Die durchwachsene Saison der ÖSV-Abfahrer

Gerade in der Königsdisziplin hat die Skination Nummer eins nicht überzeugt. Hannes Reichelt ist als Gesamt-Sechster bester heimischer Abfahrer.

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(c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)

In acht Weltcuprennen haben Österreichs Abfahrer zwei Siege durch Max Franz in Gröden und Hannes Reichelt in Garmisch-Partenkirchen eingefahren, dazu kam Platz zwei von Matthias Mayer in Kvitfjell. Bei der WM beendete Franz mit Bronze die seit 2005 bei Weltmeisterschaften andauernde medaillenlose Zeit. Jetzt hoffen die Speedfahrer, frei von Blessuren in das Olympiajahr starten zu können.

Für Mayer war der Winter 2016/17 die Comeback-Saison nach seinen im Dezember 2015 erlittenen Brustwirbelbrüchen. Reichelt war im September an der Lendenwirbelsäule operiert worden. Franz spürte noch die Nachwirkungen seiner vor 14 Monaten in Kitzbühel bei einem Trainingssturz erlittenen Verletzungen an Sprunggelenk und Knie. Auch in Aspen hatte das Knie wieder einmal gezwickt.

Bei der Endabrechnung in der kommenden Saison, die ohne die zurückgetretenen Klaus Kröll und Georg Streitberger in Szene gehen wird, wollen die ÖSV-Speedstars deutlich weiter vorne klassiert sein. Landete Reichelt in der Wertung 2015/16 als ÖSV-Bester an der zehnten Stelle, so wurde es dieses Mal Rang sechs. Mayer kam auf acht, Vincent Kriechmayr auf 14, Franz auf 16 und Romed Baumann auf 16 - das ist für die Skination Nummer eins in der Königsdisziplin zu wenig. Reichelt hätte beim Finale noch die Chance auf Rang drei gehabt, nach einem schweren Fehler blieb er aber ohne Punkte.

Kugel vor Olympia

Das große Ziel 2018 lautet für ihn das kleine Kristall, das sich am Mittwoch zum zweiten Mal in Folge der Südtiroler Peter Fill gesichert hatte. "Ich gehe auf die Wertung los. Wenn ich immer vorne mit dabei bin und um die Kugel mitfahre, dann ist mir ehrlich gesagt Olympia wurscht. Die Kugel muss aber auch ein bisserl passieren, da musst du einen Lauf bekommen, den ich heuer nicht ganz hatte. Die Kugel ist für mich das größere Saisonziel als eine Olympiamedaille", sagte der 36-Jährige Salzburger.

Die Winterspiele betrachtet Reichelt mit gemischten Gefühlen, nicht nur, weil er bisher "Pech" hatte, sondern weil das Ganze aufgebauscht werde und nur das IOC davon profitierte. "Mich zipft es an, dass die Sportler hauptsächlich Mittel zum Zweck sind." 2006 in Turin war er Super-G-Zehnter, 2010 in Vancouver kam er nach einem Trainingssturz und erlittener Ellbogenverletzung nicht zum Einsatz, Sotschi 2014 verpasste er nach einer Bandscheibenoperation. Reichelt wünscht sich eine beschwerdefreie Vorbereitung für den nächsten Winter.

Zum Glück vorbei

Der Kärntner Mayer brauchte lange, um in der Abfahrt die Sicherheit wiederzufinden, das "Knöpfchen im Kopf" löste sich nur langsam auf. "Ohne Aua" will sein näherer Landsmann Franz in die nächste Saison reinstarten. In der abgelaufenen hakte er mit seinem ersten Weltcupsieg und der WM-Medaille zwei große Ziele ab, aber ansonsten waren die Leistungen eher bescheiden. "Hilft eh nichts." Er peilt 2018 Abfahrtskristall und Olympiamedaille an. "Ich habe gesehen, dass es möglich ist, dass ich vorne mitfahren kann."

Die Saison sei nicht gut gewesen, da müsse er sich nicht anlügen, meinte Kriechmayr. "Zu wissen, dass man es drauf hat, reicht nicht, wenn man es nicht runterbringt", weiß der Oberösterreicher. Zum Glück sei der Winter nun vorbei, sagte Baumann. "Wenn du weißt, dass du einen schnellen Schwung fährst, aber es kein einziges Mal ins Ziel bringst, dann wird das irgendwann ein bisserl mühsam. Vielleicht fehlt dann auch die nötige Lockerheit, deswegen schadet es jetzt auch nicht, einmal weg vom Schnee zu kommen und neue Motivation zu finden."

(APA)

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