Perfekte Allrounderin - Sieg für die Ewigkeit

Die Slowenin Tina Maze gewann in St. Anton erstmals einen Super-G und gehört fortan zum elitären Kreis jener sechs Läuferinnen, die in allen Disziplinen gewinnen konnten. Anna Fenninger wurde knapp hinter Maze Zweite.

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(c) GEPA pictures (GEPA pictures Florian Ertl)

St. anton. Den heimischen Fans auf der gut gefüllten Haupttribüne schlief schlagartig das Gesicht ein. Anna Fenninger war „kurz verärgert“. Nach Sekunden der allgemeinen Verwunderung erntete Tina Maze dann doch noch ihren verdienten Applaus. Vier Hundertstel schneller als Fenninger war die Slowenin den Super-G auf der „Karl Schranz“-Piste heruntergerast. Eigentlich hatte dies niemand mehr für möglich gehalten.

Der Salzburgerin, am Vortag Dritte in der Abfahrt, war ein Traumlauf geglückt. Die unmittelbar vor ihr gestartete Lindsey Vonn hatte Fenninger um 0,96 Sekunden distanziert. „Ich habe schon gedacht, dass es jetzt mit dem ersten Super-G-Sieg klappen könnte“, sagte die 23-Jährige, die auf dem steilen und von schnellen Kurven geprägten Hang ihr gesamtes Können ausspielen konnte. Dass es letztlich zum vierten Mal „nur“ zu Rang zwei reichte, „ist eben Pech“. Einen solch knappen Rückstand müsse man im Videostudium gar nicht erst suchen, meinte Fenninger, er könne letztlich „bei jedem Tor“ zu finden sein.

 

Maze: „Es ist unglaublich“

Doch Fenninger war vor der Kulisse von 6800 Zuschauern nicht die einzige Läuferin, die Außergewöhnliches in den Tiroler Schnee zauberte. Maze, seit Saisonbeginn in Überform, mutierte für Rot-Weiß-Rot zum wiederholten Male in diesem Winter zur Spielverderberin. Sie sprang grinsend durch den Zielraum, teilte ihre Freude mit Kolleginnen und Trainern.

Ihr 17. Weltcupsieg war schließlich etwas ganz Besonderes. Maze zählt nach ihrem allerersten Super-G-Erfolg zu einer exklusiven Auswahl von nun sechs Läuferinnen, die in fünf Disziplinen Weltcupsiege vorzuweisen haben. Neben der 29-Jährigen war dieses Kunststück zuvor nur Pernilla Wiberg (SWE), Anja Pärson (SWE), Lindsey Vonn (USA), Petra Kronberger (AUT) und Janica Kostelić (CRO) gelungen.

Maze, die für gewöhnlich nur ungern und zugleich selten Emotionen zeigt, kämpfte mit Tränen der Rührung. „Es ist unglaublich, dafür gibt es eigentlich keine Worte“, stotterte sie vor sich hin. Teil dieser kleinen und so erfolgreichen Gruppe zu sein mache sie „wahnsinnig stolz.“ Maze hatte lange auf dieses Ziel hingearbeitet, der Ehrgeiz trieb sie stets voran. „Ich wollte dieses Ziel unbedingt erreichen, wusste, dass es in dieser Saison klappen kann.“

Die großen Vorhaben der Tina M. sind damit allerdings noch lange nicht beendet. Die 2000-Punkte-Marke im Gesamtweltcup, bislang nur von Hermann Maier in der Saison 1999/2000 geknackt, hat sie stets vor Augen. Nach 20 von 36 Bewerben hält sie bei 1289 Zählern, ist damit voll auf Kurs.

„Wenn ich so weiter mache, sind die 2000 Punkte absolut realistisch“, meinte Maze, aus der das Selbstvertrauen von 13 Saison-Podestplätzen spricht. Die Konkurrenz hat die Einzelkämpferin nicht erst in St. Anton zum kollektiven Staunen gebracht. Fenninger verbeugte sich vor den Leistungen der Weltcup-Dominatorin. „In allen Disziplinen gewonnen zu haben, ist eine sehr große Sache. Für mich fühlt sich das sehr weit weg an.“

Ergebnisse: 1. Tina Maze (SLO) 1:16,55 2. Anna Fenninger (AUT) +0,04 3. Fabienne Suter (SUI) +0,99 4. Lindsey Vonn (USA) +1,00 5. Maria Höfl-Riesch (GER) +1,09 6. Julia Mancuso (USA) +1,20 7. Lara Gut (SUI) +1,26 8. Viktoria Rebensburg (GER) +1,30 9. Fränzi Aufdenblatten (SUI) +1,49 10. Andrea Fischbacher (AUT) +1,52 14. Elisabeth Görgl (AUT) +1,94 16. Stefanie Köhle (AUT) +2,06 18. Nicole Schmidhofer (AUT) +2,50.

Gesamtweltcup: 1. Tina Maze (SLO) 1289 2. Maria Höfl-Riesch (GER) 744 3. Kathrin Zettel (AUT) 597.

Super-G: 1. Vonn (USA) 250 2. Maze (SLO) 230.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2013)

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