„Die Presse“: Heute veranstaltet der im Sommer gegründete Europäische Ski-Verband (ESF) die erste Halleneuropameisterschaft in Amnéville. Als Präsident des Skiweltverbandes FIS sind Sie gegen diese Rennen. Warum?
Gian-Franco Kasper: Die FIS ist gegen diese Veranstaltung, das ist richtig. In erster Linie deshalb, weil diese Hallen-EM in keinem Rennkalender steht.
Müssen die Skifahrer, die nun an den Start gegen, Strafen fürchten?
Kasper: Das wird der FIS-Vorstand bei seiner nächsten Sitzung Mitte November entscheiden. Aber wir haben nie gesagt, dass wir Athleten, die an der EM teilnehmen, sperren werden. Die Athleten werden doch mehr oder weniger gezwungen. Sie folgen ja nur einem Befehl. Sanktionen kann es also nur gegen Verbände geben. Ob es dazu kommt, kann ich nicht sagen.
Was stört Sie am Europäischen Skiverband, dem die Verbände aus Österreich, der Schweiz, Frankreich und Italien angehören?
Kasper: Ich verstehe nicht, wie vier Nationen so einen Verband gründen können und dann so tun, als ob sie für ganz Europa sprechen würden. Was ist der Zweck von dem Ganzen? Die Verbandssprecher erklären, sie wollen sich mehr für Europa einsetzen, für den Tourismus, für mehr Rennen hier. Aber braucht man bitte schön dafür einen eigenen Verband? Man kann solche Anliegen, die im Übrigen die FIS wahrnimmt, auch bei uns zur Sprache bringen.
Was halten Sie von Skirennen in der Halle?
Kasper: Es gibt einen alpinen Europacup und den Snowboard-Weltcup in der Halle. Es ist ja nicht so, dass wir hier etwas verschlafen hätten. Ich kann mir auch vorstellen, dass wir einmal ein Alpin-Weltcup-Rennen in der Halle austragen. Wenn die Halle groß und lang genug ist.
Welchen Sinn haben Skirennen in der Halle?
Kasper:Skihallen sind dort ideal, wo es keinen Schnee gibt. Für Anfänger ist das sicher ideal. In der Halle können sie sich einen Gusto holen – und dann sagen: ,Das gefällt mir, ich fahre in die Berge.‘ In den Alpen aber braucht kein Mensch eine Skihalle. Hier träumen alle von Bergen, Schnee und blauem Himmel.
In Finnland soll sogar eine Skisprunghalle gebaut werden...
Kasper: Das ist eine Idee, mehr nicht. Das ist eine Zeichnung auf einem Blatt Papier. Und das ist keine Skisprungschanze, der Anlauf sieht nur wie ein Tunnel aus. Und ist damit windgeschützt.
Ist der Machtkampf zwischen FIS und dem Europäischen Skiverband nicht schon der erste Vorbote zu den FIS-Wahlen im nächsten Jahr?
Kasper: Ich habe das auch mit Verwunderung gelesen. Mehr kann ich dazu nicht sagen.
Welches Verhältnis haben Sie zu Peter Schröcksnadel, dem ÖSV-Präsidenten?
Kasper: Es gibt kein Verhältnis. Wir streiten auch nicht, wir sehen uns nur zweimal im Jahr. Meinungsverschiedenheiten haben wir allerdings oft. Und ich gebe zu, es gab oft Probleme. Auch mit österreichischen Veranstaltern. Wie Kitzbühel oder St. Anton. Schröcks-nadel und ich, wir sind keine Freunde.
Warum?
Kasper: Schröcksnadel gefällt sich am besten in der Opposition.
Spürt die FIS die Wirtschaftskrise?
Kasper: Wir haben großes Glück. Wir haben langfristige Verträge, auch 2010 läuft kein Kontrakt aus. Aber wir sind nicht resistent gegen die Krise. Der Wintertourismus ist im Vorjahr um fünf bis sechs Prozent zurückgegangen. Die Leute geben weniger aus, die Umsätze gehen zurück.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2009)

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