite Station in einer Großstadt, die erobert und von den alpinen Artisten werden soll.

Hirscher hat gute Erinnerungen an Zagreb, im Vorjahr hat er dort gewonnen. „Zagreb ist ein verdammt cooles Rennen“, sagt er nach den Trainingstagen in der Gaal bei Knittelfeld. „Die Stimmung dort ist immer sensationell, so etwas taugt mir.“ Das spornt einen Hirscher erst so richtig an, auch wenn die Kroaten natürlich in erster Linie wegen Ivica Kostelić auf den Hausberg kommen. Das Ski-Idol aber konnte das Heimrennen noch nie gewinnen, dreimal war er Zweiter, einmal Dritter. Ein Triumph heute wäre allerdings eine riesige Überraschung, der 33-jährige Allrounder ist in diesem Winter noch nicht so richtig in Schwung gekommen.

Kostelić tut sich mittlerweile schwer, mit der absoluten Weltspitze Schritt zu halten. Sein Körper hat schon viel mitgemacht, dazu kommt eine Vielzahl an Verletzungen. In Val d'Isere wurden die Knieschmerzen so arg, dass er abbrechen musste. „Er konnte nur weniger trainieren als normal“, sagt Alpinchef Vedran Pavlek. „Da ist es normal, dass man ein wenig seine Form verliert.“ In München aber hat es beim Parallel-Event immerhin für Rang fünf gereicht. In Levi beispielsweise war er Achter. Aber vielleicht motiviert ihn auch die Erinnerung ans Vorjahr, da war Ivica Kostelić im Jänner eine einsame Größe. „Vielleicht ist es sogar besser, dass er nicht als Topfavorit gilt“, so Pavlek. „Einen Ivica braucht niemand zu motivieren. Weder in Zagreb, noch bei den Klassikern, die noch kommen.“

Köpfler von Neureuther.
Die Österreicher haben zuletzt mit den Deutschen trainiert. Felix Neureuther, der München-Triumphator, hat dabei einen Köpfler produziert. Der Sturz hat spektakulär ausgesehen, aber letztlich noch halbwegs glimpflich geendet. Als Erinnerung daran bleiben Prellungen, heute heißt es für den Bayern, die Zähne zusammenzubeißen. Marcel Hirscher hingegen konnte die Zeit nützen, um sein Material auf den Kunstschnee abzustimmen. Das hat er auch schon im Vorjahr in der Gaal so gemacht. Der Salzburger hat eine breite Brust, für ihn gibt es nur volle Attacke. In den bisherigen Saisonslaloms war er einmal Schnellster, zweimal Zweiter, einmal Dritter.

Die übrigen österreichischen Torlaufspezialisten müssen in den kommenden Rennen beweisen, dass ihnen Hirscher nicht enteilt. Reinfried Herbst glaubt, dass seine Formkurve nach oben zeigt, Benjamin Raich hofft auf eine sportliche Auferstehung. Manfred Pranger hingegen hat mit weichen Pisten oft Probleme. Einen Mario Matt darf man jedoch nie abschreiben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.01.2013)

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