Und Hirscher ist doch nicht unschlagbar

Der Deutsche Felix Neureuther beendete in Wengen die Slalom-Siegesserie von ÖSV-Ass Marcel Hirscher. Der Salzburger mimte den rot-weiß-roten Alleinunterhalter, das WM-Team gewinnt dennoch Kontur.

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Wengen/Wien. „Passt. Perfekt.“ Marcel Hirscher ist zwar ein Siegertyp, kann jedoch auch mit zweiten Plätzen sehr gut leben, wenn es die Umstände verlangen. Der Klassiker von Wengen barg viele Tücken in sich, der weiche Untergrund machte Slalomfahren in Perfektion, eigentlich Hirschers Paradedisziplin, praktisch unmöglich. Dass der Salzburger keine makellosen Läufe abliefern muss und dennoch der Schnellste im Stangenwald ist, ließ die Konkurrenz zuletzt schier verzweifeln.

Die Bewerbe in Madonna, Zagreb und Adelboden hatte der Salzburger allesamt gewonnen, auch nach dem ersten Durchgang in Wengen deutete vieles auf einen weiteren Erfolg des Gesamtweltcup-Führenden hin. Trotz eines schweren Fehlers leuchtete zur Halbzeit die Eins auf.

Im zweiten Durchgang zündete allerdings nicht, wie von vielen erwartet, Hirscher ein Feuerwerk: Felix Neureuther hatte es sich zur Aufgabe gemacht, den 23-Jährigen vom obersten Podest zu stoßen. „Ich bin clever gefahren, habe an den richtigen Stellen Gas gegeben“, kommentierte der Deutsche seine Siegfahrt trocken, um schließlich doch emotional zu werden. „Es macht mich stolz, nach Kitzbühel, Garmisch und München auch hier gewonnen zu haben“, sagte Neureuther, dessen Vater Christian, 63, ebenfalls in Wengen gewonnen hatte. Der Bayer hat in der Schweiz die Vorherrschaft Hirschers zumindest vorübergehend beendet. „Es macht mich stolz, Marcel heute geschlagen zu haben. Es ist für den Rest der Welt schon auch eine Genugtuung, wenn man sieht, dass er doch noch zu schlagen ist.“

 

Länderkampf zwischen den Toren

Hirscher trauerte dem Sieg äußerlich keine Sekunde nach. Mit Neureuther hatte ein Trainingskollege und guter Freund seine Siegesserie beendet. „Es ist schwer, mit Felix mitzuhalten, wenn er so einen Lauf wie im zweiten Durchgang erwischt“, betonte der Draufgänger aus Annaberg, der im 28-Jährigen seinen ersten und stärksten Herausforderer im Slalomweltcup gefunden hat.

Vor dem Spektakel auf dem Kitzbüheler Ganslernhang nächsten Sonntag trennen die beiden Kontrahenten 114 Punkte.

Hirscher mutierte in Wengen zum wiederholten Male zum Alleinunterhalter im ÖSV-Team. Mario Matt klassierte sich als zweitbester Österreicher auf Rang zwölf. Auch die Vorstellungen von Reinfried Herbst (15.), Manfred Pranger (16.) und Benjamin Raich (18.) verliefen enttäuschend. Im Kampf um die WM-Tickets befinden sich neben den gesetzten Hirscher und Matt auch Pranger und Herbst auf der Poleposition. Raich benötigt in Kitzbühel einen Podestplatz, um noch Thema zu werden.

Slalom in Wengen

1. Neureuther (GER) 1:50,53 2. Hirscher (AUT) +0,2 3. Kostelić (CRO) +0,25 4.Mölgg (ITA) +0,46 5.Gross (ITA) +0,62 6. Dopfer (GER) +0,66 7.Razzoli (ITA) +1,04 8.Hargin (SWE) +1,10 9.Baeck (SWE) +1,11 9. Larsson (SWE) +1,11.
Slalomweltcup: 1. Hirscher 600 Punkte 2. Neureuther 486 3. Myhrer (SWE) 330.
Gesamtweltcup: 1.
Hirscher 935 2. Svindal (NOR) 747 3. Ligety (USA) 696.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2013)

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