Österreich vor Kurskorrektur auf dem Schanzentisch

13.01.2013 | 18:45 |   (Die Presse)

Das anhaltende Formtief der ÖSV-Adler und der verletzungsbedingte Ausfall von Daniela Iraschko trüben die Aussichten vor der nordischen WM in Val di Fiemme. Medaillenhoffnungen trägt nur noch Gregor Schlierenzauer.

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Rum/Zakopane/Da. Österreichs Skispringern droht bei der nordischen WM in Val di Fiemme (ab 20.Februar) ein böses Erwachen. Seit der Vierschanzentournee ist offenkundig, dass bis auf den Stubaier Gregor Schlierenzauer kein weiterer ÖSV-Adler mehr an seine gewohnte Form herankommen wird. Und mit der schweren Knieverletzung von Daniela Iraschko kam dem ÖSV nun ein weiterer Medaillengarant für die WM abhanden. Die Weltmeisterin von Oslo fällt für sieben Wochen aus.

Das Weltcup-Wochenende in Zakopane lieferte keine Ergebnisse, die auf eine Verbesserung dieser Situation würden schließen lassen – im Gegenteil. Erneut schaffte nur der erst am Freitag von einer Grippe genesene Schlierenzauer den Sprung in die Top Ten, er wurde am Samstag Achter. Der Rest? Kofler verpasste die Finalteilnahme, Loitzl wurde 25., Morgenstern 27. Es ist alarmierend, wenn der 19-jährige Stefan Kraft – sein Talent ist unbestritten – bei seinem erst dritten Weltcupspringen zweitbester Österreicher wird. Den Tagessieg sicherte sich der Norweger Anders Jacobsen mit Sprüngen auf 128,5 und 131,5 Meter.

Cheftrainer Alexander Pointner ist sich der kniffligen Situation bewusst. Skispringer sind sensible Wesen, die Ursachen für das Formtief sind verstärkt in der Psyche zu finden. Kofler hat weiterhin die Disqualifikation von Oberstdorf nicht „verdaut“, Morgenstern ist als Jungvater weiterhin nicht mit dem Kopf bei der Schanze. Loitzl fehlen Kraft und Meter. „Wir analysieren“, sagte Pointner in Zakopane knapp. Wer nun die Reise zum Weltcup in Sapporo antreten wird, ist offen. „Japan-Fan“ Morgenstern winkte bereits freiwillig ab, Schlierenzauer wolle sich erst heute entscheiden. Wichtige Punkte würden im Kampf um den Gesamtweltcup gegen die Norweger Anders Bardal und Jacobsen warten. Auch der Rekord von 46 Siegen scheint möglich – nur ist das die Strapazen angesichts der nahenden Weltmeisterschaft wert?

 

Kreuzband- und Meniskusriss

Die Verletzung der Steirerin Daniela Iraschko gleicht hingegen einer Hiobsbotschaft. Bei ihrem Sturz am Samstag in Hinterzarten hatte das linke Knie nachgegeben, und die kurz aufflackernde Hoffnung auf eine harmlose Verletzung wurde am Sonntag jäh zerstört. Die MRI-Untersuchung in der Privatklinik Hochrum brachte eine bittere Diagnose: Kreuzband- und Meniskusriss. Iraschko wurde noch am Sonntag operiert, Christian Hoser entdeckte bei dem Eingriff auch Risse des Außen- und Innenbandes. Er sagt: „Einem Antreten – in der nächsten Saison – steht aus medizinischer Sicht nichts entgegen.“

Diese Nachricht trübte die Stimmung von Cheftrainer Harald Rodlauer. Schnell war seine Freude über den erneuten, dritten Platz von Jacqueline Seifriedsberger in Hinterzarten verflogen. „Es ist für sie auch eine neue Situation“, sagte Rodlauer, der für die WM nun im Nachwuchs nach Ersatz suchen muss. Für den Mixed-Bewerb bei der WM sind je zwei Teams (ein Mann, eine Frau) pro Nation startberechtigt. Ohne Daniela Iraschko werde es aber schwerer, so Rodlauer. Zwei weitere, sicher geglaubte Medaillenträume sind geplatzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2013)

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