Morgenstern gewinnt die Vierschanzentournee

Im letzten Springen in Bischofshofen musste sich Thomas Morgenstern dem Norweger Tom Hilde knapp geschlagen geben, aber der Sieg in der Vierschanzentournee war ihm nicht zu nehmen.

Thomas Morgenstern behielt die Nerven.
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Thomas Morgenstern behielt die Nerven.
Agentur Diener (Diener/philipp Schalber)

Selbst die Jury konnte Thomas Morgenstern auf dem Sprung zu seinem ersten Tourneesieg nicht stoppen. Im ersten Durchgang von Bischofshofen musste er trotz regulärer Verhältnisse lange auf dem Zitterbalken warten, setzte aber nach dem Freizeichen unbekümmert seinen Sprung auf 136 Meter. Sein Verfolger Simon Ammann kam nur auf 133 Meter - das war die Vorentscheidung. Im zweiten Durchgang legte Morgenstern einen Satz auf 135 Meter nach, Ammann konnte mit seinem Sprung auf 140 Meter nichts mehr verändern.

Den Tagessieg sicherte sich vor Morgenstern der Norweger Tom Hilde, der mit 138 Metern im ersten und 132 Metern im zweiten Durchgang überraschte. Andreas Kofler landete auf Platz drei. Nach Olympia-Gold 2006 und 2010 ist der Tourneesieg Morgensterns größter Erfolg. „Das ist unbeschreiblich, davon habe ich schon als kleines Kind geträumt."

Das Schweigen der Kuhglocken

Echte Skisprungfans sind hart im Nehmen. Ihnen macht es nichts, stundenlang in der Kälte zu stehen. Auch den Weg hinauf zur Paul-Ausserleitner-Schanze in Bischofshofen, vorbei an der Unzahl von Glühwein- und Schnapsbuden, meistern viele der knapp 30.000 Besucher von Jahr zu Jahr mit Bravour. In Bischofshofen wird Tradition gelebt, seit Jahren wird an dem Erfolgsrezept „Wein und Spiele" festgehalten, das Tourneefinale soll eben auch eine Verlockung darstellen. Und gewinnt ein Österreicher, rinnt der wärmende Glühwein umso schneller.

Als Morgenstern im zweiten Durchgang den Tourneesieg sicherstellte, brandeten Lärm und Jubel auf. Zeitgleich läuteten Kuhglocken, Signalhupen und Ratschen waren zu hören - nur die letzten Skeptiker und Ammann-Fans verstummten. Sie hatten vergebens auf die Statistik gesetzt, sie wies seit 1973 immerhin fünf Verlierer aus, die als Führende nach Bischofshofen gekommen und als Verlierer wieder gegangen sind.

Davon wollte Simon Ammann nichts wissen. Er verneigte sich vor Morgenstern und seiner Leistung, wenngleich er zum zweiten Mal bei der Tournee mit Platz zwei Vorlieb nehmen musste. „Ich hätte zwei Bombensprünge gebraucht, Thomas war einfach zu überlegen. Er ist ein verdienter Sieger."

Morgenstern zog damit auch in einen elitären Klub ein. Es gibt nur wenige Springer, die Olympia, Tournee und Gesamtweltcup gewonnen haben. Der Deutsche Jens Weißflog schaffte es, auch Matti Nykänen (FIN) und Espen Bredesen (NOR) zählen dazu. Daher fällt es auch nicht weiter ins Gewicht, dass er nicht den Punkterekord von Wolfgang Loitzl (1123,7) knacken oder den größten Vorsprung aller Zeiten, gehalten vom Polen Adam Malysz seit 2001 mit 104,4 Zählern, überbieten konnte.
Eine Serie mit drei Gewinnern

Einen Rekord bescherte Morgenstern dem ÖSV-Team allerdings doch. Als bisher einzige Nation in der 58-jährigen Geschichte der Traditionsveranstaltung stellt Norwegen durch Björn Wirkola (1967-1969) dreimal in Serie den Sieger, drei verschiedene Gewinner aus einem Land in Serie gab es aber noch nie. „Wenn man schaut, dass wir die letzten drei Jahre mit drei verschiedenen Springern gewonnen haben, ist das mehr als nur imposant", sagt Cheftrainer Alexander Pointner.
2009 hatte Wolfgang Loitzl die Nase vorn, im Vorjahr triumphierte Andreas Kofler. Morgenstern machte nun den Hattrick perfekt und bestätigte eine andere Serie: Als Team sind die Adler seit der WM 2005 in Oberstdorf bei allen Großveranstaltungen, also WM und Olympia, ungeschlagen. Somit stehen die Vorzeichen auch für die Nordische WM Ende Februar in Oslo gut. Auch auf dem Holmenkollen will Morgenstern seine „Spaßmission" fortsetzen. „Einzelweltmeister war ich noch nicht, aber ich will nichts verschreien."

WM-Gold müsse passieren wie der Tourneesieg. Selbst wenn es Statistiker und Schweizer Skisprungfans bis zum letzten Sprung einfach nicht wahrhaben wollten.

 

Ergebnis Bischofshofen:

1. Tom Hilde NOR 138,0/132,0 278,7
2. Thomas Morgenstern AUT 136,0/135,0 277,1
3. Andreas Kofler AUT 131,5/139,5 275,3
4. Simon Ammann SUI 133,0/140,0 274,0
5. Martin Koch AUT 131,5/140,5 264,5
6. Manuel Fettner AUT 127,5/135,0 259,3
7. Johan Remen Evensen NOR 132,5/132,0 256,6
8. Michael Neumayer GER 128,5/127,0 243,8
9. Anders Jacobsen NOR 126,5/127,0 238,4
10. Adam Malysz POL 124,5/126,6 236,4

Endstand Vierschanzentournee

1. MORGENSTERN Thomas AUT 959
2. AMMANN Simon SUI 928
3. HILDE Tom NOR 895
4. FETTNER Manuel AUT 882
5. KOCH Martin AUT 881
6. MALYSZ Adam POL 875
7. HAUTAMAEKI Matti FIN 862
8. KOFLER Andreas AUT 840
9. LOITZL Wolfgang AUT 834

Weltcup: Stand nach 11 Springen

1. MORGENSTERN Thomas AUT 903
2. KOFLER Andreas AUT 621
3. AMMANN Simon SUI 561
4. HAUTAMAEKI Matti FIN 485
5. MALYSZ Adam POL 480
6. HILDE Tom NOR 386
7. LARINTO Ville FIN 342
8. FETTNER Manuel AUT 279
9. LOITZL Wolfgang AUT 256

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