DiePresse.com

DiePresse.com | Sport | Wintersport | Artikel DruckenArtikel drucken


Ski-WM: Erster Tag - erste Medaille für Österreich

03.02.2009 | 17:58 |  (Die Presse)

Lindsey Vonn (USA) gewann im ersten WM-Rennen von Val d'Isère ihren ersten Titel. Ihr Management war vorbereitet und hatte für sie vorab spezielle Autogrammkarten drucken lassen. Andrea Fischbacher gewann Bronze.

VAL D'ISERE (fs/fin). Sie schrie vor Freude, sie rang nach Luft und wer auch aus der Entfernung in die strahlenden Augen der Amerikanerin Lindsey Vonn blicken konnte, wusste um ihre Emotionen sofort Bescheid. Die 24-Jährige wurde beim WM-Auftakt in Val d'Isère der Favoritenrolle gerecht und gewann im Super-G ihr erstes Gold. Die Saison-Dominatorin distanzierte auf der anspruchsvollen Piste „Rhone-Alpes“ die Konkurrenz, Silber sicherte sich überraschend die französische Lokalmatadorin Marie Marchand-Arvier.

Andrea Fischbacher bescherte dems ÖSV-Team mit Bronze einen geglückten Start in die Titelkämpfe.

 

Sie liebt Kühe und Berge

 

Für Vonn ging damit ihr sehnlichster Wunsch in Erfüllung. Für sie ist es auch der Lohn extrem harter Arbeit. Sie steht sechs Tage pro Woche unermüdlich auf den Skiern. Skifahren hat absoluten Vorrang, das muss sogar ihr Ehemann Thomas, selbst ein ehemaliger Skifahrer, akzeptieren. Und hat sie einmal einen freien Tag, „schlafe ich vierzehn Stunden“, gluckste Vonn und wich damit Fragen nach dem Geheimnis ihres Erfolges aus. Dabei kann sich die Liste sehen lassen: Sie gewann 2007 WM-Silber in der Abfahrt und im Super-G, sicherte sich 2008 den Weltcupgesamtsieg und eine kleine Kristallkugel (Abfahrt) und hält bei achtzehn Weltcupsiegen. „Was soll ich sagen? Es ist super, ich bin Weltmeisterin – das klingt cool!“

Unvorbereitet kam es für sie zwar nicht, doch sie hatte nicht so felsenfest darauf gesetzt wie ihr Management. Lindsey Vonn ist Teil des „Special Athletes Programm“ ihres Sponsors Red Bull. Seit 2006 leitet der Österreicher Robert Trenkwalder dieses Programm, und der ehemalige Abfahrtschef der ÖSV-Herren erkannte damals sofort das Talent der Amerikanerin. Stolz zeigte und verteilte er also im Zielraum die vorab gedruckten Autogrammkarten. Sie zeigen: Lindsey Vonn – „Skiing World Champion“. „Sie fährt unheimlich stark, sie zieht ihr Programm eisern durch“, sagt Trenkwalder. „Eine tolle Leistung!“ Sein Schützling sei eine „echte Rennfahrerin“, von dieser Sorte gäbe es nicht so viele.

So sehr Vonn Amerika auch liebt, so sehr sie Barack Obama im Wahlkampf auch die Daumen drückte, in Wahrheit dreht sich ihre Welt beinahe das ganze Jahr über um Österreich. In Kirchberg, Tirol, hat sie ihr zweites Heim gefunden, seit über fünf Jahren ist dort auch das US-Damenteam „stationiert“. Vonn liebt Berge, Luft, Land, Leute, Schnitzel und Kaiserschmarrn. Und sie hat immer ihre drei Kühe in der Nähe.

Kühe? 2005 gewann sie in Val d'Isère Olympe, so hat sie ihre Kuh getauft. Sie steht im Stall eines Freundes und inzwischen ist Olympe auch nicht mehr allein. Sie kalbte zum zweiten Mal und nun gehören zu Vonns Herde auch Sunny und Karin. 2009 gab es in Val d'Isère noch kein weiteres Haustier, dafür erstmals Gold.

Das Medaillen-Gen im Blut

Sie ist die Großcousine von Hermann Maier – und wie beim Superstar war auch bei Andrea Fischbacher immer schon ein Talent für den Super-G zu erkennen. Nach zwei Goldmedaillen bei den Junioren hat die 23-jährige Salzburgerin nun auch bei den Welttitelkämpfen der Elite mit Bronze ihr erstes Edelmetall gewonnen. „Ich wusste, ich kann schnell sein und muss einfach nur Gas geben.“

Ehrgeizig ist sie von frühester Kindheit an gewesen. Als sie zu Weihnachten 1989 als Vierjährige ihre ersten Ski geschenkt bekam, drehte sie damit im Fitnessraum des Elternhauses gleich Runden um den Tischtennistisch und am Christtag stand sie erstmals auf der Piste. Seitdem fährt sie für ihren Skiklub Eben, der seit Dienstag auch ihre WM-Bronzemedaille stolz zur Sammlung zählen darf.


 


© DiePresse.com