Schmid: „Capitals sind in Wien ein Begriff geworden“

27.03.2013 | 18:16 |  MARKKU DATLER (Die Presse)

Capitals-Präsident Hans Schmid ist vom Erfolgsweg seines Eishockey-Vereins überzeugt. Erstmals seit 2005 steht der Klub wieder im Finale, der Kärntner spricht über KAC, schwedische Trainingslehre und Personalrochaden.

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Die Presse: Herr Schmid, die Vienna Capitals stehen erstmals seit 2005 wieder im Finale...

Hans Schmid: ...ich sage es gleich: Ich habe meine Ziele mit den Vienna Capitals in dieser Saison schon erreicht. Ich bin zufrieden, als Geschäftsmann und auch als Fan. Wir haben einen Zuschauerschnitt von 5500, das ist für mich ein Wahnsinn. Der Verein steht im Finale, ja, wir spielen wie schon 2005 erneut gegen den KAC. Als Kärntner stimmt mich das natürlich besonders froh. Das wollte ich erreichen, besser geht's nicht.

 

Die Vienna Capitals könnten doch auch noch Meister werden.

Natürlich! Aber ich will nichts verschreien, es ist alles möglich. Wir haben Heimvorteil, also mehr Heimspiele in der Best-of-7-Serie. Noch einmal, besser geht's nicht.

Was ist der Auslöser für den Erfolgslauf Ihres Klubs in dieser Saison?

Tommy Samuelsson, unser Trainer. Das steht für mich fest. Er achtet auf Nachhaltigkeit, agiert besonnen und hat eine homogene Mannschaft auf die Beine gestellt. Wir haben zwei starke Torhüter, das ist wichtig, sollte einer einen schlechten Tag erwischen. Das Risiko, erneut mit schwachen Keepern zu spielen, können wir gegenüber unseren Fans und Sponsoren nicht verantworten. Unsere Abwehr ist das große Plus, da hat Samuelsson sich wirklich etwas überlegt. Und: Er setzt vier Linien ein, setzt junge Spieler ein und verheizt trotzdem kein Talent.

 

In der Vergangenheit hatten Ihren Spieler in den Play-offs stets keine Kraft oder Luft mehr, weil sie im fast bedeutungslosen Grunddurchgang alles gewinnen mussten. Wurde diese Zielsetzung geändert?

Sie mussten nicht gewinnen, sondern der jeweilige Trainer wollte es immer so. Da lege ich gesondert Wert drauf: Ich habe mich nie in das sportliche Geschehen eingemischt. Ich bekomme Vorschläge, Kaderlisten etc. Und dann sehe ich zu und reagiere nur im Notfall. Aber es stimmt, in den vergangenen acht Jahren, seit dem Titelgewinn, hatten wir in den Play-offs keine Kraft mehr. Darum hatte ich gegen Salzburg oft ein mulmiges Gefühl. Samuelsson wollte gar nicht jedes Spiel in dieser Saison gewinnen, sondern hat auch vieles ausprobiert. Er hat es allen Kritikern gezeigt und ich hoffe sehr, dass er den ersten Satz seiner Antrittsrede erfüllt: „Ich will das letzte Spiel gewinnen!“

Was hat sich seit dem Titelgewinn 2005 für die Capitals, für das Eishockey in Wien geändert?

Wir haben eine tolle, moderne Arena, in der Zuschauer gern Sport sehen wollen. Das ist der größte Baustein unseres Erfolges. Jetzt kommen zu Spielen ganze Familien, sehr viele Frauen – und Kinder. Darauf achten wir auch intern im Klub: Die Nachwuchsarbeit musste verbessert werden, sie funktioniert nun perfekt, denke ich. Ich persönlich habe viel über Menschen, deren Charaktere und Ziele gelernt. Wenn Erfolg da ist, wird man allerorts gegrüßt und beglückwünscht, sogar auf offener Straße. Passt es nicht, sind oft nur noch eingefleischte Fans dabei. Die Capitals sind in Wien aber ein Begriff geworden.

Es gab aber auch immer wieder Rückschläge und Enttäuschungen.

Ja, natürlich. Vor allem im Vorjahr, da hatten wir wirkliche Eishockey-Touristen engagiert. Sie machten schlechte Stimmung in der Mannschaft. Das passiert uns nicht mehr, die Zusammenarbeit von Trainer Samuelsson, Scout Bernd Freimüller und Manager Franz Kalla ist sehr gut. Es gibt keine Störenfriede mehr.

Verwundert es Sie als Geschäftsmann, dass die Fluktuation im Eishockey so extrem hoch ist? Von der Meistermannschaft ist mit Philip Lakos nur noch ein Spieler von damals dabei.

Nein. Das ist der Preis des Erfolgs! Jeder Meister muss mit dem Los fertig werden, dass mit dem letzten Finalspiel das Feilschen um Spieler beginnt. Teilweise wurde damals, und wird auch heute noch, mit utopischen Summen hantiert. Da machen wir nicht mit, also haben uns viele Spieler auch schnell wieder verlassen. Mich irritiert das aber überhaupt nicht, ich bin in diesem Punkt vollkommen relaxed. Wien ist wieder im Finale, die Capitals sind ein Erfolgsprojekt. Es wird immer ein Kommen und Gehen bleiben.

Zur Person

Hans Schmid (* 2. Juni 1940 in Villach) ist Unternehmer, Werbefachmann, Winzer und Eigentümer des Wiener Kaufhauses Steffl. Seit 2001 ist er auch Präsident des Eishockey-Vereins Vienna Capitals. Acht Jahre nach dem ersten Titelgewinn (2005) stehen die Capitals wieder im Endspiel und treffen ab heute (20.30 Uhr) in einer Best-of-7-Serie auf den KAC.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.03.2013)

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1 Kommentare

die mannschaft wird eni begriff

mit ziemlicher sicherheit wird jede mannschaft in einer populären sportart (-fußball) der mann/frau seitens der stadt ein 40 millionen teure sportanlage schenkt und weitere 10 millionen dazu zu einem begriff in wien.
es fragt sich nur zu welchem???

schade auch um die 50 anderen sportvereine und ihre sportler, die dafür aus ihrer langjährigen sportstätte rausgeflogen sind.


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