Die Kristallkugel als letzter Mosaikstein

Mikaela Shiffrin steht als Gewinnerin des Gesamtweltcups fest. Mit nur 22 Jahren kann die US-Amerikanerin auf eine vollendete Karriere zurückblicken.

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(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Daniel Goetzhaber)

Olympiasiegerin war sie schon, außerdem dreifache Weltmeisterin. Nun thront Mikaela Shiffrin auch auf der allerhöchsten Stufe des Skirennsports. Weil ihre einzig verbliebene Konkurrentin, Ilka Štuhec, auf den Slalom am Samstag (17/19.30 Uhr, live in ORF eins) verzichtet, ist der Gesamtweltcup auch rechnerisch fixiert, Shiffrin kann sich also beim Weltcupfinale in Aspen, Colorado, unweit ihrer Heimatstadt Avon, für ihre erste große Kristallkugel feiern lassen. Mit nur 22 Jahren krönt sie ihre Karriere mit dem Titel der besten Skifahrerin des Winters.

Die Kritik, sie hätte vom vorzeitigen Saisonende der Titelverteidigerin Lara Gut profitiert, ist unbegründet, mit den 1523 Punkten, die Shiffrin vor den letzten beiden Rennen gesammelt hat, hätte sie auch im Vorjahr triumphiert, am Ende wird sie wohl auch mehr Zähler auf dem Konto haben als Anna Veith bei ihrer Titelverteidigung 2014/15, schon jetzt hat sie die Ausbeute der Salzburgerin von 2013/14 übertroffen.

Tina Mazes Punkterekord (2414, 2012/13) ist wohl eine Bestmarke für die Ewigkeit, er markierte auch bei den Damen das Ende der Allrounder. Seither waren drei Sieg-Disziplinen der Schlüssel zum Gesamtweltcup, Shiffrin hat es heuer wie Marcel Hirscher mit zwei geschafft, dank ihrer absoluten Slalom-Dominanz (die vierte Slalom-Kugel ist bereits unter Dach und Dach) und als Zweitbeste im Riesentorlauf (am Sonntag kann sie Tessa Worley noch abfangen).

Ein großes Wagnis gemeistert

Sie habe keine Angst, vom Gesamtweltcup zu sprechen, hatte Shiffrin beim Saisonauftakt erklärt und angekündigt, auch in ausgewählten Speedrennen zu starten. Sie fuhr drei Super-G (Plätze 34, 4, 13) und zwei Abfahrten (18, 13), holte insgesamt 103 Punkte, nicht entscheidend für den Gesamtweltcupsieg, aber angesichts der Ausbeute ein beträchtliches Risiko. Gut, Veith, auch Lindsey Vonn zahlten früher oder später den Preis der Vielfahrerei. Ob das Trio schon nächstes Jahr im Weltcup zurückschlagen kann, ist ungewiss, Gut erlitt erst vor fünf Wochen einen Kreuzbandriss, Veith muss nach erneuter Knieoperation mindestens sechs Monate auf das Skifahren verzichten, Vonn setzt nur noch auf Speedrennen.

Auch Shiffrin hat in diesem Winter die enorme Belastung erfahren. Der Wechsel der Disziplinen, die fehlenden Erholungspausen forderten ihren Tribut. Nachdem sie in Lake Louise erstmals eine komplette Speedwoche absolviert hatte, war eine Pause notwendig, auch nach dem historischen Semmering-Hattrick klagte sie über Müdigkeit. Aber ihr Privatteam rund um Mutter Eileen verstand es, die Notbremse zu ziehen, wenn das Risiko zu groß wurde, zuletzt verzichtete Shiffrin auf die Kombi-Abfahrt in Crans-Montana.

2017 war nur ein Startschuss

Obwohl sie mit der Kristallkugel alles gewonnen hat, was der Skisport hergibt, ist Shiffrins Potenzial längst nicht ausgereizt. Diesen Winter sieht sie als Startschuss, nach der WM in St. Moritz (Gold und Silber) folgt Olympia 2018 (Pyeongchang), dann die WM 2019 (Are). Reichlich Ziele, dazu die Titelverteidigung im Gesamtweltcup, den sie nun in Aspen mit einem Slalom-Schaulaufen feiern wird. Dort, wo sie schon 2015 mit 3,07 Sekunden Vorsprung gewann, der größten Differenz zwischen Platz eins und zwei jemals in einem Damenslalom.

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