[PREDAZZO/AG] Die Pause hat Gregor Schlierenzauer sichtlich gut getan. Nach dem Gewinn der Vierschanzentournee war dem Tiroler auf dem Kulm der Rummel um seine Person zu viel geworden. Daher ließ er die Reise zum Weltcup nach Japan aus und gönnte sich lieber einige Tage im „Hotel Mama".
Beim Weltcupspringen in Val di Fiemme und dem WM-Ort Predazzo meldete sich der Stubaier eindrucksvoller zurück, als er es sich vielleicht selbst erwartet hatte. Er dominierte den Bewerb nach Belieben, er bestach wieder durch souveränes Auftreten und Weiten. 134 und 134,5 Meter, die Konkurrenz verzweifelte am Samstag an seiner Sprungkraft. Am Sonntag aber musste er sich dem Polen Kamil Stoch (125,5/131,5 Meter) geschlagen geben. „Schlieri" schaffte nur 126 und 130 Meter. 1,6 Punkte fehlten ihm auf den Doppelsieg. Er sagt: „Das ist doch nicht weiter schlimm. Beim nächsten Mal gewinne wieder ich."
Schlierenzauer hat bereits 40 Weltcupsiege zu Buche stehen. In der „ewigen" Bestenliste der Skispringer liegt der Fulpmeser damit nur noch sechs Siege hinter dem Finnen Matti Nykänen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Rekordmarke fällt - und die Zeit spricht eindeutig für den 22-Jährigen, der noch gut und gerne zehn Jahre im Weltcup springen wird.
Dessen ist sich Schlierenzauer auch bewusst. „Wann ich Nykänen einhole? So weit denke ich nicht. Ich bin noch jung. Wenn ich weiter gesund bin, wird sich diese Frage erübrigen", sagte Schlierenzauer in seiner gewohnt ruhigen Art.
„Sein Talent ist ein Geschenk", erklärt Cheftrainer Alexander Pointner die Überlegenheit seines Schützlings. Dieses Talent macht sich vor allem beim „explosiven Absprung" bemerkbar und der exzellent ruhigen Flugphase. Darum ist Pointner davon überzeugt, dass Schlierenzauer schon in naher Zukunft zum Rekordhalter in der Weltcup-Historie avanciert. So fern sich nicht großartig etwas im systematischen Ablauf ändere, bestehe keine Gefahr, dass „Schlieri" zurückfalle. Er könne sich optimal anpassen, seinen Stil weiterentwickeln. Das habe er schon bei der Übernahme der Stabbindung bewiesen. Zwar war er einer der letzten Athleten, die dem Band abgeschworen hatten, dafür verstehe er es nun besser als alle anderen, die Vorteile des Stabes zu nützen.
Diese Anzeichen und die Zeit sprächen eindeutig für Gregor Schlierenzauer, sagt Pointner stolz. Sein Schützling kann der beste Skispringer aller Zeiten werden. Dem Weltmeister von Oslo 2011 und Tourneesieger von 2012 fehlen nur noch sechs Weltcupsiege und einmal Olympia-Gold.
Iraschko landet Doppelsieg
Auf den Heimsieg musste Daniela Iraschko lange warten. Doch in Hinzenbach konnte die Weltmeisterin den Bann brechen und feierte einen Doppelsieg. Am Sonntag fixierte sie den Sieg mit Sprüngen auf 85,5 und 91,5 Meter. Ihren Konkurrentinnen war das zu weit. „Das ist voll der Wahnsinn", freute sich die Steirerin. „Ich habe alles auf eine Karte gesetzt und es ist aufgegangen."
("Die Presse", Printausgabe vom 6. Februar 2012)
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