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„Sotschi – das ist die größte Baustelle der Welt“

08.02.2012 | 18:19 |   (Die Presse)

Hannes Reichelt erzielte im ersten Training für die Generalprobe der Olympia-Abfahrt in Krasnaja Poljana Bestzeit. Seine beiden Torfehler gingen fast zwischen unfertigen Sportstätten und Hundestaffeln unter.

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Krasnaja poljana/Ag. Bernhard Russi hat sich gewaltig ins Zeug gelegt. Der Schweizer Olympiasieger in der Abfahrt von Sapporo 1972 entwarf die Speed-Piste für die Winterspiele 2014 in der russischen Stadt Sotschi und schon beim ersten Training für die Olympiageneralprobe am Samstag stellten die kniffligen Passagen und engen Kurven für die Fahrer eine große Herausforderung dar. Die Strecke in Krasnaja Poljana, einem Ort, der etwa 70 Kilometer östlich von Sotschi und auf 600 Meter Seehöhe zu finden ist, erntete Lob und Tadel. In einem Punkt aber waren sich alle einig: Das Herz eines Abfahrers schlägt höher.

Hannes Reichelt ließ mit der Bestzeit aufhorchen, musste aber eingestehen, gleich zwei Torfehler in den engen Kurven begangen zu haben. Die Passage im Mittelabschnitt und den letzten Teil, der viele Sprünge beinhaltet, meisterte er aber mit Bravour. „Es ist alles drinnen, was eine Abfahrt braucht, mir gefällt sie. Unten ist sie geil, der Jump ist ein Wahnsinn. Diese Abfahrt hält mit Bormio und Wengen mit, zehrt aber noch mehr an den Kräften.“

 

Absolute Sperrzone

Als „olympiawürdig“ bezeichnete auch Didier Cuche die Strecke, wenngleich er 2014 wohl nur noch als TV-Kommentator oder simpler Gast den Spielen beiwohnen wird. Schließlich beendet der Schweizer mit Saisonende seine Karriere, die Probefahrt im Rahmen des Weltcups wollte er sich aber keinesfalls entgehen lassen. „Es war eine Herausforderung, das alles im Kopf zu behalten.“

Es sind aber auch besondere Eindrücke, die der Skitross derzeit in Russland sammeln kann. Mit drei Charterflügen des Weltverbandes FIS waren die Stars eingeflogen worden, um die ersten und einzigen Weltcuprennen vor den Winterspielen zu bestreiten. Noch könne man nicht erkennen, dass die riesige Baustelle links von der Straße einmal der Eiskanal sein soll, erklärte Reichelt. Von der Skisprunganlage, dem Snowboard- und Freestyle-Park ganz zu schweigen.

Fertig sind hingegen die alpinen Pisten. Das Gebiet um das Zentrum Rosa Khutor ist während der Testbewerbe absolute Sperrzone. Die Sicherheitsmaßnahmen sind äußerst streng, sie umfassen die Sicherung aller Einrichtungen und Liftstützen, aber auch Kontrollen von Fahrzeugen, Personen und Ausrüstung. FIS-Renndirektor Günter Hujara ermahnte alle Beteiligten, sich ausnahmslos an die Vorschriften zu halten. Ein vergessener Rucksack an einer Gondelstation sorge „für den sofortigen Stopp von allem, was sich bewegt“. Außer der Hundestaffel der Polizei, die dann ausrückt. Weil es auch ein „Test“ sein soll, wählte Hujara mit den Kurssetzern eine etwas „entschärfte“ Strecke.

Ganz andere Sorgen plagen die Organisatoren. Das Budget der Spiele ist von ursprünglich acht auf sagenhafte 24 Milliarden Euro angewachsen. Auf der „größten Baustelle der Welt“, so nannte FIS-Präsident Gian-Franco Kasper das Sotschi-Projekt, treibt auch die Korruption ihr Unwesen. Dagegen sind die Sprünge und engen Kurven der Abfahrtsstrecke harmlos.

1. Training: 1. Reichelt (AUT) 2:12,91 2. Cuche (SUI) 0,25 Sek. 3. Thomsen (CAN) 0,69; 11. Streitberger 1,57 12. Kröll 1,89 22. Baumann 2,79.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2012)

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