Eishockey: Schwedisches Catenaccio auf Eis

29.03.2013 | 18:33 |  MARKKU DATLER (Die Presse)

KAC-Trainer Christer Olsson legt gesondert Augenmerk auf die solide Abwehrarbeit. Beim 1:0-Sieg gegen die von Tommy Samuelsson betreuten Capitals war das ausschlaggebend.

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Wien. 300 aus Klagenfurt angereiste Eishockey-Fans machten gehörig Stimmung. „Wer nicht springt, der ist einer Wiener“, hallte es aus dem oberen Rang. „KAC, KAC!“ Der rot-weiß gefärbte Fansektor dominierte das Geschehen in der mit 7000 Zuschauern ausverkauften Schulz-Halle, zu laut und zu wortstark setzten sich die Kärntner in Szene. Nicht nur die Vienna Capitals hatten also das Nachsehen im ersten Finalspiel der Erste-Bank-Liga, auch ihre Anhänger. Der 1:0-Sieg des KAC drückte allen schwer auf das Gemüt.

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Zurück blieben geplatzte Hoffnungen und der Wunsch, so wie 2005 in der Finalserie wieder die Wende zu schaffen. Damals hatte KAC auch mit einem Sieg in Wien begonnen, die Wiener krönten sich im siebenten Spiel zum Meister.

Doch in dieser Form, vor allem mit so einem beweglichen Torhüter wie Rene Swette, ist der KAC im Vorteil. Ihm gelang, was seinen Kollegen seit acht Jahren nicht mehr gelungen war: ein „Shutout“ in Kagran. Seit dem 0:5 im dritten Finalspiel 2005 gegen den KAC hatten die Caps in 243 Heimspielen zumindest ein Tor erzielt...

 

Capitals: Zaghaft, mitunter sanft

Ein simpler Weitschuss von Martin Schumnig bedeutete die Entscheidung in einem Spiel, das von Vorsicht und einem selten so abwartenden Abwehrverhalten beider Klubs geprägt war. Es mutete phasenweise als Catenaccio auf Eis an.

Dessen war sich KAC-Trainer Christer Olsson bewusst. Er sagt: „Ich bin sehr stolz, wie wir gekämpft haben. Wir müssen in unserer Defensivzone sehr gut spielen, das haben wir gemacht.“ Vor allem das „Penalty-Killing“ – die zaghaft agierenden Capitals ließen sechs Power-Play-Situationen ungenützt – schien nahezu perfekt einstudiert. Den Rest, in gezählter Form waren es 37 Torschüsse, übernahm Torhüter Swette. Olsson: „Er war wirklich sehr gut.“

Olsson, 42, der als Aktiver auch in der National Hockey League für St.Louis und Ottawa gespielt hat, trat seinen Job als KAC-Trainer erst vor wenigen Monaten an. Nach Runde 35 hatte die Chefetage von der Mittelmäßigkeit unter der Führung des Schweizers Christian Weber genug, und Ko-Trainer Olsson wurde befördert. Seitdem läuft es bei den Rotjacken wieder mit „Dampf“, berichten langjährige Beobachter über das Treiben in ihrer ehrwürdigen Messehalle.

Auch das Mitwirken von Dieter Kalt als Assistent soll Veränderungen bei der Arbeitseinstellung einiger Spieler bewirkt haben. Er lasse sich nichts „einedrucken“, er kenne doch im Vergleich zu Weber jeden Spielerschmäh – auf und abseits der Eisfläche. Wer weiß, vielleicht ist Kalt nun auch für den finalen Tipp verantwortlich. Immerhin war er Teil der Capitals-Meistermannschaft von 2005. „Wenn du gegen die Capitals auswärts startest, musst du aufpassen, was im eigenen Drittel passiert“, sagt der ehemalige Stürmer. „Das haben wir gemacht. Aber es war – wie immer – nur der Anfang.“

Für Klagenfurter sei Eishockey eine Religion, wird in Mythen das Naheverhältnis zum Puck überliefert. Schon im Hochsommer würden KAC-Fans wissen wollen, wer denn das Eistraining aufgenommen habe. Nach zwei verlorenen Endspielserien, 2011 gegen Salzburg und im Vorjahr gegen Linz, ist das Interesse an den Rotjacken paradoxerweise noch stärker geworden. Es ist das unstillbare Verlangen nach der 30.Titelfeier, das Spieler und Anhang zusammenhalten lässt. „Mission 30“ haben sie dieses Vorhaben getauft. Dazu passt, dass das zweite Spiel am Ostersonntag in Klagenfurts Messehalle stattfindet.

Eishockey-Finalserie 2013

1. Finalspiel, Best-of-7: Vienna Capitals – KAC 0:1 (0:0, 0:1, 0:0). 7000. Tor: Schumnig (34.).

Weitere Termine: Sonntag, 17.45 Uhr in Klagenfurt, Dienstag, (20.30 Uhr) in Wien.

Auf einen Blick

KAC gewann das erste Finalspiel der Best-of-7-Serie gegen die Vienna Capitals. Ein Weitschuss von Martin Schumnig bedeutete den 1:0-Endstand in Wien.
Am Ostersonntag
steigt der zweite Schlagabtausch in der Klagenfurter Messehalle (17.45 Uhr).
KAC ist Rekordmeister und spielt um den 30. Titel.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.03.2013)

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